Gratkorn: Beim Stammtisch nah am Bürger

Interessierte und engagierte Gratkorner als Teilnehmer beim Bürgermeisterstammtisch.
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Gratkorn beschloss neue Richtlinien für die Förderung seiner Vereine, streicht die Nachhilfeförderung, forciert den Kanal- und Straßenbau und baut ein Rückhaltebecken in der Dult. Diese und weitere Themen wurden bei den Bürgermeisterstammtischen heiß diskutiert.
Der Bürgermeisterstammtisch in Gratkorn ist eine bewährte Einrichtung. Nicht erst seit Gratkorns Finanzkrise bittet Bgm. Ernest Kupfer jährlich im Herbst zu öffentlichen Sprechstunden in örtliche Gasthäuser. Zu insgesamt sechs Stammtischen kamen rund 200 Gratkorner, die Wünsche, Beschwerden und Kritik einbrachten. Die WOCHE war dabei.

Heißes Thema Vereinsförderung

Gratkorn ist reich an Vereinen. Fast jeder zweite Gratkorner ist Mitglied in einem der rund 50 Vereine, deren Palette vom Arbeiterfischerverein bis zu den Ziergeflügel-Freunden reicht. „Die Vereine sind für unser Zusammenleben ganz wichtig“, betont Bgm. Ernest Kupfer. „Beim gemeinsamen Miteinander werden kulturelle und soziale Barrieren sowie Einsamkeit überwunden“. Mit den Sparmaßnahmen kam allerdings auch der Rotstift für die ehrenamtlichen Kultur- und Sportträger. Zum heißen Eisen Fußball betont Kupfer, dass Gemeinde-Förderungen ausschließlich in den Jugendsport fließen. „Wir fördern Fußball von den Gratkorner Stoppeln bis zur U18“. In die Kampfmannschaft des FC Gratkorn fließe kein einziger Steuer-Euro.

Neuer Rekord an Veranstaltungen

213 kulturelle und sportliche Veranstaltungen stehen für 2015 fix am Kalender, organisiert von den Vereinen. Jetzt gibt’s dafür wieder eine Vereinsförderung nach genauen Richtlinien. So hängt die Höhe der Förderung von der Vereinsgröße und den geleisteten Aktivitäten ab, um einen Anteil am Kuchen zu erhalten. 45.000 Euro sieht die Gemeinde dafür insgesamt vor.

Schwimmen

Der Gedanke, das Gratkorner Hallenbad aus Kostengründen zu schließen, wurde wieder verworfen. Im ganzen Bezirk gibt es gerade einmal eine Handvoll Hallenbäder, die für keine der Gemeinden kostendeckend sind. Aus Spargründen wird das Hallenbad Gratkorn künftig nur mehr von Montag bis Freitag geöffnet, in den Monaten Juni bis einschließlich September geschlossen, und der Tarif für die Stundenkarte um 50 Cent angehoben. Die Saisonkarte wird für Gratkorner Vereinsmitglieder deutlich billiger. Neu ist: Das Hallenbad kann außerhalb der Öffnungszeiten um 38 Euro pro Stunde gemietet werden.

Turnsaal und Balkenmäher für jedermann

Wie das Hallenbad, können auch weitere Gemeinderäumlichkeiten und Maschinen des Wirtschaftshofes angemietet werden. So gibt es den Balkenmäher um 7,50 Euro oder die große Sporthalle um 60 Euro pro Stunde. Ein ganzes Maßnahmenpaket soll helfen, die Gemeindefinanzen zu sanieren. Die Gesamtverschuldung ist seit zwei Jahren rückläufig und beträgt zum jetzigen Zeitpunkt 45,2 Millionen Euro. Pleite ist Gratkorn nicht. Einrichtungen wie die Musik- und Kunstschule, das Kulturhaus, Sportplatz sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen stellen einen Vermögenswert von über 100 Millionen Euro dar, so Kupfer.

Salär des Gemeindevorstandes

Wie bei den Gemeindefinanzen, machte Kupfer beim Bürgermeisterstammtisch auch sein Bürgermeistergehalt transparent. Unter seinem Amtsvorgänger waren die Bezüge für den Gemeindevorstand um 25 Prozent angehoben worden. Im Zuge der Sparmaßnahmen wurde die Erhöhung im Februar 2014 zurückgenommen auf den Stand wie vor zehn Jahren. Weil die Umstellung im Bezüge-Schema erst im Frühjahr schlagend wurde, „habe ich den entsprechenden Betrag als Spende an die Lebenshilfe Gratkorn überwiesen“, so Kupfer.
Zudem trat mit 1. Jänner 2014 das neue Bezüge-Gesetz des Landes Steiermark in Kraft. Diese regelt das Einkommen der Bürgermeister nach der Einwohnerzahl. Gratkorn hat 7.622 Einwohner, weil aber die letzte Volkszählung für die Bezüge einer ganzen Gemeinderatsperiode herangezogen wird, fällt Kupfers Salär in die Marke einer Gemeinde mit bis zu 7.000 Einwohnern.

Ausblick 2015

Kupfer ist für die ernsthafte Sanierung der Finanzen, aber gegen ein Totsparen der Gemeinde. „Nachdem in den letzten Jahren nichts gemacht wurde, müssen Straßensanierungen erfolgen“. In den Kanalbau fließen von 2015 bis 2017 insgesamt 970.000 Euro. Forciert wird der Hochwasserschutz. Mit dem Bau des Rückhaltebeckens in der Dult wird 2016 begonnen, zwei Jahre später soll die Hochwassergefahr für den Ortsteil gebannt sein.

Reaktionen

Nicht alle bei den Stammtischen vorgebrachten Anregungen können sofort umgesetzt werden, aber „wir schauen uns alles an“, so Kupfer. Herwig B. machte beim ersten der sechs Stammtische auf eine ausgebleichte Verbotstafel aufmerksam. „ Zu meiner Überraschung war zehn Tage später die neue Tafel montiert“, sagte der Gratkorner beim sechsten und letzten Bürgermeisterstammtisch der Saison.

Wo: Gemeindeamt Gratkorn, Doktor-Karl-Renner-Strau00dfe 47, 8101 Gratkorn auf Karte anzeigen
Autor:

Edith Ertl aus Graz-Umgebung

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