Gratkorn: Kleinkrieg vor dem Schulneubau

So soll die neue Volksschule in Gratkorn einmal aussehen.
  • So soll die neue Volksschule in Gratkorn einmal aussehen.
  • Foto: Gemeinde
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

Nicht jeder Brief bringt frohe Botschaften. Gratkorns Bürgermeister Helmut Weber etwa erhielt unerfreuliche Post von der Kammer der Ziviltechniker. Der Grund ist die Vergabe an einen Generalübernehmer für den Neubau "Volksschule Gratkorn".

Mehr Kosten als Qualität?

In der Regel wird ein Haus nur einmal gebaut. Das gilt auch dann, wenn es sich um ein öffentliches Gebäude handelt. Daher ist es umso wichtiger, sich für den richtigen Partner im gesamten Bauvorhaben zu entscheiden. Für den Volksschulbau hat sich Gratkorn im September mehrheitlich für ein Totalübernehmerverfahren entschieden, das sämtliche Planungen und Leistungen abwickelt. Das sorgt bei Bürgerliste und den Grünen, die dagegen stimmten, für Unmut. Darüber hinaus zeigt sich die Kammer der Ziviltechniker weniger erfreut und schickte der Gemeinde ein Schreiben. Darin mahnen sie vor Kostenexplosionen, nachträglichen Mehrkosten und vor allem vor schlechter Bau- und Planungsqualität, die ein derartiges Verfahren mit sich bringen kann. Hierbei verweist die Kammer auf den Leitfaden des Bundes-Rechnungshofes, der 2018 an Kommunen weitergereicht wurde. "Die Marktgemeinde Gratkorn selbst misst dem Preis als Zuschlagskriterium in der gegenständlichen Ausschreibung 60 Prozent zu, der Qualität des Realisierungskonzeptes hingegen lediglich 25 Prozent!", heißt es im Schreiben.

Kritik an der Gemeinde

"Beschlossen wurde die Vergabe zwar mehrheitlich, aber es fehlte an Auswahloptionen", sagt Stephanie Kabon von der Bürgerliste. "Für uns ist keine Transparenz gegeben. Weder was die Kosten betrifft, die ohnehin schon gestiegen sind, noch was die Qualität betrifft. Mit der Abgabe an ein Gesamtpaket haben auch wir als Vertreter der Gemeinde keinen Einfluss mehr", sagt sie und führt an: "Es muss nicht, kann aber zu einem Pfusch am Bau kommen. Und hier geht’s nicht um ein Privathaus. Das passiert auf Kosten der Kinder und der nachfolgenden Generationen." Auch darüber, ob ökologisch und pädagogisch gerecht gebaut wird, macht sich Kabon Sorgen.

Vorteile im Verfahren

"Sie (die Kammer) versucht, Diskussionen auf politischer Ebene zu bringen, da ihr bewusst ist, dass ihre Argumentation rechtlich auf schwachen Beinen steht", erklärt der Bürgermeister. Die jetzt aufkeimende Debatte unter den Gemeinderäten ist für ihn unverständlich, und er weist auf zuvor eingehende Gespräche darüber hin. Auch sei die "operative Projektabwicklung nicht Kernkompetenz der Gemeindeverwaltung". Mit der Wahl eines Totalübernehmers ergeben sich für Weber einige Vorteile, etwa, dass der Aufwand der Ausschreibungen reduziert wird oder dass Kosten aufgrund der Gesamtverantwortung bewusster verwaltet werden.

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