05.10.2017, 05:30 Uhr

"Bewusstsein für den gemeinsamen Weg schaffen"

"Ich merke, dass die Leute wissen, dass sich etwas tut", sagt SPÖ-Spitzenkandidatin Karin Greiner . (Foto: WOCHE)

Für den letzten Teil der Interview-Serie zur Nationalratswahl haben wir mit SPÖ-Spitzenkandidatin Karin Greiner gesprochen.

WOCHE: Bundeskanzler Christian Kern zeigt sich volksnah. Braucht die Wählerschaft den Kontakt, um sich verstanden zu fühlen?
Karin Greiner: Menschen, die etwas zur Allgemeinheit beitragen möchten, und jene, die für dieses Land so viel schon geleistet haben, sollen gehört und miteinbezogen werden. Die SPÖ ermöglicht dies, auch bis auf die lokale Ebene heruntergebrochen. Und das spürt man in Graz-Umgebung: So laden wir zum Beispiel seit nahezu 15 Jahren immer wieder im persönlichen Rahmen zu Sommergesprächen, sprechen auf Augenhöhe über politische Wünsche, hören darauf, was die Jugend in der Kommunalpolitik bewegen will. Dabei zeigt sich immer wieder, dass aus Stimmen Bewegungen werden. Vor Ort da sein und nicht das Gefühl vermitteln, dass irgendwo über die Köpfe hinweg entschieden wird, ist das Schöne daran, sich als Partei zu öffnen.

Als alteingesessene Partei hat man den Ruf, gewählt zu werden, weil es schon Generationen davor getan haben. Wie erreicht man neue Wähler?
Indem man sie einbindet. Das zeigt sich auch bei der Kandidatenliste und wofür jeder Einzelne besonders einsteht. Ich möchte ein Beispiel geben: Die Kandidatin Elisabeth Täubl hat auf meine Frage, warum sie sich in der Politik engagieren möchte, geantwortet, dass es ihr aufgrund der familiären Situation schwierig war, arbeiten zu gehen, dank der vorhandenen Infrastruktur, Kinderbetreuung und Co. aber möglich gemacht wurde. Jetzt möchte sie der Partei etwas zurückgeben. Weil dies sozialdemokratische Verdienste sind.

Graz-Umgebung zwischen Industrie und Landwirtschaft – trennen sich hierbei ÖVP- und SPÖ-Anliegen?
Das sind keine sich ausschließenden Bereiche, sondern spielen gut zusammen und das bedeutet zugleich Regionalität. Wenn Leistungen vor Ort geschätzt werden, soll das keine parteipolitische Angelegenheit sein. "Der eine will es, der andere produziert es" ist eine super Symbiose und schafft Bewusstsein für den gemeinsamen Weg, der gegangen wird.

Was bedeutet "sozial" und "gerecht"?
Genau das, was erwähnt wurde: gemeinsames Agieren für eine gemeinsame Sache. Was bedeutet es für eine Gesellschaft, dass Kinder in Nachmittagsbetreuungen gut aufgehoben sind, dass Grünflächen für Erholung zur Verfügung stehen, dass sich eine Gemeinde im Klimaschutz bemüht, dass ich zum Arbeitsplatz komme etc.? Es bedeutet, dass im Laufe der Zeit entsprechende Beiträge geleistet wurden, und dass ein gerechtes Umfeld geschaffen wurde.

Was haben die Bürger im Bezirk davon, die SPÖ zu wählen?
Die SPÖ hat mit Christian Kern viele Maßnahmen gesetzt, die jetzt im Bezirk spürbar sind. Zum Beispiel zu sehen an generell positiven Wirtschaftsdaten, Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit, Beschäftigungsbonus, dem Lehrlingspaket, Betreuungseinrichtungen, Investitionsprämie, Investitionen in die Forschung, Arbeitsplätze vor Ort etc. Das sind keine Dinge, die einfach passieren, hier greifen die ersten Maßnahmen. Ich merke, dass die Leute wissen, dass sich etwas tut. Damit das auch so bleibt und der Aufschwung weitergetragen werden kann, braucht es die Unterstützung der Wähler.

Mit dem Plan A in die Zukunft

1889 im niederösterreichischen Hainfeld als Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet, zählt die SPÖ zu den ältesten bestehenden Parteien hierzulande. Seit jeher steht sie gezielt für die breite arbeitende Mittelschicht. "Österreichs Erfolg ist ein Erfolg der Mittelschicht", heißt es im Wahlprogramm, und dieser "basiert entscheidend auf den Reformen der Kreisky-Ära". Mit nostalgischem Rückenwind sind die Überwindung von Klassengegensätzen durch Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität im Zuge politischer Veränderungen dominante Inhalte.
Österreichs Wirtschaftswachstum steht im Ländervergleich gut da. Faire Löhne, Arbeitsplatzbeschaffung, sichere Pensionen und Bildung als soziales Grundrecht sind daher Teil der zwei Ziele von Plan A im Wahlprogramm: "1. Den Aufschwung zu sichern, damit Österreich erfolgreich bleibt. 2. Dafür zu sorgen, dass Sie bekommen, was Ihnen zusteht." Ein Schwerpunkt ist dabei das Thema Steuern – Einkommen und Löhne sollen entlastet, Mindestlöhne von 1.500 Euro steuerfrei werden. Mit einer Lohnnebenkosten-Senkung sollen zudem die Unternehmer ins Boot geholt werden.
An der Spitze der SPÖ steht Bundesparteiobmann Christian Kern, seit Mai 2016 ist er Bundeskanzler. Der Sohn eines Elektroinstallateurs und einer Sekretärin setzt im Wahlkampf auf direkten Wählerkontakt und auf das Motto: "Gestalten wir unser Österreich und unsere Zukunft gemeinsam."
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