01.11.2016, 04:00 Uhr

Begleitung bis zum Tod

Dasein, wenn alles andere an Bedeutung verliert: die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter sind dafür bereit
Auch wenn das Sterben gern verdrängt wird, zu Allerseelen ist es präsent. Es gibt Menschen, die das Abschiednehmen ehrenamtlich auf sich nehmen. Sie sind geschulte Lebensbegleiter – oftmals bis zum Tod. In Wundschuh wird nächste Woche das 32. Steirische Hospizteam gegründet, in Frohnleiten hat man bereits lange Erfahrung mit der Begleitung von Sterbenden und Trauernden.

Wenn nur mehr das Dasein zählt

Schneller, größer, weiter, mehr – wenn die Lebensuhr die letzten Takte anschlägt, verlieren bisherige Wertigkeiten an Bedeutung. „In jedem anderen Beruf versucht man Lösungen zu haben, Ratschläge zu geben, andere von seiner Meinung zu überzeugen“, sagt Monika Dunkl. „In der Begleitung von Sterbenden oder Trauernden lernt man, dass es überhaupt nicht notwendig ist, irgendetwas tun zu müssen“, setzt die Kalsdorferin nach, die eben das Hospizseminar abgeschlossen hat.

Was bewegt Menschen, sich freiwillig und unbezahlt an das Bett Sterbender zu setzen oder Trauernde zu begleiten? Der überraschende Tod der Schwester führte Maria Novak zum Hospizverein. „Ich habe den Tod nicht mehr verarbeiten können“, blickt die Frohnleitnerin auf den Schicksalsschlag zurück. „In der Hospizausbildung lernte ich, dem Tod einen Stellenwert im Leben zu geben“. Heute begleitet sie Menschen in den Altersheimen Frohnleiten und Peggau.

Gabriele Slamanig kommt aus einer großen Familie. „Bei uns sind Sterbende nicht abgeschoben worden“, sagt die Grazerin, die erstmals als Siebenjährige mit dem Tod der Urgroßmutter konfrontiert wurde. „Wir werden von einer Hebamme in die Welt begleitet, aber wenn wir sterben ist niemand da. Bis ich begriffen habe, dass es so etwas sehr wohl gibt“. Ein Bericht über die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross war für sie Anstoß, das Hospizseminar zu besuchen.

Melitta Deutschmann war bis zur Pensionierung in der Pflege tätig und hatte beruflich mit palliativer Betreuung zu tun. „Ich halte es nicht aus, wenn man Leute allein sterben lässt, nicht im Krankenhaus, nicht im Pflegeheim und nicht zu Hause“. Heute leitet sie das Hospizteam Graz-Umgebung Nord und stellt die Kontakte her zwischen Menschen, die eine Begleitung wünschen und jenen, die dafür bereit sind. „Wir bleiben in der Sterbestunde, halten auch Nachtwache, wenn die Angehörigen das wollen“, erklärt die Frohnleitnerin.

Die Hospizmitarbeiter werden umfangreich geschult. In Seminaren setzen sich die Teilnehmer mit dem Tod auseinander, lernen die Symbolsprache von Sterbenden, den Umgang mit Angst und Hilflosigkeit und Trauerrituale. Der Theorie folgt ein Praktikum in einem Pflegeheim oder einer Palliativstation. Die Kraft für dieses Ehrenamt holen sich die Hospizmitarbeiter bei den monatlichen Treffen mit Kollegen und in der eigenen Familie. „Das Wichtigste aber ist, es kommt so viel zurück“, sagt Dunkl über Menschen, für die jeder Tag zu etwas Kostbarem wird. Edith Ertl

Infos zum Hospizverein

Der Hospizverein verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele und finanziert sich durch das Land Steiermark sowie durch Spenden und Sponsoren. Die Teams arbeiten ehrenamtlich, für jene, die Hilfe benötigen, entstehen keine Kosten. Der Hospizverein Steiermark ist politisch und konfessionell unabhängig und wurde mit dem Steirischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Jährlich absolvieren etwa 100 Menschen die Hospizgrundausbildung, Seminare werden in der ganzen Steiermark angeboten. www.hospiz-stmk.at.
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