10.09.2014, 20:58 Uhr

Heimliche Tattoos

Melanie Grup
Gefühlsmäßig scheint jeder Zweite tätowiert zu sein. Laut IMAS-Report trägt jeder fünfte Österreicher ein Tattoo, 6 Prozent der Bevölkerung haben mehrere Motive am Körper. Einige der Kunstwerke bleiben fremden Augen verborgen. Der Trend geht zu Tattoos im Intimbereich.

Assoziierte man vor drei Jahrzehnten Tätowierte mit Matrosen oder Häfenbrüder, sind Tattoos heute in jeder Gesellschaftsschicht zu finden. Stars im Showbiz, Promis aus Sport und Kultur zeigen öffentlich ihre Tätowierung und trugen so zum Siegeszug der Kunst am Körper bei. Für deren Fans aber heißt es warten, denn das Jugendschutzgesetz regelt, wann Tattoos und Piercings erlaubt sind. Piercen ist schon länger in Mode. So gut wie jede Ur-Urgroßmutter ließ sich in jungen Jahren Löcher für die Ohrringe stechen, nur war der Piercer damals der Uhrmacher vom Dorf mit Hygienevorschriften weitab vom heutigen Standard. Beliebtes Taufgeschenk waren die Ohrringerl mit Vergissmeinnicht-Motiv, die den Mäderln schon im Krabbelalter eingezogen wurden, ob sie es wollten oder nicht.

Als Urlaubsmitbringsel aus dem Ausland sind Piercings und Tattoos mit Vorsicht zu genießen. In der Steiermark gibt es 80 Tätowierer und 30 Piercer. Deren Arbeitsplatz ist längst von den Hinterhöfen verschwunden. In eleganten Studios trifft Kunst auf handwerkliches Können. In Österreich ist eine Befähigungsprüfung mit hohen Auflagen erforderlich, um ein Tätowier- oder Piercingstudio führen zu können. „Dieses Zertifikat ist einer Meisterprüfung geleichgestellt“, sagt Hermann Talowski, der stellvertretende Landesinnungsmeister der Wirtschaftskammer. „Unsere Tätowierer und Piercer arbeiten verantwortungsbewusst. Sie sind psychologisch geschult und lehnen, wo berechtigte Bedenken sind, Tätowierungen auch ab“.

Keine Freude mit Tattoos und Piercings haben die Hautärzte. Piercings, aber auch Farbstoffe können Allergien auslösen. „Besonders bei großflächigen Tattoos sind Veränderungen von Muttermalen schwer zu beobachten“, sagt Dr. Aslihan Okcu. Für eine Tätowierung, die man wieder loswerden will, empfiehlt die Gratkorner Hautärztin das Laserzentrum im LKH Graz. „Dennoch können Narben bleiben, besonders bei tätowierten Stellen im Intimbereich, wo die Haut besonders empfindlich ist“.

Das „Arschgeweih“ hat längst schon ausgedient. Der Trend bei den Damen aller Altersgruppen geht zu Tattoos an intimster Stelle. Frauen lassen sich auf der Scham tätowieren, weil es ihnen selbst gefällt, oder weil sie ihren Partner damit überraschen wollen“, sagt Tattoo-Artist Ruth Sixty Six. Eine Schlange, die von der Hüfte kommend den Weg zum Mittelpunkt zeigt, Sterne auf der weiblichsten Zone oder die Initialen des Liebsten sind als heimliche Tattoos im Kommen. Bei Letzterem ist besondere Vorsicht geboten. Nicht jede Liebe hält so lange, wie die Farben des Tattoos.


Und was sagen die WOCHE-Leser dazu:
Andrea Ertl, Peggau: „Ich habe am Arm das Bild von einem Phönix, der mit Blumen umrankt ist. Und genauso wiedergeboren fühle ich mich auch nach einem privaten Tiefschlag. Für mich sind Tattoos Körperkunst und ein Zeichen der Freiheit. Manche finden diese Form lässig, andere lehnen sie ab. Meinen Kindern gefällt’s. Ich habe mir auch ihre Initialen tätowieren lassen und auf der Hüfte trage ich das Bild eines Vogels“.



Melanie Grup, Gratwein: „Ich habe mir den Spruch: “My family is my life “ tätowieren lassen. Mir und meinem Mann Thorsten gefällt das sehr gut, es ist ein Kunstwerk und spiegelt unsere Einstellung wider. Ich bin noch nicht fertig, es kommen noch weitere Tattoos, sie sind für mich ein Ausdruck der Persönlichkeit. Aber überall muss ich nicht tätowiert sein, obwohl ich glaube, meinem Mann würde es gefallen“.



Jakob Schartner, Judendorf: „Die Frauen sind von Natur aus schön, und Haare sind sowieso ein hübscher Schmuck. Da braucht es keine gemalten Kunstwerke und kein Piercing. Lasst die Frauen, wie sie geschaffen sind. Wenn man einander gern hat, dann spielt das sowieso keine Rolle. Es kann ja jeder tun, wie er will, aber die jungen Dirndln tun mir leid, wenn sie glauben, jede intime Mode mitmachen zu müssen“.



Wolfgang Ernst, Werndorf. „Mir gefallen Tattoos, auch bei Frauen, aber im Intimbereich müssen sie nicht sein. Am Arm habe ich das Bild von einem Karpfen, das ist für mich ein Glückssymbol. Wer will, soll so ein Körperkunstwerk haben, wo er will, es gibt genug Motive. Verlieben aber tut man sich in einen Menschen und nicht in ein Tattoo, da ist es egal, ob er oder sie tätowiert ist oder nicht.
Foto. Edith Ertl

Ernst Kokoschinegg, Pirka: „Eine Frau ist von Natur aus schön. Da braucht es keine Kunst an intimster Stelle, keine Bemalung und auch keine eingezogenen Ringe. Ich glaube, auch der Trend zur Ganzkörperenthaarung nimmt den Frauen etwas von ihrer Natürlichkeit. Haare sind doch etwas Schönes. Furchtbar ist es, dass noch immer so viele Mädchen in anderen Kulturen beschnitten werden. Diese Genitalverstümmelung gehört verboten.“


Simone Kogler, Vasoldsberg: „Ein schönes Tattoo ist ein Kunstwerk am Körper. Ich habe mein erstes machen lassen, als ich 18 war. Je mehr am Körper, desto besser. In den Armbeugen habe ich mir Augen tätowieren lassen. Aber über jedes Körperfleckchen habe ich mich noch nicht drüber getraut, da gibt es schon Schmerzgrenzen. Warum aber nicht? Wem es gefällt, der soll es überall haben.
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