05.04.2017, 16:06 Uhr

Flugrettung setzt auf Sicht bei Nacht

Höchste Präzision bei der Schulung auf die Nachtsichtgeräte. Der leitende Fluglehrer Maximilian Seidl schult das Team des Christophorus 12.

Piloten, Flugretter und Notärzte wurden am Christophorus-Stützpunkt für heikle Nachtflüge geschult.

Vielleicht haben Sie ihn auch gehört. Den Rettungshubschrauber Christophorus 12, dessen Besatzung bis Sonntag vom Flughafen Graz aus den Einsatz der sogenannten Night Vision Goggles (Nachtsichtgeräte) getestet hat. Auch bei uns im Bezirk wurde der Flugbetrieb zum Zweck von Schulungsflügen bis maximal 0.30 Uhr verlängert. "Das ist ein epochaler Schritt in Richtung Flugsicherheit", sagt Stützpunktleiter und Pilot Helmut Holler. Die Nachtsichtgeräte werden ab sofort im Hubschrauber mitgeführt und kommen etwa bei Flügen kurz vor Dienstschluss zum Einsatz. Das passiere gerade im Winter sehr oft, wenn die Crew noch knapp vor Dienstschluss zu einem Einsatz alarmiert wird. In der bürgerlichen Abenddämmerung, wie es in der Luftfahrtsprache heißt, geht es zum Notfallort und bei Dunkelheit dann zum beleuchteten Landeplatz des Krankenhauses und wieder zurück zum Stützpunkt nach Feldkirchen. "Man sieht natürlich anders. Der Blickwinkel ist eingeschränkt. Deshalb ist diese Schulung enorm wichtig", so Holler. Obwohl die ÖAMTC-Notarzthubschrauber nachts fliegen dürfen, wird es bei den Flugzeiten vorerst keine Änderung geben. "Die Nachtsichtgeräte sind optimal für Abendeinsätze, um bei einsetzender Dämmerung Richtung Krankenhaus zu fliegen", führt Holler weiter aus. Rund 10.000 Dollar kostet ein Nachtsichtgerät, das am Helm des Piloten und des Flugretters bei Bedarf montiert werden kann. Der Notarzt führt ein einröhriges Nachtsichtgerät mit. Auch er unterstützt die Erkundung beim Landeanflug. Die Geräte bieten der Besatzung die Möglichkeit, auch bei vollständiger Dunkelheit Hindernisse wie Stromleitungen, Masten oder Windräder zu erkennen. Auch Wetteränderungen, wie aufziehender Nebel oder Schlechtwetterfronten, können frühzeitig erkannt und dadurch umflogen werden. "Konturen können besser erkannt werden", zeigt sich Holler nach dem ersten Testflug begeistert. Der Pilot gibt aber auch zu bedenken: "Trotz modernster Technik wird die Nacht nicht zum Tag. In unserem Umfeld muss man größten Respekt vor der Nacht haben. Auch die Wetterlimits sind weiterhin strengstens einzuhalten." Rund 35 Crew-Mitglieder wurden im Rahmen der Ausbildungswoche bis Sonntag am Stützpunkt in Feldkirchen im Sinne einer weiteren Steigerung der Flugsicherheit ausgebildet.
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