16.11.2016, 00:00 Uhr

Vorstadt oder doch Landgemeinde?

Wie zukunftsfähige Gemeindeentwicklung funktionieren kann, zeigt die Wanderausstellung, die vergangenen Donnerstag eröffnet wurde.

Eine Frage, die Grazer Speckgürtel-Gemeinden beschäftigt. Ausstellung setzt sich nun damit auseinander.

Wie kann man die Entwicklung einer Gemeinde zukunftsfähig gestalten? Damit beschäftigt sich derzeit nicht nur eine Wanderausstellung in Hart bei Graz (siehe Infobox), auch viele Kommunen im Süden von Graz stehen vor der Herausforderung, dem enormen Zuzug Platz zu geben und trotzdem für die nötige Infrastruktur zu sorgen. Ein Balanceakt, der nicht immer gelingt.

Bürgerbeteiligung wichtig

Eine Stadtumlandgemeinde, der es gelungen ist, die Siedlungsentwicklung richtig zu gestalten, ist Weyarn im deutschen Bayern. Zur Ausstellungseröffnung in Hart kam der ehemalige Bürgermeister Michael Pelzer, der über 24 Jahre maßgeblich an der Entwicklung seiner Gemeinde beteiligt war. "Es ist ein ständiger Lernprozess. Man muss über den Tellerrand schauen, sich andere Orte ansehen", erzählt Pelzer. Und ganz wichtig: "Siedlungspolitik geht nicht ohne Bürgerbeteiligung." In der bayrischen Gemeinde wurden Gründe gekauft, die nicht mehr benötigt wurden, um so jedem Bürger die Chance auf ein Grundstück zu geben. "Das ergab eine gesellschaftspolitische Entwicklung. Junge Leute ziehen weniger weg", so der ehemalige Bürgermeister. Der Ort gibt 100.000 Euro pro Jahr für Bürgerbeteiligung aus. "Man muss mitgehen, wir haben das Volk befragt und es rentiert sich", sagt Pelzer. Für die neue Schule wurden etwa Kinder befragt, ein Mehrgenerationenhaus wurde errichtet und darauf geschaut, dass sich Betriebe ansiedeln.

Die Hoffnungsgemeinde

Hart bei Graz sei eine Hoffnungsgemeinde, begründet Heidi Leitner den Schritt, die Wanderausstellung in der Grazer Umland-Gemeinde zu stationieren. Sie ist Geschäftsführerin vom Verein LandLuft, der in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark die Ausstellung organisiert. "Als Gemeinde mit dem stärksten Zuzug müssen wir dringend etwas tun. In den nächsten drei Jahren werden in Hart rund 400 Wohnungen errichtet. Dabei müssen wir es schaffen, die Gemeindeentwicklung so zu planen, dass sich die Bürger wohlfühlen", sagt Harts Bürgermeister Jakob Frey. Auch das Land Steiermark zeigt ein großes Interesse an Baukultur. "Die baupolitischen Leitsätze des Landes sollen keine Normen, sondern ein strategisches Papier sein, auf dem steht, wohin es gehen soll", sagt Günter Koberg von der Landesbaudirektion Steiermark.

Zur Ausstellung

Die Wanderausstellung "Baukultur gewinnt" ist noch bis 23. November im Foyer der Kulturhalle in Hart bei Graz zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr, Dienstag bis 15.30 Uhr, Samstag und Sonntag geschlossen. Infos: www.landluft.at
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