14.06.2017, 08:30 Uhr

Debatte: Wenn Wasser doch nicht kostenlos ist

Gratis oder nicht gratis, das ist hier die Frage: Alle Jahre wieder wird über die Kosten von Leitungswasser diskutiert. (Foto: Graf)

Trotz Konsumation musste WOCHE-Leser für sein Leitungswasser zahlen. Die WKO sieht darin einen Einzelfall.

Sommerzeit ist Kaffeehauszeit. Die Gast- und Schanigärten im Bezirk sind bis spät am Abend bevölkert, ein Getränk nach dem anderen wird in gemütlicher Atmosphäre konsumiert. Was allerdings tun, wenn der Gast trotz einer längeren Verweildauer nur ein Glas Leitungswasser bestellt? Diese Diskussion wurde in den letzten Jahren bereits mehrmals geführt, der Anruf eines WOCHE-Lesers (Name der Redaktion bekannt) hat nun wieder zum Nachdenken angeregt.
"Zunächst habe ich bei einer Tankstelle ganz normal getankt. Im Shop, an den auch ein Café angeschlossen ist, bat ich um ein Glas Leitungswasser, da ich aktuell Tabletten nehmen muss. Der Kellner hat es mir gebracht und dann 70 Cent verlangt. Ich finde das unfassbar, schließlich habe ich durch das Bezahlen der Tankfüllung ja eine Konsumleistung erbracht."

Überzogene Reaktion

Hat der Kellner nun also gerechtfertigt gehandelt oder nicht? "Das kann man nicht so einfach pauschal entscheiden. Rein betriebswirtschaftlich hatte er Recht, schließlich gibt es einen Dienstleistungsaufwand. Der Kellner muss das Glas holen und dann auch reinigen. Im konkreten Fall ist das Verlangen eines Geldbetrages aber wohl überzogen", sagt dazu Klaus Friedl, seines Zeichens Fachgruppenobmann-Stellvertreter der FG Gastronomie sowie GU-Regionalstellenobmann-Stellvertreter in der Wirtschaftskammer Steiermark.

Mut zum Fingerspitzengefühl

Eine allgemeine Vorgabe, wie vonseiten der Gastwirte gehandelt werden soll, gebe es jedoch nicht. "Wir von der WKO schreiben da nichts vor, jeder kann das selbst entscheiden. Es hängt immer von der Situation ab, da ist dann ab und an das nötige Fingerspitzengefühl gefragt."
Wenn also wie in diesem Fall ein Stammkunde aufgrund der Einnahme eines Medikamentes einmal nach einem Wasser fragt, "richtet man durch die Verrechnung im schlimmsten Fall mehr Schaden an, da der Kunde dann vielleicht nicht mehr kommt", so Friedl. Anders sehe die Lage aus, wenn überhaupt kein Konsumvorgang getätigt worden wäre. "Dann kann sich der Gastronom auf jeden Fall das Recht vorbehalten, einen gewissen Betrag für das Wasser einzuheben. Die Gäste akzeptieren das mittlerweile auch."
Auch der Kirchenwirt von "Das Spari" in Premstätten, Ernst Fauland, sieht die Sache ähnlich: „Wenn jemand im Zuge einer Konsumation ein Glas Leitungswasser haben möchte oder eine Tablette einnehmen muss, ist das schon okay. Wenn jemand aber nur ein Glas Leitungswasser ohne sonstige Konsumation will, dann soll dafür bezahlt werden, denn es handelt sich um eine Dienstleistung. Es ist nicht das Wasser, aber wir müssen das Glas wieder abwaschen und die Bedienung bringt es, da entstehen schon Kosten für den Wirt.“
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