15.08.2016, 19:00 Uhr

Was hindert mich daran, heutzutage meine Meinung zu sagen?

Hatte ich früher etwa Angst, Leuten meine Meinung zu sagen, weil sie mich dann nicht mehr mögen? Nein!
War ich ein verschlossener Mensch, weil ich extreme Angst hatte, ausgelacht zu werden oder traute ich mich nicht, fremden Personen einfach zu wiedersprechen? Nein!
Sagte, oder antwortete ich nicht, weil ich Angst hatte, es könnte dem anderen nicht passen, oder er denkt dann schlecht über mich? Nein!

Hat sich inzwischen was grundlegend verändert? Ja!!!!


Noch ziehe ich mich nicht von Orten oder Menschen zurück, aus Angst bloßgestellt zu werden. Aber wie lange noch? Wir leben in einer gespaltenen Gesellschaft. Man weiß oft nicht mehr, wem man seine Meinung mitteilen kann, wem man vertrauen kann. Viele meiner Bekannten sind mir fremd geworden. Ich glaube, dass ich damit nicht alleine stehe. Meinungen geben ein persönliches Werturteil wieder. Das wesentliche Merkmal der Meinung ist: Sie kann nicht "richtig" oder "falsch" sein, man kann sie nicht überprüfen. Das unterscheidet die Meinung von der Tatsachenbehauptung. "Mein Nachbar prügelt seinen Hund", lässt sich diese Äußerung überprüfen, ist es also eine Tatsachenbehauptung. Sage ich hingegen: "Der Lebenswandel meines Nachbarn ist inakzeptabel", lässt sich das nicht überprüfen. Andere können das anders sehen. Es ist eine Meinungsäußerung. Wir leben zwar nebeneinander, kennen den Nachbarn nicht mehr. Misstrauen und Neid folgen darauf. Viele denken, dass wir durch Aussehen oder Kleidung wohl zu unterscheiden sind. Doch manchmal trügt der Schein. Nicht immer sind die Gutgekleideten auch die sogenannten Gutmenschen.

Nicht immer kann man Meinung und Tatsachenäußerung sauber voneinander trennen, denn wir bilden uns Meinungen aufgrund von Tatsachen. Wer aber Tatsachen verbreitet, die eindeutig unwahr sind, kann sich nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Er kann sich zum Beispiel wegen Verleumdung oder übler Nachrede strafbar machen.

Aber wann ist die Ehre eines Menschen verletzt? Die Meinungsfreiheit bringt es mit sich, dass nicht alle Menschen sich gegenseitig gut finden müssen. Wir dürfen eine miserable Meinung voneinander haben und verbreiten: ein Blauäugiger über Braunäugige, ein Muslim über eine Katholikin, eine Frau über Männer und ein Student über Soldaten. XY-feindlich zu sein - das ist erlaubt. Aber ist das menschlich?

Wann traue ich mich endlich wieder, den anderen die Stirn zu bieten und sie in die Schranken zu weisen?
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Poldi Lembcke aus Ottakring | 15.08.2016 | 19:03   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 15.08.2016 | 20:44   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 16.08.2016 | 15:03   Melden
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Otto Windisch aus Graz-Umgebung | 16.08.2016 | 16:45   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 16.08.2016 | 18:51   Melden
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Otto Windisch aus Graz-Umgebung | 17.08.2016 | 11:26   Melden
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