24.05.2017, 04:30 Uhr

(Un)perfekte Schneiderskunst

Schneidermeisterin Claudia Polic näht Außergewöhnliches. (Foto: WOCHE)

Schneidermeisterin Claudia Polic kreiert in St. Radegund Einzelstücke – und Mode für körperlich Eingeschränkte.


"Niemand von uns kann sagen, dass er perfekt ist", sagt Claudia Polic inmitten von Stoffen, Nadeln und Nähmaschinen. Und der Name ihres Unternehmens – 'Unperfekt maßgeschneidert‘ verrät, dass diese Aussage zugleich ihre Philosophie ist: Die Schneidermeisterin hat sich in St. Radegund den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt und kreiert kreative Einzelstücke zum Wohlfühlen – auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

Bequem sein

Inspirationsquelle für die außergewöhnliche Idee war ihr eigener Sohn. Der heute Elfjährige leidet an Muskelschwäche und ist auf den Rollstuhl angewiesen. "Als Georg ein halbes Jahr alt war, wusste ich, irgendetwas stimmt nicht. Je größer er wurde, desto schwieriger war es, für ihn die passende Kleidung zu finden. Die Kragen der Leiberl waren zu eng, um sie über den Kopf zu streifen, und irgendwo zwickte und drückte immer etwas", erzählt Polic, die mit den Einzelanfertigungen mittlerweile österreichweit unterwegs ist.
Ob Handschuhe, Jacken, Jeans oder Funktionshosen für Rollstuhlfahrer – in erster Linie achtet die Schneidermeisterin auf Funktionalität, auf die bei Kleidung von der Stange wenig Wert gelegt wird. "Wenn man sich hinsetzt, dann rutscht die Hose hinten runter. Bei jedem. Aber für Rollstuhlfahrer ist das noch unbequemer", sagt sie, "und meist ist Kleidung auf der Rückenseite zu kurz. Mein großes Ziel ist es, mit dieser Mode in Konfektionsgröße zu gehen". Besonderes Augenmerk gilt ihren Rollstuhltaschen und Rollibags, mit denen sie angefangen hat. Die Multifunktionstaschen sind nicht nur aus robustem Material, sie bieten genug Platz für Notwendiges wie Katheter oder Absauggeräte. "Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse. Und die müssen abgedeckt sein."

Schön fühlen

Neben der Funktionalität der Bekleidung spielt das Gefühl der Einzigartigkeit eine wichtige Rolle: "Ich habe mehr männliche als weibliche Kundschaft. Ich denke, für viele körperlich eingeschränkte Frauen existiert eine Hemmschwelle. Meine Idee hat bei einigen Damen sogar angeeckt. Aber Frauen sollen sich mit ihrer Mode schön und außergewöhnlich fühlen", sagt Polic und spricht zugleich von individuell geschneiderten Brautkleidern und Miedern bzw. Korsetts, die Skelett und Muskulatur stützen. Eine solche Stütze trägt auch ihr Sohn Georg, der auch gerne ihr Model mimt. "Dafür gibt's dann Videospiele für mich", schmunzelt der Bub.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.