01.12.2016, 11:54 Uhr

Mit Märchen und Sagen ins Neue Jahr

"Märchenklaus" Streichert öffnet im Advent für WOCHE-Leser seine Märchenbücher.

In alten Geschichten steckt viel Lebensweisheit. Ein Schatz, der sich gerade an langen Abenden wunderbar heben lässt.

Rena Eichberger

Düstere Herbst- und Winterstunden eignen sich hervorragend dafür, Geschichten aus alten Zeiten zu lauschen. In den kommenden Wochen begleitet uns „Märchenklaus“ Streichert mit Märchen aus aller Welt durch den Advent. Weil wir aber gar nicht unbedingt so weit in die Ferne schweifen müssen, werfen wir anschließend einen Blick in die nähere Umgebung. Wir werden sehen, dass wir rund um Graz durchaus der einen oder anderen Hexe oder gar dem Teufel höchstpersönlich begegnen können, wenn wir nur fest genug daran glauben. Denn wie die WOCHE-Recherche ergab, handelt es sich bei der Region in und um Graz um ein durchaus sagenhaftes Gebiet im wahrsten Wortsinn.

Gut zuhören

Zusätzlich zu den Berichten von anno dazumal erfahren Sie einige Hintergründe zum Reich der Märchen und Sagen. Schließlich hat sich einiges verändert, seit diese ausschließlich von Mund zu Ohr überliefert wurden. Lesen Sie, wodurch Sie sich voneinander unterscheiden, wie sie erhalten blieben, was die Wissenschaft über sie weiß oder was es mit den modernen „Großstadtlegenden“ auf sich hat.
So spannend es ist, in einem alten Märchen- oder Sagenbuch zu stöbern, so sehr genießen wir es doch, wenn uns ein guter Erzähler oder eine erfahrene Erzählerin an der Hand nimmt und vorbei an Drachen, durch finstere Wälder, hoch in die Lüfte und zu verwunschenen Schlössern geleitet. Die hohe Kunst dieser Menschen ist es, die Moral einer Geschichte zu erkennen und so spannend zu vermitteln, dass die Botschaft auf ausgeschmückten Pfaden beim Publikum ankommt. Denn alte Geschichten haben so viel mehr zu bieten, als bloße Unterhaltung. Sie regen die Fantasie an und wer genau hinhört, entdeckt so manche versteckte Botschaft. Eine der wesentlichsten ist die, dass eben nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Prinzip Hoffnung

In der Welt vor der Erfindung von Fernsehen und Telefon war man dankbar für jede Neuigkeit und Unterhaltung, die sich einem bot. Wortgewandte Leute zogen damals von Dorf zu Dorf, von Land zu Land, um ihre Geschichten zu erzählen. Auf ihren Reisen schnappten sie auch selbst immer wieder etwas Spannendes auf, dichteten ein wenig dazu und erzählten es weiter. Nach dem Stille-Post-Prinzip entstanden aus ein und demselben Stoff oft mehrere Varianten mit teils sogar unterschiedlichem Ausgang. Was „Original“ ist und was „Nachahmung“ lässt sich nicht sagen, ist auch nicht weiter von Belang.

Märchen und Sagen haben neben elektronischen Medien und der Traumfabrik Hollywood nichts an ihrem Reiz verloren, den sie auf junge ebenso wie ganz alte Menschen ausüben. Selbst wenn der Glaube daran, dass am Ende stets das Gute über das Böse siegt, mit zunehmendem Alter mitunter etwas schwerer fällt, so machen die Geschichten mit dem „Happy End“ zumindest eines: Hoffnung. Dass Geschichtenerzählen sogar lebensrettend sein kann, wissen wir spätestens seit 1001 Nacht. Und darum wird das Spannungsprinzip, auf dem eine mitreißende Präsentation beruht, gerne das „Scheherazadeprinzip“ genannt.
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