Expertentipp
Sündenbock statt Selbsterkenntnis

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In vielen Familien findet sich eine Person, die als Sündenbock herhalten muss. Im Gegensatz zum Wunderkind, das der ganze Stolz ist, ist das Halten eines Sündenbocks eine bequeme Angelegenheit, wenn es um Schuldzuweisungen geht. Warum das so ist, weiß die WOCHE-Expertin und psychologische Beraterin Anna Katharina Lanz.

Der Sündenbock hat übrigens schon eine lange Geschichte: Er war in der Liturgie ein wichtiger Akteur bei der Zerstörung des Jerusalemer Tempels – ihm wurden alle Sünden des Volkes Israels symbolisch auf den Rücken geladen und dann wurde er in die Wüste geschickte, um zwischen Gott und den Menschen eine Versöhnung zustande zubringen. Daher haben sowohl der "Sündenbock" als auch das Sprichwort "jemanden in die Wüste schicken" einen biblischen Ursprung.

Selbst Verantwortung übernehmen

Aber nicht nur Kinder werden in die Rolle eines Sündenbocks gedrängt. "Weitaus häufiger werden Eltern von ihren Kindern für Sachen, die sie nicht verstehen (wollen), verantwortlich gemacht", sagt Lanz. Auch Partner, Schwiegermütter oder Lehrer kommen zum Handkuss. "Weil Eltern eigentlich immer das Beste für ihre Kinder wollen, aber feststellen müssen, dass das Beste einfach nicht immer möglich ist, macht sich leicht ein schlechtes Gewissen breit." Eltern haben auf ihre Kinder einen großen Einfluss, auf der anderen Seite lernen die Kinder ihre Beziehungsfähigkeit von den Eltern und sind somit schon mitverantwortlich. "Irgendwann im Erwachsenenalter ist aber jeder selbst dafür verantwortlich, seine Potenziale zu nutzen. Es kann also nicht sein, dass etwa ein 50-Jähriger die Schuld an einer Beziehungsmisere auf die Eltern überträgt und sich selbst als Opfer sieht. In der Partnerschaft wird oft messerscharf der Schuldanteil gesehen, die Herkunft des Fehlverhaltens beurteilt und die eigene Schuldlosigkeit in den Vordergrund gekehrt", fasst die Expertin zusammen.

Kontakt:
Anna Katharina Lanz hilft als psychologische Beraterin in schwierigen Situationen oder wenn große Entscheidungen getroffen werden müssen. Sie arbeitet nach den Methoden der integrativen Gestalttherapie und der dialogisch-systemischen Familientherapie. Als WOCHE-Expertin steht sie unseren Lesern zur Seite.
Kontakt: anna.lanz@inode.at, 0660/222 6330;
Praxis: Hörgas 238, 8103 Gratwein-Straßengel

Lesen Sie mehr zum Expertentipp: "Wenn man sich selbst betrügt und überschätzt"

WOCHE-Expertin und psychologische Beraterin Anna Katharina Lanz
Autor:

Nina Schemmerl aus Graz-Umgebung

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