SOS-Kinderdorf: Weniger Stress, mehr Kinderwohl

Im Gespräch über Familien: Claudia Hauboldt (Pressesprecherin), Familienministerin Juliane Bogner-Strauß, Pädagogischer Leiter Arnold Gröbacher,
Kinderdorfleiterin Stübing Julie Melzer, Kinderdorfleiterin Graz Birgitta Thurner und Pädagogische Leiterin Mirjam Slamar-Halbedl
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  • Im Gespräch über Familien: Claudia Hauboldt (Pressesprecherin), Familienministerin Juliane Bogner-Strauß, Pädagogischer Leiter Arnold Gröbacher,
    Kinderdorfleiterin Stübing Julie Melzer, Kinderdorfleiterin Graz Birgitta Thurner und Pädagogische Leiterin Mirjam Slamar-Halbedl
  • Foto: Stefan Janisch
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

Immer mehr Familien müssen mit Zukunftsängsten, Stress und emotionaler Belastung kämpfen. Bereits Kleinigkeiten werden häufig zu unlösbaren Herausforderungen, und Gewalt, Verwahrlosung oder Suchterkrankungen können die Folge sein. Die SOS-Kinderdörfer greifen unter die Arme, wenn Überforderung zum Familienalltag wird. "Diesen Familien Halt, Stabilität und Unterstützung zu geben, damit sie wieder für ihre Kinder da sein können, muss kollegiales Anliegen unserer Gesellschaft sein. Denn die Familie, in welcher Form auch immer, ist für ein Kind die wichtigste Ressource", sagt Kinderdorfleiterin Julie Melzer. Wenn Familien also regelmäßig Krisensituationen zu bewältigen haben, dann steht auch die Gesellschaft unter Druck. Passend zum Internationalen Tag der Familie, der heute, am 15. Mai, gefeiert wird, besuchte Familienministerin Juliane Bogner-Strauß das SOS-Kinderdorf Stübing, um über (präventive) Familienarbeit zu sprechen.

Sehnsucht nach der Familie

Das SOS-Kinderdorf zeichnet sich durch besondere Betreuungsmodelle aus, die vorsehen, die leibliche Familie mehr zu integrieren. Der steigende Stellenwert der Familienarbeit fundiert auf der Erkenntnis, dass sich Kinder und Jugendliche niemals vollständig von ihrem ursprünglichen Umfeld lösen und dass Hilfeverläufe gelingender sind, wenn die Eltern einbezogen werden. Um herauszufinden, wie stark die Sehnsucht nach Familie ist und in welchen Lebensbereichen Kinder besonderen Stress erleben, wurde vonseiten der Kinderdörfer beim Institut für Jugendkulturforschung eine österreichweite Studie in Auftrag gegeben. Mit einem aktuellen, erschreckenden Ergebnis: So empfinden von 400 befragten Jugendlichen 88 Prozent Stress in ihrer Familie, 55 Prozent wünschen sich mehr gemeinsame Freizeit (mehr dazu: siehe Infos unten).

Einbindung der Familie

Mit diesen Ergebnissen kann gearbeitet werden: Das SOS-Kinderdorf berät und unterstützt aktiv Eltern. Wenn es parallel zur Unterbringung im Kinderdorf auch die Einbindung und Stärkung der Eltern gibt, gibt es für Kinder eine reelle Chance auf ein Zurück nach Hause. "Allerdings besteht dabei die Herausforderung, dass Familienarbeit im stationären Bereich derzeit vor einem noch relativ starr versäulten Hilfesystem steht. Eine über die reine Kontaktpflege hinausgehende Elternarbeit ist noch nicht als Regelleistung in der Durchführungsverordnung zum Steiermärkischen Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert. Da muss noch viel passieren", so Melzer. Seit dem knapp 60-jährigen Bestehen von SOS-Kinderdorf Steiermark wurden insgesamt 1.900 Kinder in SOS-Kinderdorf-Familien und Wohngruppen betreut. Aktuell leben rund 90 Kinder im SOS-Kinderdorf Stübing.

Ergebnisse der Studie:

  • 88 % empfinden Stress in der Familie
  • 74 % erwarten sich mehr Unterstützung
  • 66 % wollen mehr gemeinsamen Spaß
  • 44 % finden, dass der Stress, den ihre Eltern nach Hause bringen, der Familie nicht guttut
  • 54 % wird der Schul- und Ausbildungsstress oft zu viel
  • 38 % aller Burschen und 53 % aller Mädchen haben Angst, im Leben nichts zu erreichen
  • bei 30 % fehlt die Zeit für eine gemeinsame Mahlzeit
  • bei 22 % fehlt die Zeit, wichtige Themen zu besprechen
  • bei 55 % fehlt die Zeit, gemeinsame Aktivitäten zu machen
  • 71 % der Familien holen sich keine externe Hilfe

(Quelle: www.sos-kinderdorf.at; befragt wurden 400 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung im Frühjahr 2019)

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