Ein Denker im Clownskostüm

Hinter der Bühne plauderte Alf Poier über sein Programm "Backstage", den Songcontest und die Region.
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  • Hinter der Bühne plauderte Alf Poier über sein Programm "Backstage", den Songcontest und die Region.
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In seinem neuen Kabarettprogramm bringt Poier sein Publikum nicht nur mit seiner Systemkritik zum Lachen, sondern erzeugt auch Betroffenheit durch tiefsinnige Lebensweisheiten. "Backstage", so der Name des Stückes, soll Einblick in das Leben eines Künstlers abseits der Bühne bieten. Der WOCHE stand Poier tatsächlich "Backstage" Rede und Antwort und plauderte über seine Kunst, sein Leben und seine Philosophie.

WOCHE: Wie beschreiben Sie Ihr neues Programm?
Alf Poier: Es geht nicht nur backstage ums Künstlerleben, das ist der Überbegriff, es geht speziell in der zweiten Hälfte um viele kritische Ansichten über die heutige Lebensweise und Werte. Auch kommen sehr persönliche Dinge, über die man normalerweise nur in der Gaderobe redet, denn in der Gaderobe spricht man anders als auf der Bühne. Das Programm ist mein existentialistischstes Programm überhaupt und die zweite Hälfte ist für die Zuschauer extrem berührend und ergreifend. Da gibt es auch immer wieder Tränen am Schluss.
In wenigen Tagen ist Vatertag. Welche Bedeutung hat und hatte Ihre Familie für Ihre Karriere?
Grundsätzlich bin ich kein Familienmensch. Aber dadurch, dass ich aus dem Rahmen gefallen bin, hat mich das dann doch wieder geprägt. Aus der christlichen Erziehung, die mehr oder weniger irgendwie zu einem Feindbild geworden ist, habe ich wahnsinnig viele Ideen herausgeholt. Aber es ist so, dass es eher konträre Meinungen und Ansichten gibt.
Und wie ist es mit Ihren wahren Freunden?
Ich habe einen riesigen Bekanntenkreis, aber mehr als vier bis fünf richtige Freunde kann man eh nicht haben. Die meisten sind Frauen aus ehemaligen Beziehungen, die mich sehr gut kennen.
Mit Platz sechs haben Sie Österreich 2003 beim Songcontest sehr erfolgreich vertreten. Warum schneidet unser Land bei diesem Wettsingen meist so schlecht ab?
Ich habe vorgezeigt, wie man es machen könnte und ich wollte es ja noch einmal probieren. Aber es ist ein Trauerspiel, wenn man beobachtet, welche Hintertürln geöffnet werden und welche Freunderlwirtschaft da betrieben wird, dass wir nur ja Letzter werden. Da nimmt man Persönlichkeiten, die natürlich keine Persönlichkeiten sein dürfen. Wenn ich das gemacht hätte, was der ORF von mir verlangt hat, wäre ich auch Letzter geworden. Man muss sich unbedingt gegen die Vorgaben stemmen, immerhin hat man nur zwei Tage Zeit, um 2.000 Journalisten zu überzeugen und das meiste, was wir geliefert haben, war einfach uninteressant und fad, inklusive der Lieder, auch wenn gute Musiker dabei waren. Es wird vom Marketingtechnischen völlig verkehrt aufgezogen.
Und was müsste sich ändern?
Die Kandidaten müssten eigenständig sein, aber das ist kaum möglich. Es ist beim ORF ein bisserl so wie mit der Mafia. Die schicken die jungen Buam vor zum Fladern, die jungen Buam erwischt es dann, die werden dann Letzter und die Bosse bleiben sitzen. Normal gehört einmal die ganze Riege gekündigt. Wenn wir in der Privatwirtschaft so unfähige Leute sitzen hätten, dann schauert es anders aus, dann hätte man einen solchen Job nicht lang.
Ihre Auftritte führen Sie regelmäßig in die Südoststeiermark. Verbindet Sie darüber hinaus etwas mit dieser Region?
Ich habe eine große Verwandtschaft hier, zum Beispiel in Bad Gleichenberg.
Gibt es etwas, das Sie in dieser Gegend besonders schätzen?
Ja, das Essen, das gute Grammelschmalz und das Verhackert. Und das Kernöl, das hab ich immer in Wien, das kann ich ja regelrecht trinken.
Und was mögen Sie hier nicht so?
Dass es hinter jedem Hügel ein Haus gibt. Ich bin von der Obersteiermark gewohnt, dass man in einen Graben geht und da ist ewig nichts, kein Haus, kein Garnichts.
Gibt es einen tiefsinnigen Gedanken, den Sie den Lesern mit in den Tag geben wollen?
Ein taoistischer Spruch: Der höchste Mensch weilt wie ein Leichnam und bewegt sich wie in Fesseln. Weder fragt er sich, warum er sich bewegt, noch fragt er sich, warum er sich nicht bewegt. Still kommt er, still geht er, still zieht er sich zurück. So spricht der Herr der gelben Erde.

Hinter der Bühne plauderte Alf Poier über sein Programm "Backstage", den Songcontest und die Region.
Die Bühne wurde von Poier zum Backstagebereich umfunktioniert.
Autor:

Marion Maier aus Südoststeiermark

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