14.06.2017, 05:00 Uhr

Gratkorn: Bienenwiese stößt auf Gegenwind

In unmittelbarer Nähe von reichhaltigem Nahrungsangebot sucht die Wildbiene nach Nistplätzen. (Foto: Naturschutzbund Steiermark)

Die Errichtung der neuen Bienenwiese in Gratkorn stößt bei manch einem Anrainer auf Ablehnung.

Erst kürzlich setzte die Fairtrade-Gemeinde Gratkorn ein Zeichen für die Lebensnotwendigkeit der Bienen und stellte einen reichhaltigen Lebensraum in Form einer Bienenwiese zur Verfügung (wir haben berichtet). Doch mit der neu entstandenen Beheimatung der Immen sind nicht alle Gratkorner glücklich. Stimmen gegen das kleine Naturschutzgebiet im Gemeindepark wurden bereits laut.

Logistik und Mitsprache

"Es hat nur wenige Tage gedauert, bis sich einige gegen die Bienenwiese aussprachen. Dabei sind wir mitten im Bau und haben noch viel vor", sagt Bürgermeister Helmut Weber. Die Umsetzung der Bienenwiese und ihre Vorteile für die Gemeinde seien mit dem Umweltausschuss lange diskutiert worden, lässt der Ortschef wissen. Wer darüber aber nicht informiert wurde, sind die Anrainer – und bei ihnen regt sich nun Protest.
"Grundsätzlich muss ich betonen, dass ich nichts gegen die Bienen habe. Im Gegenteil, sie sind sehr wichtig für uns Menschen. Aber es ist unverantwortlich vonseiten der Gemeinde, über die Köpfe der Anrainer hinweg zu entscheiden, und logistisch äußerst unklug, hier diese Blumenwiese zu errichten", berichtet Franz Schaffer, der in unmittelbarer Nähe wohnt. Denn sowohl im Sinne der Anrainer als auch der Bienen sieht der Gratkorner besser geeignete Lebensräume als den Gemeindepark. "Diese Wiese wird oft für Picknicks genutzt, Kleinkinder krabbeln rum, und der Spielplatz ist gleich nebenan. Die Tiere können sich doch nicht wohlfühlen, wenn sie ständig gestört werden", fährt er fort. Bürgermeister Weber lenkt nun ein und lädt sowohl Anrainer als auch alle weiteren Interessierten zum Informationsaustausch mit einem Experten Anfang Juli.

Pflege und Sicherheit

Aus Gesprächen mit weiteren Anrainern bestätigt Franz Schaffer, dass man sich außerdem Sorgen um das Aussehen der Fläche mache. Der Bereich sehe "verwuchert" und "ungepflegt" aus und trage nicht zu einem schönen Ortsbild bei. Außerdem bestehe die Furcht, von den Wildbienen gestochen zu werden.
Entwarnung kommt diesbezüglich von Konrad Guggi von der Berg- und Naturwacht: "Vor den Wildbienen muss sich niemand fürchten. Sie sind nicht aggressiv, stechen nur in den allerseltensten Fällen und haben ohnehin einen schwachen Stachel. Wenn überhaupt eine Biene sticht, dann die Honigbiene." Für Guggi ist das Projekt von enormer Bedeutung, immerhin wurde die unter Naturschutz stehende Wildbiene sukzessive zurückgedrängt. "Immer mehr Wiesen verschwinden einfach. Die Errichtung solcher Plätze ist wichtig", sagt er und erklärt, dass auf einer Bienenwiese wie jener in Gratkorn bis zu 100 verschiedene Pflanzen- und bis zu 2.000 unterschiedliche Tierarten von- und miteinander leben. Die meiste Bestäubungsarbeit leiste die Wildbiene. "Gewisse Tiere brauchen gewisse Pflanzen. Und es hat einen Grund, warum eine Bienenwiese so aussieht, wie sie aussieht. Da darf es schon ein bisschen wuchern – viele wissen es zwar nicht, aber es steckt ein Plan dahinter, wie und wann gemäht wird. Mit der Natur leben bedeutet nicht, das Stück Grün steril zu halten."

Arbeit für den Nachwuchs

Als Wildbienen werden alle Bienenarten mit Ausnahme der Honigbiene bezeichnet. Dazu zählen 700 in Österreich bekannte Arten, davon 47 Hummelarten, informiert Christine Podlipnig vom 'Naturschutzbund Steiermark'. Der Schutz der Wildbienen liegt dem Naturschutzbund besonders am Herzen, bestäuben sie doch im Vergleich zur Honigbiene bis zu fünfmal mehr Blüten am Tag.
Fehlende Nahrungsplätze auf aufgeräumten Landschaften, großflächige Maismonokulturen und Herbizide sorgen jedoch dafür, dass die Wildbienen zunehmend vom Aussterben bedroht sind. "Davon ist auch der Mensch unmittelbar betroffen", sagt Podlipnig. So sei zum Beispiel die Gartenhummel speziell für die Bestäubung der Kürbisse, also wiederum für des Steirers schwarzes Gold, zuständig. Bienenfreundliche Gärten, naturnahe Gärten mit heimischen Gehölzen, Gewürzkräutern und Blumenvielfalt, sind der optimale Lebensraum für die Bienen. Im Gegensatz zu Honigbienen sind die Wildbienen nicht in größeren Staaten unterwegs, sondern arbeiten in kleineren Verbänden oder gar allein – und rein für ihren Nachwuchs. Nisthilfen werden daher als Brutplatz und Kinderstube genutzt, so der 'Naturschutzbund'. Die Nistmöglichkeit umgebende Vielfalt an Nahrungsangebot ist ausschlaggebend für das Bienenweibchen und seinen Nachwuchs.
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Ferdinand Reindl aus Braunau | 14.06.2017 | 12:53   Melden
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Heinrich Moser aus Ottakring | 14.06.2017 | 21:57   Melden
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Ferdinand Reindl aus Braunau | 14.06.2017 | 23:11   Melden
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