100 Jahre Republik – was kam damals auf den Teller

Großmutter Rosa (im Bild mit Großvater Stephan) wurde 1896 geboren, ihre Kochrezepte gab sie an ihre sechs Töchter weiter.
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  • Großmutter Rosa (im Bild mit Großvater Stephan) wurde 1896 geboren, ihre Kochrezepte gab sie an ihre sechs Töchter weiter.
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Beim Jubiläum 100 Jahre Republik stellt sich die Frage: was kam bei den Urgroßeltern damals auf den Teller? Drehen wir die Zeit zurück. 1918 gab es keinen Kühlschrank, keinen E-Herd und auch keinen Supermarkt ums Eck. Gekocht wurde auf einem mit Holz befeuerten Sparherd, den es heute nur mehr in Museen zu sehen gibt. Die Erdäpfel im Keller und eine volle Speiskammer sicherten das Überleben.

Sterz an allen Tagen

Historische Kochbücher und vor allem die mündliche Überlieferung alter Rezepte geben Einblick, wovon sich Generationen vor uns ernährt haben. Garteln war damals kein Hobby, ein entsprechend großer Gemüsegarten sorgte für satte Mägen und für den Wintervorrat. Nicht sofort verwendetes Gemüse wurde eingerext, Kräuter getrocknet, Obst zu Marmelade verarbeitet, Kraut eingeschabt, Sellerie, Pastinaken, Rohnen und Möhren kamen in eine Kiste mit Erde und die Käferbohnen zum Trocknen auf den Dachboden. Hauptnahrungsmittel in unserer Region war der Sterz. „Bei uns hat’s täglich in der Früh Mehlsuppe und Sterz gegeben“, blickt Peter Rinner auf seine Kindheit am Hirning (Semriach) zurück. Die Suppen-Zutaten waren Mehl, Wasser, Milch und Salz. In die heiße Suppe eingerührt oder direkt zum Sterz serviert wurde eine „dicke Milch“. Dafür wurde die Rohmilch in einer irdenen Schüssel ein paar Tage stehen gelassen, bis sie dick wurde und sich obenauf eine Rahmdecke bildete. Mit pasteurisierter Milch gelingt das heute nicht.

Himmlische Grießsuppe

Ich erinnere mich an die Grießsuppe meiner Großmutter Rosa. So einfach das Rezept, so ein wunderbar heimeliges Gefühl vermittelt mir der Gedanke daran. „Man lässt den Grieß in kochendes Wasser einlaufen und schmalzt mit angelaufener Zwiebel und Petersilie ab“, ist im Kochbuch meiner Mutter zu lesen. Sonntags wurde noch ein rohes Ei in die kochende Suppe geschlagen, das ein abstraktes Muster aus weißem Eiklar und gelbem Dotter in die Suppenschüssel zauberte.

„Alle drei Wochen ist bei uns Brot gebacken worden“, erinnert sich Rinner. Aus den harten Resten wurde Brotsuppe gekocht. „Altbackenes Brot wird in Salzwasser mit einem Suppenwürfel aufgekocht, man sprudelt bis die Suppe breiig wird, gibt Petersilie, Salz und Pfeffer hinein. Es empfiehlt sich, das harte Brot zwei Stunden vorher einzuweichen“, steht in Mutters Kochbuch. Brotwürfel wurden auch für Knödel und Suppenstrudeln verwendet.

Verschwendet wurde nichts

Ein Festessen stand bei einer Schlachtung am Programm. „Wir Kinder haben das aufgefangene Blut in einer Schüssel rühren müssen, damit es nicht stockt“, erinnert sich Rinner. Mit Gewürzen, Knoblauch, Milch, Eiern und Mehl wurde daraus ein Bluttommerl. Die Innereien wurden gleich verkocht, das Fleisch mangels einer Kühlmöglichkeit gebeizt, geselcht und am Dachboden hinter einem feinmaschigen Fliegengitter aufbewahrt. Aus dem erhitzten Speck wurden Schmalz und Grammeln.

Verschwendet wurde nichts. Wer es sich leisten konnte, hielt ein Schwein. Im „Koschpelkübel“ wurden Küchenabfälle gesammelt, die für die Fütterung mit Getreide, Erdäpfeln und Burgunder für das „Butscherl“ aufgekocht wurden. Wozu man Erdäpfelschalen verwenden kann, auch das steht in meinem alten Kochbuch: „In erster Linie soll man sie für Futterzwecke verwenden. Ist das nicht möglich, so bilden sie getrocknet ein ausgezeichnetes Unterzündmittel“, ist darin zu lesen.

Vor allem bewährte Erdäpfel-Rezepte rangieren auch in unserer Zeit unter den TOP 10. Pommes sind keine Erfindung heutiger Zeit. Nur dass damals die Erdäpfel geviertelt und in heißem Schmalz frittiert wurden. Und auch Omas köstliche Erdäpfelnudeln haben nach wie vor Saison. Das Rezept dazu aus Mutters Kochbuch finden Sie tieferstehend

Erdäpfelnudeln

Zutaten: 1 kg Kartoffel, 300 g Mehl, 2 Eier, Salz, 20 g Schmalz, Salzwasser, 100 g Butter, 100 g Brösel. Die gekochten und passierten Erdäpfel mit Mehl, Eiern und Fett zu einem Teig kneten. Daraus dicke runde Nudeln formen und in Salzwasser kochen. Die Nudeln abseihen und in gerösteten Butterbröseln schwenken.

Autor:

Edith Ertl aus Graz-Umgebung

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