Eine Weizerin am "Short Track" nach Sochi

Veronika Windisch wird für Österreich in Sochi im Short Track an den Start gehen.
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  • Veronika Windisch wird für Österreich in Sochi im Short Track an den Start gehen.
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Mit vier Siegen in allen Disziplinen bei den Österreichischen Meisterschaften stand das Ticket für Sochi außer Frage. Veronika Windisch aus Weiz wird damit Österreich bei den Olympischen Spielen vom 6. bis 23. Februar in Russland vertreten. WOCHE sprach mit der Athletin über Leben auf dem Eis.

Veronika, Short Track ist nicht gerade eine Trendsportart. Wie sind Sie zu dem Sport gekommen und was fasziniert daran?

Als ich etwa 12 Jahre alt war, war der damalige Trainer in Weiz ein Freund meines Vaters. Er meinen Vater darauf angesprochen ob er seine Kinder mal vorbeibringen wolle. Ich hatte vorerst nur meinem älteren Bruder zugesehen, aber da ich immer das machen wollte was er tut und er mein Vorbild war, hat es nicht lange gedauert bis ich selbst am Eis stand.
Bis 2002 war es mehr oder weniger eine Freizeitbeschäftigung und bis dahin hatte ich auch nur aus Spaß an Wettkämpfen teilgenommen, bei denen ich mich aber schon recht gut anstellte. Bei den europäischen olympischen Jugendspielen habe ich sogar eine Medaille geholt. Auch auf nationaler Ebene war ich auch recht schnell vorne dabei. Deswegen wurde ich schon 2002 zur Olympiaqualifikation nach Salt Lake City entsandt. Die internationale Norm konnte ich erfüllen, nur die nationalen Limits leider nicht. Als ich dann bei der Eröffnung meine Gegner einmarschieren gesehen habe, die ich auch schon geschlagen hatte, kam es in mir hoch: Das wollte ich auch. Ab dem Zeitpunkt war es mein großes Ziel an Olympischen Spielen teilzunehmen.
Der Sport fasziniert mich, weil es nicht nur auf einen Parameter ankommt, der die Leistung am Ende bestimmt. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, die ein Ergebnis bestimmen. Man kann sich auch bei einem noch so überlegenen Sportler nicht sicher sein, ob er/sie den Lauf gewinnen wird. Neben den konditionellen Fähigkeiten und Fertigkeiten spielen das Material, sowie Technik und Taktik eine große Rolle. Man legt sich vor dem Lauf eine Strategie zurecht und weiß dennoch nicht ob man das so durchziehen kann wie man es geplant hat, weil es ja noch 3-5 andere Athleten im Lauf gibt die sich auch eine bestimmte Vorgangsweise zurechtlegen.

Warum trainieren Sie in Dresden?
Ich habe von 2006 bis 2010 in einer internationalen Trainingsgruppe zumeist in Calgary trainiert. Nach den Spielen in Vancouver hat sich diese aber aufgelöst, nachdem zwei Sportler ihre Karriere beendeten und der Trainer nach Holland gegangen ist, um dort als Nationaltrainer zu arbeiten. Er hat mir dann angeboten weiterhin bei ihm zu trainieren. Aber da ich hatte keine Ahnung wie es für mich finanziell weitergeht, wollte ich auch mein Studium irgendwann zu Ende bringen. Deswegen habe ich mich beim deutschen Team erkundigt, ob es möglich ist mit ihnen zu trainieren, da ich auch kurzfristig heimfahren konnte, falls ich auf der Uni etwas zu tun hatte. Ich kannte den Großteil der Sportler und ich wusste dass in Deutschland sehr gute Bedingungen herrschen. Der damalige und jetzige Trainer, Miroslav Boiadjev, hat mir nach Rücksprache mit der deutschen Eisschnelllaufgemeinschaft, sofort angeboten zu kommen. Da das Nationalteam in Dresden stationiert ist, bin ich auch hier gelandet.

Bei soviel Zeit im Ausland, wie familienfreundlich ist Ihr Sport?
Ich habe sehr tolle Freunde und eine Familie, die mich in allem was ich tue unterstützt. Alle bringen mir große Anerkennung für das, was ich tue, entgegen und empfangen mich auch immer mit offenen Armen. Außerdem gibt es ja Skype, Facebook und Whatsapp, dadurch hält sich das Gefühl zu Hause etwas zu versäumen auch in Grenzen. Und der soziale Kontakt mit meinem Umfeld in der Steiermark bleibt dadurch aufrecht.

Wie viel Zeit nimmt das Training in Anspruch?
Da ich nur im Ausland eine Infrastruktur vorfinde, die mir das professionelles Training ermöglicht, muss ich schon auf viele schöne "Zusammenseins" mit Familie und Freunden verzichten. Ich bin sicher mehr als 35 Wochen im Jahr im Ausland unterwegs.
Ich trainiere, je nach Periodisierung, etwa 12 Einheiten die Woche. Also zwei Einheiten – manchmal auch drei – täglich, sechs Tage die Woche. Sonntag ist meist frei.
Zur Zeit sieht eine Trainingswoche so aus: Von 9 bis 11 Uhr sind wir am Eis. Wir treffen uns jedoch ein Stunde davor schon zur Erwärmung "am Land". Nach dem Eistraining nehme ich mir meist auch noch Zeit zum Auslaufen und Dehnen. Danach werden die Eislaufschuhe für die nächste Einheit vorbereitet und erst dann geht's nach Hause zum Mittagessen. Am Nachmittag haben wir dann entweder ein Krafttraining, ein Koordinations/Schnelligkeitstraining, Radintervalle oder ein Imitationstraining. Da wird die Shorttrack-Position imitiert und verschiedene Übungen in dieser Position durchgeführt.

Wie bereiten Sie sich auf die Olympischen Spiele vor?
Es wird auf jeden Fall versucht das Training so abzustimmen, dass man zu den olympischen Spielen die beste Form abrufen kann. Der Weg dorthin ist steinig und man muss auch mit Rückschlägen zurechtkommen. Man darf sich einfach nicht irritieren lassen.
Ich weiß bereits jetzt genau an welchem Tag um wieviel Uhr ich welchen Lauf haben werde. Ich werde schon vor der Abreise nach Sochi versuchen mich der Ortszeit anzupassen. Die sind uns ja drei Stunden voraus. Das ist nicht wirklich viel, kann den Biorythmus aber dennoch beeinträchtigen.
„Wettkampfnahrung“ wird im Gepäck sicher auch nicht fehlen. Müsliriegel oder Nahrung, die mein Körper bereits kennt und ich weiß, dass es gut verträglich ist. Mein Reservematerial ist bereits vorbereitet. Aber im Endeffekt ist das nicht anders als bei einem anderen Wettkampf.

Bei welchen Bewerben werden Sie starten und bei welchen rechnen Sie sich die besten Chancen aus?
Ich habe auf allen Strecken, 1500m, 1000m und 500m, einen Quotenplatz geholt, was als einzige Vertreterin eines Landes wirklich schwer war. Die Quotenplatz-Verteilung bevorzugt einfach Länder mit mehreren Startern in den einzelnen Disziplinen. Ich werde auf jeden Fall die Chance nützen auf allen Strecken zu starten. Bei den 500m rechne ich mir allerdings nicht allzu große Chancen aus, zumal ich diese Strecke die letzten Jahre nur sehr wenig gelaufen bin. Mir liegen die längeren Strecken besser wie die 1500m und 1000m.

Wer unterstützt Sie vor Ort bei dem Event?
Ich trainiere mit dem deutschen Team. Deren Trainer wird mich bei den Trainings auf jeden Fall betreuen und mir auch bei Fragen zur Seite stehen. Aus österreichischer Sicht wird mich der Sportkoordinator des österreichischen Eisschnelllaufverbandes Marek Stanuch begleiten.

Was sind die Herausforderungen bei so einer Großveranstaltung?
Das man den Fokus behält und sich auf das Wesentliche konzentriert. Es ist sehr leicht sich von dem "Drumherum" der olympische Spielen ablenken zu lassen. Außerdem ziehen sich unsere Wettkämpfe über zwei Wochen und es wird sicher nicht leicht von Anfang bis Ende voll fokussiert zu sein. Die Kulisse wird sicher etwas größer sein als wir es bei einem Weltcup haben.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Sochi.

Veronika Windisch wird für Österreich in Sochi im Short Track an den Start gehen.
Die Kufen, die für Veronika Windisch die Welt bedeuten.
Autor:

Johannes Häusler aus Weiz

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