08.10.2017, 20:31 Uhr

Die Rückkehr des Kriegsgefangenen

Der Franzose Claudius Chalandon
Stattegg: Möstl |

Der Franzose Claudius Chalandon, von Beruf Bäcker, geriet im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft und wurde in die Obersteiermark versetzt, wo ihn harte Arbeit auf den Bergbauernhöfen erwartete.1942-1945 verrichtete er hier Dienst in der Landwirtschaft im Rahmen des STO (Service du Travail Obligatoire=Zwangsarbeitsdienst).

Jetzt feierte er seinen 100.Geburtstag und kam wie schon seit 60 Jahren wieder in seine geliebte Steiermark zu seinen Freunden auf Besuch. Der ganze Ort St.Ruprecht bei Murau feierte mit ihm an diesem Sonntag im Oktober 2017 seinen 100.Geburtstag und das Erntedankfest.
Hier lernte er seine spätere Frau kennen, eine Kriegsgefangene aus der Sowjetunion. Sie heirateten und bekamen drei Söhne. Nach dem Krieg kehrte Claudius mit seiner Alexandra nach Lyon zurück. Es zog ihn aber immer wieder im Urlaub in die Steiermark, erstmals 1957.  Auch nach dem Tod seiner Frau 1998 macht Claudius gerne Urlaub bei seinen Freunden. Auch seine Söhne und Enkelkinder kommen gerne mit.
Seine Frau Alexandra vermisste ihre Hubensteiner Mutter, die sie wie ein Kind aufgenommen und behandelt hatte. Mit den Frauen auf dem Hof schloss er Freundschaft, die das ganze Leben lang Bestand haben sollte.
Als Geschenk bekam der Jubilar ein Bild seiner Ruprechter Kirche und Schmankerln aus der Region.

Mehr über die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg aus Frankreich und anderen Nationen in der Steiermark erfahren Sie in den einschlägigen Publikationen des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz.
Ein ausführliches Interview mit Claudius Chalandon finden Sie in der Publikation
Stefan Karner/Peter Ruggenthaler: Zwangsarbeit in der Land- und Forstwirtschaft auf dem Gebiet Österreichs 1939 bis 1945, Wien 2004.
Beachten Sie auch meinen Beitrag über einen italienischen Zwangsarbeiter in diesem Band.
Reinhard Möstl
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