24.09.2014, 09:43 Uhr

Ferdls Gasthof soll Auffanglager werden

Hier könnten, wenn es nach dem Wirt Ferdl Purgstaller geht, rund 100 Kriegsflüchtlinge untergebracht werden. (Foto: Ferdl Burgstaller)

Großgastronom schlittert aufgrund eines Nachbarschaftsstreits in den Ruin.

Der einstige Vorzeigegastronom und ehemalige VIP-Caterer Ferdl Purgstaller steht vor den Trümmern seines Lebenswerkes. Dutzende Nachbarschaftsstreitigkeiten und unzählige Anzeigen eines einzigen Nachbarn, tausende Euro Prozesskosten und hunderte Stunden vergeblicher Bemühungen einen Konsens zu erwirken haben nun zu Folge, was sich Stammkunden nie hätten ausmalen können. Das Schmuckstück „Ferdls Gasthof“ in Seiersberg steht vor dem Aus. Und: Im Speisesaal und den Zimmer sollen für zumindest 30 Monate bis zu 100 Kriegsflüchtlinge Platz finden.
„Wir haben alles versucht – ich bin erschüttert und sehe mein Lebenswerk den Bach runtergehen. Damit ich meinen Kredit weiterhin bezahlen kann, sehe ich nur diesen Ausweg. Auch meine 25 Mitarbeiter einfach zu kündigen und zuzusperren, ist aufgrund der Verbindlichkeiten nicht möglich", so der sichtlich gezeichnete Gastronom.
Der Bürgermeister aus Seiersberg, Werner Baumann, zeigt sich ebenfalls entsetzt. "Schlimm genug, dass wir mit Ferdl eines unserer Gasthäuser verlieren. Ein Auffanglager mit 100 Personen ist für uns ein weiterer Schlag, den wir nicht so einfach hinnehmen."

Gemeinderat tagt

Derzeit laufen die Telefone im Gemeindeamt heiß. Der Bürgermeister hat daher für Donnerstag eine Krisensitzung des Gemeinderates einberufen. „Wir müssen jetzt zusammenhalten und klar gegen die Pläne in dieser Form vorgehen. Nur gemeinsam sind wir stark", zeigt sich Baumann optimistisch.
Indes formiert sich eine breite Front gegen die Bestrebungen eines Auffanglagers in Seiersberg. In Graz-Umgebung finden derzeit rund 600 Flüchtlinge Platz, im Bezirk Voitsberg sind es hingegen nur sechs.
Grundsätzlich ist der Bürgermeister einer Gemeinde hier allerdings nicht handlungsbefugt. „Laut unseren Anwälten haben wir als Gemeinde kein Einspruchrecht, wir könnten nur im Fall eines Asylantenheimes eingreifen, hier handelt es sich aber ja um Kriegsflüchtlinge. Wir prüfen aber dennoch alle Möglichkeiten“, sagt Baumann. Kolportiert wird, dass sich das Innenministerium eine Unterbringung pro Nacht und Person 20 Euro kosten lässt. Rechnet man die Anzahl auf 100 Personen kommt man zu einem stattlichen Betrag von 2.000 Euro pro Tag.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Auffanglager mitten im Ortskern, in einem dicht besiedelten Bereich eingerichtet werden soll. Bürgermeister Baumann dazu: „Dieser Umstand ist für uns unerträglich und das bei aller Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen, dürfen nicht die Anrainer die Zeche zahlen."
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