21.06.2017, 05:00 Uhr

Zwei GU-Ortschefs für Gemeindepreis nominiert

Tauschen sich auch abseits gemeinderelevanter Veranstaltungen aus: Stefan Helmreich (Bürgermeister Lieboch) und Matthias Brunner (Bürgermeister Thal) (Foto: WKO)

Eine Experten-Jury sucht im Rahmen des "Österreichischen Gemeindepreises" den Bürgermeister des Jahres. Gleich zwei Bürgermeister aus Graz-Umgebung sind nominiert.

Er ist Sprachrohr, Ansprechperson und Entscheidungsträger – der Bürgermeister. Mit ihm steht und fällt nicht nur das Ansehen einer Gemeinde, auch das Zusammenleben im Ort ist Antwort auf seinen Einsatz. Das Innenministerium zeichnet im Rahmen des „Österreichischen Gemeindepreises 2017“ gemeinsam mit dem Gemeindebund Gemeinden mit herausragenden Initiativen aus und honoriert jene Ortschefs, die für ihre Gemeinde einstehen. Unter den drei steirischen Nominierten befinden sich gleich zwei Bürgermeister aus Graz-Umgebung: Matthias Brunner (Bürgermeister Thal) und Stefan Helmreich (Bürgermeister Lieboch). Die WOCHE bat zum Doppelinterview und sprach über Aufgaben, Herausforderungen und Ziele der Bürgermeister.

Was hat Sie dazu bewegt, Bürgermeister zu werden?
Matthias Brunner: Gemeindepolitik hat mich immer interessiert, und ich habe auch immer gern meinen „Senf“ dazugegeben. Als sich die Möglichkeit geboten hat, mit einem frischen Team aus einerseits erfahrenen Gemeinderäten, zum anderen aber auch mit in der Politik neuen, engagierten Menschen eine Wahlbewegung ins Leben zu rufen, habe ich die Chance genutzt. Dass die Thaler Bevölkerung mich dann sogar zum Bürgermeister machte, hat mir eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe beschert, die ich seit über zwei Jahren sehr gerne mache.
Stefan Helmreich: Ich war politisch immer schon sehr interessiert. Der Sitz im Gemeinderat war der Einstieg im Hinblick auf die Mitgestaltung in der Gemeinde. In der Kommunalpolitik kann man noch am meisten bewegen, weil man direkt am Bürger dran ist. Für mich ist es der herausforderndste und lohnendste Politiker-Job überhaupt.

Ist der Bürgermeister heutzutage mehr als nur der Ortschef?
Brunner: Ich sehe mich nicht als Chef. Der Bürgermeister ist Teil eines Teams, das aus allen Mitarbeitern der Gemeinde und dem Gemeinderat besteht. Jeder muss seine Aufgaben gewissenhaft erledigen. Wir alle sind Dienstleister für die Thaler.
Helmreich: Vor allem die Flut an Gesetzen und Verordnungen ist eine große geworden, dazu haben sich auch die Verantwortungsbereiche verändert. Als Beispiel kann die gesamte Baumaterie angeführt werden, da wird alles immer komplexer. Von außen sind diese Dinge oft schwer zu beurteilen, da wird eher erwartet, dass der Bürgermeister bei jedem Fest im Ort anwesend ist.

Welchen Herausforderungen muss er sich stellen?
Brunner: Herausforderungen sind der Erhalt und der weitere Ausbau der kommunalen Infrastruktur in den Bereichen Straßen, Kanal, Schulen, Kinderbetreuung, aber vor allem auch der Umgang mit den Fragen, Problemen und Wünschen der Bevölkerung. Doch genau das ist der Grund, aus dem ich meine Aufgabe als Bürgermeister so sehr mag: mit und für Menschen zu arbeiten.
Helmreich: Die Erreichbarkeit ist eine ganz andere als früher. Heute nehmen die Menschen sämtliche Kommunikationsformen wahr, um mit dem Bürgermeister in Kontakt zu treten. Ich bekomme so etwa Anfragen via Facebook und Whatsapp, während Telefonate eher zurückgehen. Diese neuen Formen, mit den Leuten Kontakt zu halten, sind natürlich nicht unpraktisch, weil man schnell reagieren kann. Das erwarten die Bürger heute auch, was andererseits auch den Druck erhöht. Schwierig ist es oft auch, Bürgern zu erklären, dass man im eigenen Ort nicht alles tun und lassen kann, was man will – wenn dafür das übergeordnete OK fehlt.

Wohin geht die Gemeinde zukünftig mit Ihnen als Bürgermeister? Was wünschen Sie sich?
Brunner: Ich wünsche mir, dass die seit meinem Amtsantritt fraktionsübergreifend gute Zusammenarbeit im Gemeinderat auch zukünftig weitergeht und wir weiterhin gemeinsam konstruktiv und lösungsorientiert für unseren Ort arbeiten.
Aktuelle Aufgaben sind die Fertigstellung des Rückhaltebeckens, die Sanierung und Erweiterung unserer Volksschule, aber auch der Ausbau des Thalersees als Naherholungsgebiet. In diesem Bereich bedarf es allerdings einer engen Zusammenarbeit mit unserem Nachbarn, der Stadt Graz.
Helmreich: Ich wünsche mir, dass wir alle großen Vorhaben in der Gemeinde in den kommenden drei Jahren auch ohne gröbere Probleme umsetzen können. Dazu gehört etwa die Umsiedelung des Sportplatzes, die Ansiedelung von Industrieunternehmen sowie Rückhaltemaßnahmen und die Umsetzung von gemeindeübergreifenden Radwegplänen. Parallel dazu hoffe ich, dass die Verfahrensdauern von Seiten der Oberbehörden kürzer werden.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung in GU?
Brunner: Unser Bezirk ist sehr vielschichtig: Einerseits ist er starker Industrie- und Gewerbestandort, andererseits attraktiver Wohnraum durch die Nähe zur Landeshauptstadt, gleichzeitig auch Naherholungsgebiet für fast 430.000 Menschen. GU entwickelt sich in allen Bereichen sehr dynamisch.
Helmreich: Keine Frage, einerseits leben wir in einem bevorzugten Bereich mit der unmittelbaren Nähe zu Graz. Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass sich viele Menschen und Industriebetriebe bei uns ansiedeln möchten. Wir müssen daher danach trachten, einen Ausgleich hinsichtlich der Interessen zu schaffen. Denn es ist unbestritten, dass der Zuzug eine große Herausforderung für die Infrastruktur darstellt. Man muss immer im Auge behalten, wie viel Zuzug eine Gemeinde verträgt. Diesen Spagat müssen und werden wir auch schaffen.


Das Interview führen Nina Schemmerl und Christoph Hofer.
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