Unternehmer-Interview
Geschichte achten, Kulturen erhalten

Seit über 30 Jahren sorgt Geschäftsführer Gerhard Zottmann dafür, dass Denkmäler restauriert und konserviert werden.
  • Seit über 30 Jahren sorgt Geschäftsführer Gerhard Zottmann dafür, dass Denkmäler restauriert und konserviert werden.
  • Foto: Zottmann GmbH
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

Für die Restaurierungswerkstatt Zottmann in Gratwein-Straßengel ist Historie ein zu schützendes Gut.

WOCHE: Ihr Unternehmen erweitert sich stets sehr erfolgreich. Wie hat aber alles angefangen?
Gerhard Zottmann:
Vor gut 30 Jahren, im April 1990, habe ich mich als Restaurateur und Bildhauer selbstständig gemacht, in den ersten zehn Jahren sind wir mit zehn Mitarbeitern gewachsen. Nach und nach konnten wir expandieren und mit der Übernahme eines Mitbewerbs überregional tätig sein. Wir decken sämtliche Bereiche ab, der Fokus liegt aber auf Natur- und Kunststein, Stuck- und Putzoberflächen.

Woher kommt Ihre Affinität für Restaurierung und Co.?
Für mich ist es ein Privileg, in die Geschichte einzutauchen. Über einen großen Zeitraum beschäftigen wir uns mit Details, die von großer Bedeutung sind. Wir spüren und sehen, was passiert.

Historiker, Künstler, Handwerker? Als was bezeichnen Sie sich?
Wenn mich jemand fragt, dann weiß ich keine so rechte Antwort. Ich bin ein bisschen von all dem. Am wenigsten ein Künstler, obwohl Kreativität eine Rolle spielt. Ich bin wohl Manager, der weiß, dass viele kleine Schritte zu einem fertigen Produkt führen, das vor allem Visionen braucht. Aber es geht um kulturelle, geschichtliche Werte.

Franziskanerkloster Graz, Dom zu Salzburg, Akademie der bildenden Künste Wien, Vogtturm Zell am See und noch so viel mehr: Ihr Portfolio kann sich sehen lassen. Sind Sie bei all dem noch ein wenig ehrfürchtig?
Aber ja, denn die Geschichte hat immer einen hohen Stellenwert. Kultur zu erhalten, ist wichtig. Ich sage nicht Identität, denn Identität ist eine Mischung aus so vielen Kulturen. Sie hat so viele Einflüsse. In unserer Branche versuchen wir, geschaffene Kultur zu erhalten, ohne Symbole zu erhalten. Es geht um die Vermittlung von Inhalten. Dabei treffen sich traditionelle und fortschrittliche Gedanken. Die Branche hat viele Chancen, denn wir decken kein elitäres Feld ab, Denkmalpflege ist keine Maßnahme am Objekt, sondern für die Menschen.

Ist Kultur für Sie mit Emotionen verbunden?
Wenn man weiß, wie leichtfertig Gebäude weggerissen werden, statt sie zu erhalten, was sinnvoll wäre, dann ja, dann bin ich dabei sehr emotional. Bei der Restauration, Reparatur und Pflege geht es immerhin um eine gesellschaftliche Arbeit.

Zottmann punktet auch mit einem sozialen Aspekt, der innerhalb des Unternehmens gelebt wird. Erzählen Sie uns bitte davon.
Wir arbeiten interkulturell zusammen, mit Mitarbeitern aus 17 Nationen in allen Ebenen vertreten, von Südamerika bis Graz-Umgebung. Mir, uns, ist es wichtig, Individualität und das Gemeinsame hervorzuheben. Darüber hinaus bin ich Obmann von "Die Manufaktur". Der Verein unterstützt den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Hier zählt nicht, was man gemacht hat oder warum man Hilfe braucht, hier wird Wissen und Erfahrung wertgeschätzt. Viele Mitarbeiter machen auch eigene Sachen, in Wien zum Beispiel ist ein Team in der "Gruft" tätig, der Einrichtung für obdachlose Menschen.

Das klingt nach einem tollen Arbeitsklima. Haben Sie Probleme bei der Personalsuche?
Nein. Wir werden sogar überschwemmt. Leistung und Einsatz hängen, so sehe ich das, immer von einem respektvollen, toleranten Umfeld ab. Wenn das nicht gegeben ist, dann findet man auch niemanden, der für einen arbeitet.

Zum Unternehmen
Geschäftsführer Gerhard Zottmann ist Bildhauermeister, Restaurator und allgemein beeideter, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Die Zentrale der Restaurierungswerkstatt Zottmann GmbH liegt in Graz-Umgebung: Gewerbepark 8, 8111 Gratwein-Straßengel, 03124/55910, www.zottmann.at.
Weitere Filialen: Wien, Salzburg, Pöllauberg. Portfolio: von Beratung, Gutachten und Untersuchungen über Restaurierung und Konservierung bis hin zur Rekonstruktion. Die Mitarbeiter kommen aus 17 Nationen, innerhalb des Unternehmens wird auf Vielfalt und Nachhaltigkeit Wert gelegt. Darüber hinaus engagieren sich die Zottmann GmbH und die Mitarbeiter selbst für soziale Projekte.
Die Zottmann GmbH fördert die Mitarbeiter mit internen Kursen, wo auch externe Fachleute ihr Wissen weiterreichen.

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