15.05.2018, 14:32 Uhr

Neuer Input für Radverkehrskonzept

Auf den Sattel, fertig, los: Nicht nur in der Großstadt, auch in ländlichen Regionen sind immer mehr Radfahrer unterwegs. (Foto: Ludwig Schedl)

Der Radverkehr rückt ins Zentrum. Aber: Wie gelingt es, die Leute aufs Rad zu bekommen? Wir haben nachgefragt.

Gratwein-Straßengel/Gratkorn. Ob bequem mit dem E-Bike, mitsamt Nachwuchs im Kinderanhänger oder auf dem Weg zur Arbeit mit dem geliebten Drahtesel: Das nachhaltigste Verkehrsmittel, das Fahrrad, ist aus dem modernen Verkehrskonzept nicht wegzudenken. Grund genug, um den Radverkehr noch attraktiver und sicherer zu gestalten, meint Christoph Stangl, Gratwein-Straßengels Fachausschussobmann für Straßen und Verkehr, und hat sogleich im Rahmen des Radverkehrskonzeptes einige Ideen, um die Straßen für Radfahrer zurückzuerobern. Damit folgt er der steirischen Radverkehrsstrategie, wonach Rahmenbedingungen fürs Umsatteln gesucht werden.

Nur für zwei Räder

Amsterdam ist auf Fahrradstraßen unterwegs, auf denen Autos nicht erwünscht sind. Vorige Woche hat mit Bad Radkersburg auch die erste steirische Fahrradstraße eröffnet. "Ein guter erster Schritt, um den Alltagsradverkehr voranzutreiben", sagt Stangl und verrät, dass es im Rahmen des gemeindeübergreifenden Radfahrverkehrskonzepts Überlegungen gibt, einen sicheren Weg bis nach Graz zu schaffen. "Es gibt genug Leute, die mit dem Rad zur Arbeit fahren. Bis zu den Grazer Außenbezirken ist es auch nicht so weit, um nicht optimale Voraussetzungen zu schaffen." Sicherheit ist hierbei das Schlüsselwort, um auch zügig voranzukommen. Dazu muss, so Stangl, aber auch die Stadt Graz mitziehen.

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Oslo teilt seine Fahrräder, und auch in Wien gibt es genug Fahrradstationen, an denen Citybikes jedermann als Leihrad für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung stehen. Ob ein solches Radsystem auch hier funktioniert, ist sich Stangl nicht sicher, "denn die Fahrradfahrer haben ohnehin ein eigenes Rad. Gut vorstellbar ist es aber, trotzdem Leihräder anzubieten, etwa am Bahnhof", sagt er. Also an Örtlichkeiten, wo Radfahrer auf Öffis umsteigen. Servicestationen, Abstellmöglichkeiten und Überdachungen würden, so der Gemeinderat, einen Umstieg erleichtern.

Mit Kind und Kegel

Kopenhagen gilt als Königreich der Lastenräder, in Graz werden immer mehr Kinder mit Fahrradanhängern von A nach Kindergarten befördert. "Schon von klein auf sollten Kinder lernen, dass Radfahren umweltschonend ist, Spaß macht und in der Gruppe verbindet." Besonders für Wirtschaftstreibende könnte ein vermehrter Radverkehr von Vorteil sein. "Viele Geschäftsleute glauben, wo es keine Parkplätze gibt, kommen auch keine Kunden. Dabei ist es umgekehrt", sagt Stangl. Gerade Begegnungszonen sorgen laut dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie für höhere Aufenthaltsqualität. "Weniger Abgase, weniger Lärm und mehr Sicherheit könnten ein gutes Geschäft versprechen."

Einfach einmal umdenken

Natürlich versteht Stangl manchen Ärger der Autofahrer über Radfahrer. "Vielleicht muss man sich aber einmal in den anderen hineinversetzen", meint er. "Vielleicht versucht ein Autofahrer aber auch, umzudenken und überlegt sich, ob für den schnellen Einkauf, den Weg zum Arzt oder Sportplatz überhaupt ein Auto gebraucht wird."


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