Frauenvolksbegehren: "Wo sehen wir uns in der Zukunft?"

Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Das Frauenvolksbegehren setzt auch auf Lohntransparenz.
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Jetzt ist es fix: Um eine Chancengleichheit der Frauen in der Verfassung festzuschreiben, kann vom 1. bis 8. Oktober für das Frauenvolksbegehren unterschrieben werden. 100 Jahre, nachdem Frauen hierzulande das allgemeine Wahlrecht erhielten, sind Herr und Frau Österreicher erneut gefragt, für Selbstbestimmung, Gewaltschutz, soziale, wirtschaftliche und politische Sicherheit und Anteilnahme abzustimmen. Bislang haben sich 247.436 Unterstützer gefunden.
Im Vergleich zum "Don't Smoke"-Volksbegehren, das es mit 591.146 Stimmen zur offiziellen Abstimmung geschafft hat, sind das aber erstaunlich wenig Unterschriften. Die WOCHE hat deshalb mit der Nationalratsabgeordneten Karin Greiner, die sich u. a. für Familien und Lohntransparenz stark macht, über den Inhalt des Frauenvolksbegehrens und die Rolle der Frau gesprochen.

Zukunft der Gesellschaft

"Das Frauenbudget ist um eine Spur kleiner geworden. Jeder spricht von mehr Initiative, zu sehen ist aber zu wenig", berichtet Greiner über die letzte Nationalratssitzung. Dabei wäre mehr Geld für Gewaltschutz oder Kinderbetreuungsplätze, sagt die Judendorferin, dringend notwendig. "Es geht an sich nicht um die Frau, das Frauenvolksbegehren ist eine Gesellschaftsfrage. Wo sehen wir uns in der Zukunft, wenn Rollenbilder starr bleiben und das Potenzial der Frauen nicht gefördert wird?"
Zumindest in Stattegg macht man sich Gedanken darüber, denn die Gemeinde ist nach wie vor Spitzenreiter in gesamt Graz-Umgebung: Von 2.348 Wahlberechtigten gab es 106 Unterstützter, das entspricht fünf Prozent.

Keine Entlastung möglich

Würde das, was die Durchschnittsfrau am Tag vollbringt, auch vergütet werden, sehe es in den Geldbörsen gut aus. Im Unterpunkt "Arbeit teilen" fordert das Frauenvolksbegehren eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung bei variablem Lohn- und Personalausgleich, denn noch immer tragen Frauen den größten Teil der sozialen Verantwortung innerhalb der Familie bei unbezahlter Arbeit.
"Viele Frauen nehmen ihre Situation wie selbstverständlich hin, weil es 'eh schon immer so war'. Aber gerade Frauen, die längere Zeit zuhause bleiben, ziehen spätestens bei der Pension den Kürzeren. Und das muss sich ändern", sagt die Rechnungshofsprecherin, die bessere Bedingungen bei Teilzeit und Betreuungsmöglichkeiten fordert. "Häufig bleibt keine andere Wahl, als weniger arbeiten zu gehen, weil keine Entlastung möglich ist." Im Großteil der GU-Gemeinden sieht es mit Betreuungsplätzen rar aus.

Forderung nach Transparenz

Wie viel das Gegenüber verdient, hat sich wohl schon jeder gefragt. Bestimmt mehr, wenn sich Frau die Frage über den männlichen Kollegen stellt. Österreich hat im EU-Vergleich einen der höchsten Einkommensunterschiede. Das betrifft Frauen mit oder ohne Lehrabschluss und Akademikerinnen. "Der Großteil sollte sich ernsthaft Gedanken machen, warum bei gleicher Arbeit noch immer unterschiedlich verdient wird", so Greiner. Daher steht sie auch für die volle Lohntransparenz ein. "Wenn offengelegt wird, wer wie viel verdient, sähe vieles anders aus. Vielleicht würden sich dann mehr Frauen trauen, Forderungen zu stellen." Und vielleicht würde es bei der Möglichkeit zur Einsicht Chefs schwerfallen, überhaupt niedriger anzusetzen, fügt sie hinzu. "Frauen sollen nicht zurückstecken, sondern aufzeigen und sagen: 'Das bin ich wert'! Dem können auch Männer zustimmen." Mehr zum Inhalt: www.frauenvolksbegehren.at

Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Das Frauenvolksbegehren setzt auch auf Lohntransparenz.
Karin Greiner

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