Todesfälle 2020 stark gestiegen
Steiermark traurige Spitze und stärker betroffen als Schweden

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Die Zahl der Todesfälle ist im vergangenen Jahr der Corona Pandemie stark angestiegen. Laut Statistik Austria gab es mit über 90.000 Todesfällen in Österreich um fast elf Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (2015-2019).
An der tragischen Spitze der Bundesländer liegt dabei die Steiermark mit 2020 um 14,6 Prozent mehr verstorbenen Menschen als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Statt erwarteten ungefähr 12.500 Todesfällen gab es 2020 14.353 Verstorbene in der grünen Mark.
Der Zuwachs ist dabei fast ausschließlich auf die hohe Übersterblichkeit im November und Dezember 2020 zurückzuführen, wo in der Steiermark teilweise pro Woche um 80% mehr Personen verstorben sind als sonst zu dieser Jahreszeit.
Den niedrigsten Zuwachs an Sterbefällen gab es in Österreich 2020 im Burgenland und in Niederösterreich. Diese vorläufigen Zahlen für 2020 können sich aufgrund von einzelnen Nachmeldungen von Standesämtern noch minimal erhöhen.

Sterbefälle 2020 Österreich pro Kalenderwoche im Vergleich

Mittelwert 2015-2019: 1.558,4 Todesfälle pro Woche
Mittelwert 2020: 1.725,2 Todesfälle pro Woche
+166,8 mehr Todesfälle gab es durchschnittlich in jeder Woche des gesamten Jahres 2020 (+10,7%*)
* Der Unterschied zum Zuwachs von 10,9% laut Statistik Austria ergibt sich durch die 366 Tage des Jahres 2020 gegenüber den 365,2 Tagen im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Bei der Betrachtung der Durchschnittswerte pro Kalenderwoche wird dieser Unterschied (0,22%) neutralisiert. Daher liegen die Vergleichszahlen pro Kalenderwoche alle leicht unter den Vergleichen pro Jahr, weil 2020 ebene einen Tag mehr hatte.

Todesfälle 2020 pro Kalenderwoche bis KW 43 (25.10.2020): 1.606,21
=> +47,8 Todesfälle pro Woche (+3,07%) zum Mittelwert 2015-2019
Todesfälle ab 26.10. bis Jahresende pro Kalenderwoche: 2.236,80
=> +678,4 Todesfälle pro Woche (+30,3%) zum Mittelwert 2015-2019

Die Bevölkerung in Österreich hat von Anfang 2015-2019 auf Anfang 2020 um 1,75% zugelegt, d.h. bis zum 25.10.2020 war die Übersterblichkeit 2020 insbesondere unter Berücksichtigung des Bevölkerungszuwachs vollkommen im Rahmen. Ab Ende Oktober hat sich das aber dramatisch geändert.

Kalenderwoche mit den meisten Todesfällen in den letzten 20 Jahren Österreich:
2020/49 2.543
2020/50 2.469
2020/48 2.431
2020/47 2.412
2017/02 2.340
2017/01 2.293
2020/46 2.285
2020/51 2.250
2016/52 2.160
2020/52 2.114
Die 10 Wochen mit den meisten Todesfällen in diesem Jahrtausend in Österreich sind alle entweder in der 2. Welle der Corona Pandemie auftreten oder in der stärksten Grippewelle der letzten Jahrzehnte der Saison 2016/17 mit laut AGES ungefähr 4.436 Todesfällen in Österreich.

In der Steiermark gab es die meisten der Corona Pandemie zugeordneten Todesfälle, entsprechend gab es in den Wochen mit vielen Corona Toten auch ein viel höhere Übersterblichkeit als in Gesamtösterreich:

Sterbefälle 2020 Steiermark pro Kalenderwoche im Vergleich

Mittelwert 2015-2019: 240,2 Todesfälle pro Woche
Mittelwert 2020: 274,8 Todesfälle pro Woche
+34,7 mehr Todesfälle durchschnittlich in jeder Woche des gesamten Jahres 2020 (+14,4%*)

Todesfälle 2020 pro Kalenderwoche bis KW 43 (25.10.2020): 248,74 
=> +8,84 Todesfälle pro Woche (+3,55%) zum Mittelwert 2015-2019
Todesfälle ab 26.10. bis Jahresende pro Kalenderwoche: 387,10
=> +146,9 Todesfälle pro Woche (+61,12%) zum Mittelwert 2015-2019

Wie man sieht war die Übersterblichkeit ab 26.10.2020 in der Steiermark weit dramatischer als in Gesamtösterreich. Entsprechend sind auch die Wochen mit dem meisten Todesfällen in diesem Jahrtausend fast ausschließlich im November und Dezember 2020 aufgetreten:

Kalenderwoche mit den meisten Todesfällen in den letzten 20 Jahren Steiermark:
2020/50 442
2020/48 429
2020/49 423
2020/47 417
2020/51 405

2020/46 399
2017/02 368
2020/52 365
2016/52 350
2020/45 343
Die Grippewelle 2016/17 ist in den 10 Wochen mit den meisten Todesfällen in der Steiermark "nur" mehr zweimal vertreten, außerdem war der Ausschlag während der 2. Welle der Corona Pandemie mit 442, 429, 423 und 417 Todesfälle pro Woche in der Steiermark viel dramatischer gegenüber den bisherigen Höchstwerten als in Gesamtösterreich.

Im Burgenland und Niederösterreich aber auch in Wien waren die Todesfälle pro Woche Ende 2020 zwar sehr hoch, aber nicht höher als die bisherigen Spitzenwerte der starken Grippewellen:

Kalenderwochen mit den meisten Todesfälle seit 2000 im Burgenland
2017/02 105
2015/08 101
2020/49 96
2018/08 95
2018/10 95
2003/10 94
2020/47 94
2020/46 92

2000/02 91
2015/10 89

Kalenderwochen mit den meisten Todesfälle seit 2000 in Niederösterreich
2017/02 517
2017/01 498
2016/52 463
2020/50 456
2009/04 454
2000/03 451
2020/47 450
2018/11 444
2020/49 438
2020/46 437

Vergleich der Übersterblichkeit mit anderen Ländern

In der Steiermark gab es also 2020 innerhalb von Österreich die höchste Übersterblichkeit, doch wie sehen die Zahlen im Vergleich zu ausgewählten anderen Ländern aus:

Mittelwert Todesfälle pro Kalenderwoche 2020 gegenüber Mittelwert 2015-2019
Österreich +10,7%
Steiermark  +14,4%
Burgenland  +6,3%
Niederösterreich 7,6%
Schweden* +6,6%
Region Stockholm* +15,1%
Schweiz +13,0%
Norwegen* -1,2%
Belgien* +15%
England & Wales** +14,2%
Deutschland** +4,5%
*ohne KW 53/2020 **ohne KW 52/53 2020 - Datenstand 14.01.2021 laut jeweils zuständiger Statistikbehörde (Statistik Austria, Bundesamt für Statistik, Statistics Schweden usw.)

Wie man sieht ist die Übersterblichkeit in Schweden insgesamt 2020 weit nicht so hoch wie in Österreich und schon gar nicht so hoch wie in der Steiermark. Der Durschnittswert wird sich auch mit der letzten Woche 2020, die in Schweden noch unvollständig veröffentlicht ist, kaum ändern.
In der Region Stockholm mit 2,3. Mio. Einwohner ist die Übersterblichkeit aber dramatisch höher. In Schweden sind fast 50% der Corona Todesfälle und auch fast 50% der Übersterblichkeit in der Region Stockholm aufgetreten. Norwegen als eines der Länder in Europa, dass am besten durch die Corona Pandemie gekommen ist, weist für 2020 eine Untersterblichkeit aus.

Unter Berücksichtigung der Bevölkerungsveränderung liegt die Steiermark noch schlechter

In den letzten fünf Jahren hat auch die Bevölkerung zugelegt, je nach Land und Bundesland war diese Zunahme unterschiedlich. 

Mittelwert Todesfälle pro Kalenderwoche 2020 gegenüber Mittelwert 2015-2019 unter Berücksichtigung der Bevölkerungsveränderung
Österreich +8,8%

Burgenland +5,2%
Kärnten +12,6%
Niederösterreich +6,1%
Oberösterreich +8,6%
Salzburg +11,9%
Steiermark +13,4%
Tirol +10,9%
Vorarlberg +10,4%
Wien +6,0%
Schweden* +3,1%
Region Stockholm* +9,9%
Schweiz +10,3%
Deutschland** +3,8%
Norwegen* -3,4%
Belgien* +13,1%
England & Wales** +12,0%
*ohne KW 53/2020 **ohne KW 52/53 2020 - Datenstand 14.01.2021 laut jeweils zuständiger Statistikbehörde (Statistik Austria, Bundesamt für Statistik, Statistics Schweden usw.)

In Schweden und der Region Stockholm ist die Bevölkerung noch stärker gewachsen als in Wien, entsprechend ist die Übersterblichkeit unter Berücksichtigung der Einwohner dort niedriger.

Ursachen für die dramatischen Zahlen in der Steiermark

Ein großer Teil der vielen zusätzlichen Todesfälle in der Steiermark lässt sich auf die relativ hohe Anzahl von Corona Todesfällen in den steirischen Pflegeheimen zurückführen. In der Steiermark gibt es im Bundesländervergleich die meisten in Pflegeheimen lebenden Menschen. Zusätzlich war nach Kärnten laut Zahlen der Statistik Austria die Übersterblichkeit in den Pflegeheimen in der Steiermark im November und Dezember am höchsten - nirgendwo gab es so viele Pflegeheim-Cluster in Österreich wie in der Steiermark.
Die Kombination aus vielen Pflegeheim Bewohnern und vielen Pflegeheim Clustern hatte dann entsprechend dramatische Folgen was die Todeszahlen betrifft.
Wie in der Steiermark auch sind in den meisten stark betroffenen Regionen wie Stockholm oder Ländern wie Belgien 40-50% aller Corona Todesfälle auf Alters- und Pflegeheime zurückzuführen.


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