Schulreifescreening
Eine App "testet" die Schulreife

Mit der App und der Koboldin Poldi sollen die Kinder spielerisch Aufgaben erfüllen.
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App zur Schulreife sorgt für Aufregung: Ein Gespräch unter Experten schafft in Graz-Umgebung Klarheit.

Test oder Screening? Egal, wie das Wording lautet, die App, die die Schulleitung bei der Abklärung der Schulreife unterstützt, sorgte bereits für Aufregung und hitzige Diskussionen. Karin Landerl, Entwicklungspsychologin an der Universität Graz (die mit Kollegen der Uni Wien am Inhalt der App arbeitet), traf sich auf Einladung der Leitung des Kinderhauses "Kinder am Straßenglerberg" mit pädagogischen Experten aus Kindergärten und Volksschulen aus der Region, um über die App zu sprechen. Die WOCHE war dabei.

Förderbedarf aufzeigen

Das 2018 vom Bildungsministerium beschlossene Pädagogik-Paket sieht unter anderem das sogenannte Schulreife-Screening zur förderorientierten Diagnostik vor. Konkret geht es darum, für schulreife Kinder österreichweit einheitliche Kriterien für den Schulbesuch zu schaffen. Umgesetzt wird es mit "Poldi" – die App-Koboldin erfasst spielerisch anhand unterschiedlicher Aufgabenstellungen den Entwicklungsstand der Fünf- und Sechsjährigen bei der Schuleinschreibung (genaue Infos siehe unten). Damit sollen Schulen vorab über die Fähigkeiten der Kinder informiert und möglicher Förderbedarf frühzeitig erkannt werden.
Das Screening ist ein Ist-Zustand. Einen Soll-Zustand gibt es nicht, versichert Landerl: "Eltern können beruhigt sein. Das Screening vermittelt nicht, was ein Kind können muss. Es zeigt an, ob es Förderbedarf gibt. Wir wollen herausfinden, wer dem Unterricht in der ersten Klasse folgen kann und was es dazu braucht, wenn das nicht der Fall ist. Umgekehrt können Eltern, die leistungsorientiert denken, dann beruhigt sein und haben alles auf der Hand."
Kurz: Damit soll verhindert werden, dass zum Beispiel mitten im Schuljahr Lehrer und Eltern feststellen, dass das Kind Schwierigkeiten hat, dem Unterricht zu folgen. Eingeschult werden alle Kinder, unabhängig vom Resultat des Screenings – hierbei geht es um die Frage, nach welchem Lehrplan, Vorschule oder 1. Klasse, das Kind unterrichtet wird. "Die Kinder stehen immer im Vordergrund. Alle sollen dieselben Möglichkeiten haben. Deshalb soll die App frühestmöglich Aufschluss geben", sagt Landerl.

Kooperation ist ein Muss

Die Voraussetzung dafür, dass das Screening optimal umgesetzt werden kann, ist die Kooperation zwischen Kindergarten, Volksschule und Eltern. Darüber sind sich auch die Expertinnen vor Ort einig: Denn sie sind es, die die Kinder am besten kennen und ihre Leistungen und ihren Wissensstand entsprechend einschätzen können. "Kinder gleichen Alters haben unterschiedliche Entwicklungsstände von bis zu drei Jahren. Wir möchten nicht, dass mit dieser App die Kinder genormt werden. Den Kindern darf dieser Erstkontakt mit der Schule keine Angst machen", fürchtet Anita Grasser vom Kinderhaus "Kinder am Straßenglerberg". "Wird es auch nicht", beruhigt die Entwicklungspsychologin. Sie weist darauf hin, dass das Beobachten der körperlichen und geistigen Fähigkeiten mit dem Screening nicht wegfällt. "Das muss auch weiterhin aus der Beurteilung der Pädagogen erschlossen werden." Unklar ist für alle Anwesenden, woher die finanziellen Mittel und Personalressourcen kommen, wenn Förderbedarf festgestellt wird. "Durch die Ergebnisse müssen Ressourcen freigelegt werden. Aber auch das wird geklärt werden", so Landerl.

So funktioniert die App-Koboldin "Poldi"

Poldi, die "App-Koboldin", begleitet die Kinder am Tablet wie ein Computerspiel durch die Aufgabenstellungen, die in Form von Abenteuern im Zauberland zu lösen sind. Ziel ist es, Schlüssel zu sammeln, die am Ende eine Schatztruhe öffnen. Für jede gelöste Aufgabe bekommen die Kinder einen Schlüssel.
Die App ist kindgerecht und übersichtlich gestaltet (es gibt allerdings auch die Möglichkeit, das Screening in Papierform durchzuführen). Erhoben wird dabei in unterschiedlichen Aufgaben ein dem Alter entsprechendes Verständnis für Zahlen, Buchstaben oder Mengen und Formen. Insgesamt dauert der Weg durch das Zauberland 20 Minuten. Die erfassten Daten sollen schließlich Auskunft darüber geben, ob und in welchen Bereichen beim Kind Förderbedarf besteht. Kein Teil des Screenings sind soziale oder auch motorische Fähigkeiten, diese sollen bei der Schuleinschreibung von der Schulleitung festgestellt werden.

Mit der App und der Koboldin Poldi sollen die Kinder spielerisch Aufgaben erfüllen.
Die Pädagogik-Expertinnen aus der Region sprechen mit Karin Landerl (l.) über Vorurteile und die Chancen des Screenings.
Autor:

Nina Schemmerl aus Graz-Umgebung

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