14.10.2014, 08:19 Uhr

Komponist, Dirigent, Lausbub: Patrick Hahn über die Herausforderung, Mensch abseits der Musik zu bleiben.

Das 19-jährige Musikwunderkind Patrick Hahn geht neue Wege: Bisher in der Klassik zuhause, geht er jetzt im Kabarettbereich fremd (S. 67). Über gute und schlechte Musik und warum er ein "Lausbua" ist, erzählt Patrick Hahn im WOCHE-Interview.

WOCHE: Deine Musikkarriere hast du früh gestartet: Klavierstudium mit elf, erste Oper komponiert mit 13. Das bezeichnet man gerne als Wunderkind oder Genie. Magst du den Ausdruck?
Patrick Hahn: Solche Begriffe fallen oft, wenn jemand in jungen Jahren etwas gut macht. Ich bedanke mich dann immer sehr höflich, aber ich kann nicht wirklich etwas damit anfangen.

Du hast im Vorjahr in Gleisdorf maturiert. Wie würden deine Lehrer dich beschreiben? Der Klassenclown war ich nicht, aber ich hab schon auch hie und da „an Schaß draht“. "Lausbua" trifft's nicht schlecht.

Wird man als Ausgleich zur seriösen klassischen Musik automatisch zum Lausbub? Es gibt viele junge Musiker, die den ganzen Tag nichts anderes tun als üben und gar keine Zeit haben, Lausbua zu sein. Oder überhaupt Bub zu sein oder wirklich Mensch außerhalb der Musik zu sein. Ich wollte nie diesen Weg gehen, wo ich mich einsperre und nur auf eines hin trainiere und kein Mensch übrig bleibt.

Was macht für dich Menschlichkeit aus? Dass man sich freut, wenn man wieder nach Hause kommt. Mit Freunden und Familie zusammensitzt, ein Feuerchen macht, ein Bier trinkt, was grillt. Dass man nicht abhebt oder die kleinen Dinge nicht mehr schätzt. Ich versuche, bodenständig zu bleiben.

Du bist für diese Branche noch sehr jung, wie reagieren deine Kollegen auf dich? Größtenteils sehr respektvoll. Ich muss mich selten behaupten aufgrund meines Alters. Wirklich gute Musiker merken, ob man etwas drauf hat oder nicht. Die Leute, die das nicht tun, mit denen arbeitet man ohnehin nicht.

Könntest du ohne Musik leben? Wenn ich allein auf einer Insel wäre für immer und ewig, ich weiß nicht, ob ich die Musik mitnehmen würde. Was mich mehr in den Wahnsinn treiben würde: die Musik zu haben und nichts damit tun zu können, oder sie nicht zu haben.

Gibt's für dich noch Musik zum Spaß? Die Grenze ist verschwimmend. Vieles von dem, was ich mache, ist zwar Arbeit, aber trotzdem Vergnügen. Eine scharfe Trennlinie gibt es da nicht. Mein Beruf ist Berufung.

Was hörst du privat? Ich höre nicht den ganzen Tag Mozart und Bach, da wirst du ja wahnsinnig. Ich mag Indie, Rock, bei uns eher unbekannte Sachen. Ö3 ist nicht der Sender meiner Wahl, zu sehr Mainstream.

Helene Fischer und Andreas Gabalier sind demnach auch nichts für dich? Ich hab nichts gegen sie, aber es ist nicht meine Richtung. Jedem das Seine, ich könnte darauf gut verzichten.
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