02.01.2018, 14:17 Uhr

"Wertschätzung ist das beste Investment" – WIFI-Chef Martin Neubauer im Interview

Seit 2017 WIFI-Leiter: Martin Neubauer (Foto: Wifi)

WIFI-Steiermark-Chef Martin Neubauer über Mitarbeitermotivation und Anreize für die nächste Generation.

Trotz einer stabilen Lage am Arbeitsmarkt sieht der neue Leiter des WIFI Steiermark, Martin Neubauer, immer Grund gegeben, Mitarbeiter zu fördern.

Inwiefern profitieren Unternehmen von Weiterbildungsmaßnahmen?

Martin Neubauer: Es ist ein Zeichen der Wertschätzung. In einen Mitarbeiter zu investieren, ist die höchste Form von Respekt. Mit dem Gehalt decke ich die Leistung eines Arbeitnehmers ab. Eine Investition in die Person bedeutet: "Ich investiere in dich, weil ich mit dir die Zukunft gestalten will. Ich diskutiere mit dir auf Augenhöhe, weil ich dich brauche." Mit einer Fördermaßnahme erhöhe ich die Produktivität meiner Leute und die Mitarbeiterbindung.

Also ein psychologisch wertvolles Instrument.
Genau, weil ich die Person wahrnehme. Wir ticken alle emotional. Und positive Emotion ist, mitgeteilt zu bekommen, dass man Erfolg hat mit dem, was man tut. Weiterbildung ist das beste Werkzeug hierfür.

Thema Fachkräftemangel: Können Sie das Wort noch hören?
Als WIFI müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Leute dazu bewegen, sich in den boomenden Sektoren aus- und weiterzubilden. Daher kann ich die Diskussion sehr wohl noch hören. Dass wir einen Fachkräftemangel haben, ist auch ein Indikator dafür, dass es unserer Wirtschaft gut geht. Hätten wir keine funktionierende Wirtschaft, hätten wir dieses Problem nicht.

Was kann man gegen den Mangel tun?
Das Kernproblem ist, dass wir in Zukunftsbereichen nicht adäquat ausgebildete Mitarbeiter haben. Das Bewusstsein für Zukunftsorientierung herrscht noch nicht vor. Man sollte viel pragmatischer sein. Man kann jungen Leuten zum Beispiel vermitteln, wo sie heute viel Geld verdienen können. Auf Lehrlingsebene in der Metallbranche kommt man mit 19 Jahren schon auf seine 2.000 Euro brutto, das muss man den Jungen klarmachen. Eine Fachkarriere oder eine digitale Lehre können hier sehr charmant sein, um früh eigenständig zu sein.

Gibt es da bereits ein Umdenken?

Wir leben in einer Zeit, wo klassische Haltungen aufgebrochen werden. Die Digitalisierung kommt nicht erst, wir befinden uns mittendrin. Sie ist ein Fluss – entweder schwimm’ ich mit, hüpf’ auf mein Surfbrett und bleib’ über Wasser oder ich geh’ unter. Die Medizin ist etwa ein Bereich, der stark in technische, digitale Beratung gehen wird, um nur ein Beispiel zu nennen. Ob es weiterhin einen so hohen Bedarf an Juristen geben wird, bezweifle ich auch. Wir müssen davon ausgehen, dass wir zu wenige junge Menschen in einer Fachkräfteausbildung haben, weil die Gesamtbevölkerung schrumpft. Wir müssen zeigen, dass hier innovatives Arbeiten möglich ist.
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