25.01.2018, 05:00 Uhr

Expertentipp: Wenn die Pflege zu viel wird

(Foto: Daisy Daisy/Fotolia)

Es sind stets zutiefst erschütternde nachrichten, wenn pflegende Angehörige ihre Schützlinge vernachlässigen oder gar zu Tode bringen.

Er vor Kurzem meldete die Polizei einen solchen Fall in Gratwein-Straßengel, wonach ein 80 Jahre alter Mann seine 77 Jahre alte Frau getötet und anschließend sich selbst gerichtet hat. "Wie viel Verzweiflung und Aussichtslosigkeit mag wohl vorausgegangen sein, ehe ein Pflegender einen derart schrecklichen Gedanken in die Tat umsetzt?", fragt die WOCHE-Expertin und psychologische Beraterin Anna Katharina Lanz. Sie weiß, dass die Pflege für Angehörige von alten, bedürftigen Menschen, die etwa an Demenz oder einer anderen Krankheit leiden und nur wenig Aussicht auf Besserung haben, eine gewaltige Aufgabe ist.

"Ich weiß auch aus unzähligen Gesprächen, wie schwer es Pfleger haben, wie oft sie sich unverstanden oder alleine gelassen fühlen", so Lanz. Genau dann, rät die Expertin, zur Hilfe von außen. "Es stehen viele Unterstützer zur Seite. Sei es, sich vorübergehend von einer Einrichtung vertreten zu lassen, um selbst einmal ausspannen zu können, oder sei es, dass Sie es sich überlegen, durch Hauskrankenpflege einen Teil der Pflege abzugeben", denn niemand soll auf sein eigenes Wohl verzichten. Unter Umständen wäre auch eine psychologische Betreuung der pflegenden Personen anzuraten, um sich Unterstützung zu holen. "Mir ist wohl bewusst, dass derartige Veränderungen von den betroffenen Pfleglingen häufig auf Ablehnung stößt. Vor allem, weil pflegende Angehörige es vielfach als Versagen empfinden, wenn sie sich Unterstützung von außen holen." Dies insofern, als dass sich Angehörige häufig verpflichtet fühlen oder gar die Pflege als Schuldigkeit empfinden und deshalb meinen, "alles durchstehen zu müssen". Das muss und soll aber nicht so sein. "Wenn es zu viel wird, kann man beim Sozialamt bei der Gemeinde, der Caritas, Volkshilfe etc. um Rat bitten. Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen der Schwäche, sondern ein Ausdruck von Verantwortung", sagt Lanz.


Die Neugierde darüber, warum Menschen tun, was sie tun, und warum sie so handeln, wie sie handeln, hat Lanz' berufliche Laufbahn beeinflusst. Anna Katharina Lanz hilft als psychologische Beraterin in schwierigen Situationen oder wenn große Entscheidungen getroffen werden müssen. Sie arbeitet nach den Methoden der integrativen Gestalttherapie und der dialogisch-systemischen Familientherapie. Als WOCHE-Expertin steht sie unseren Lesern zur Seite.

Kontakt:

anna.lanz@inode.at, 0660/222 6330
Praxis: Hörgas 238, 8103 Gratwein-Straßengel
Die WOCHE-Expertin Anna Katharina Lanz zu "Vom Verliebtsein und der Liebe".
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