Zero Waste: "Wieder zurück zu einem Weniger"

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Wiederverwerten, recyceln, reduzieren und im besten Fall vermeiden: Mit dem Projekt "Zero Waste – in kleinen Schritten zur müllfreien Gemeinde" hat sich das Klimaschutzteam der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel zum Ziel gemacht, auf Müll zu verzichten. Was erst vor Kurzem als Idee geboren wurde, trägt schon erste Früchte: Eine Handvoll Geschäfte in der Großgemeinde hat sich als Kooperationspartner bereit erklärt, zum Nachdenken über die Verpackungsindustrie anzuregen.

Kleine Schritte

Der verpackungsfreie Lebensstil erfährt gerade einen Boom. Doch: So neu ist die Idee gar nicht. Einst gab’s die Milch in wiederverwertbaren Glasflaschen und nicht in Plastikpäcken, auch der heimische Greißler hat die Stoff- und nicht die Plastiksackerl gefüllt. Genau hier, bei Kleinigkeiten, wollen Merle Weber und Evelyn Rath anknüpfen. "Es geht darum, unsere Verpackungsgewohnheiten in kleinen Schritten und mit wenig Aufwand zu brechen. Erstmals geht’s um die Reduktion, wieder zurück zu einem Weniger und zu einem Sich-Befreien von unnötigem Müll. Das kann erfüllend sein", sagt Weber.

Wege finden

Warum die beiden das Projekt an die Gemeinde herangetragen haben, liegt für Rath auf der Hand: "Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kindern. Und vor allem haben wir doch die Möglichkeiten, nachhaltig zu leben. Wir müssen sie nur umsetzen." Das Klimaschutzteam setzt auf Müllvermeidungsstrategien, die sich im Alltag leicht umsetzen lassen. "Wir kommen heutzutage um Müll nicht herum. Vor allem Plastikmüll bleibt bei den wenigsten aus. Mit dem Projekt sollen Leute animiert werden, andere Wege zu finden. Der Umwelt zuliebe", sagt Rath.

Auf- und abfüllen

Das Zero-Waste-Projekt umfasst drei Ebenen (s. unten). "Es soll eine sinnvolle und gut durchdachte Umsetzung sein und nicht von heute auf morgen erzwungen wirken. Es darf ein Verzichten-Dürfen und muss kein Verzichten-Müssen sein", sagt Weber.
Der Anfang wurde aber bereits gemacht: Fünf Projektpartner sind bereits an Bord. Ein Aufkleber im Eingangsbereich macht Kunden darauf aufmerksam, dass es vor Ort andere Möglichkeiten gibt, mit Verpackungen umzugehen. Wer bei Verpackungsmüll aber nur an Lebensmittelgeschäfte denkt, hat den Zero-Waste-Aufkleber bei der Flora-Apotheke in Judendorf noch nicht gesehen. Hier müssen zwar gewisse Hygienevorgaben eingehalten werden, aber es geht hie und da auch anders. "Wir füllen Tee ab, Cremes wieder auf oder mischen Zahnpasta zusammen. Was im Bereich des Möglichen liegt, erfüllen wir für Kunden, die Verpackungen vermeiden wollen, gerne", verrät Apothekerin Melanie Jank. "Aber auch die Kundschaft denkt heute anders. Wenn es Kleinigkeiten sind, frage ich, ob man es so mitnehmen kann oder ein Sackerl benötigt wird. Häufig geht es dann auch so", freut sie sich.

Die drei Ebenen des Projekts:

1) Betriebe: Zusammen mit Zero Waste Austria werden Konzepte zur Müllvermeidung mit örtlichen Betrieben und Unternehmen erarbeitet. In der Großgemeinde bereits an Board: Genussladen (Gratwein), Genusseck (Judendorf), Schneiderei Colibri (Judendorf), Flora-Apotheke (Judendorf). Eine weitere Apotheke ist im Gespräch, im Frühjahr soll ein Gastronomiebetrieb dazukommen.
Dabei greift das Klimaschutzteam den Betrieben unter die Arme, indem das Umdenken ohne finanziellen Aufwand und mit wenigen Handgriffen an die Kundschaft weitergereicht wird. Etwa durch das Wiederbefüllen eigener Behältnisse mit Pflegeprodukten in der Apotheke, dem Angebot von textilen Mehrwegartikel in der Schneiderei oder der Annahme von mitgebrachten Glasflaschen oder Rücknahme und Wiederverwertung von diversen Verpackungen im Genusseck und -laden.
Damit die Kunden wissen, dass sie sich in einem Zero Waste-Projektbetrieb befinden, ist ein Aufkleber (oder Infotafel) im Eingangsbereich angebracht.

2) Gemeindebürger: Informationen über die Zero Waste-Bewegung sollen an die Gemeinde über die Gemeinde weitergetragen werden. Vortragsreihen, Workshops, Nähkurse und dergleichen sollen aufzeigen, wie Müllvermeidung im Alltag funktionieren kann.

3) Öffentliche und private Einrichtungen: In unterschiedlichen Kooperationen sollen vor allem Kinder an eine "müllfreie Kindheit" herangeführt werden. Praxisnahe und leicht umsetzbare Tipps und Tricks sollen in Schulen, Kindergärten, aber auch in Vereinen, vorgezeigt werden.

Ob Betrieb, Privatperson oder Verein: Wer Lust hat, Teil des Projektes zu werden oder sich einmal vorab über "Zero Waste" informieren will, der kann dies unter klimaschutzteam@gratwein-straßengel.gv.at tun. Auf Facebook gibt es zudem eine öffentliche Gruppe, die zum Mitmachen und Mitreden einlädt.

Autor:

Nina Schemmerl aus Graz-Umgebung

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