29.11.2016, 20:33 Uhr

Bin ich zu alt oder zu dumm?

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Lüge oder Wahrheit (Foto: Urheber unbekannt)
Haben wir, die Wähler nichts, aber auch rein gar nichts, verstanden?

Ich möchte nicht über die ankommenden Bundespräsidentenwahlen reden, obwohl ich mich so langsam über die Herren ärgere. Ich habe mich aber auch geärgert, dass die Präsidentenwahlen wiederholt werden. Sind wir nicht einmal mehr fähig, Wahlen zu organisieren und abzuhalten? Ich möchte auch keine Empfehlungen aussprechen. Jeder ist frei in seiner Entscheidung, Hauptsache er geht wählen.

Allerlei Gedankenspiele führen zu nichts. Interessant wird es doch erst danach. Warum? Sind die Parteien plötzlich wertlos geworden? Die Fähigkeit, zu wissen, was in Menschen vorgeht, scheint tatsächlich verloren gegangen zu sein. Aber was bringt uns diese „Erkenntnis“? Dass die Mehrzahl der Menschen bessere Argumente hat, als die Politiker, die wir gewählt haben. Es sollte uns zu denken geben, wenn sie sich auf Twitter oder Facebook damit brüsten, „schlauer“ zu sein. Heute hat ein Politiker ungefähr so viel Kenntnis wie ein ausgebildeter (Fach-)Arbeiter.

Verhandeln über die Höhe der Mindestsicherung bereitet scheinbar Spaß. Ist es eine Mischung aus offen zur Schau getragener Ablehnung, oder glaubt man wirklich, dass alle nur Sozialschmarotzer sind? Muss man als aufgeklärter Mensch nicht förmlich über einen Arbeitslosen herfallen? Ist es wirklich so schwer, sich in einen ehemaligen Arbeiter hineinzuversetzen, der früher ein stolzes und geachtetes Mitglied seiner Gemeinde war, der seine Familie durch die harte Arbeit ernähren konnte und es am Ende sogar geschafft hat, eines seiner Kinder an eine Hochschule zu bringen? Was mag in diesem Mann vorgehen, wenn er mit 42 Jahren zu alt und zu teuer ist? Er muß heute von Glück reden, dass er noch einen Job im Supermarkt hat, wo er die jungen Schnösel bedienen darf. Aber ansonsten sieht er nur, wie „sein Land“ vor die Hunde geht. Er muss miterleben, wie seine Straße, sein Stadtviertel, seine Stadt, sein ganzes Land sich so negativ verändert hat. Haben wir mit unserer Erfahrung, tollen Bildung und Ausbildung wirklich nichts an unsere Kinder weitergegeben?

Reden wir also lieber nicht mehr über die Symptome, sondern über die Ursachen. In der liberalen Welt der Passivhäuser oder der hermetisch abgeschlossenen Grundstücke, sind die Probleme und Sorgen des Volkes natürlich weit weit weg. Klar, diesem selbstgerechten Bürgertum, dem offenbar die Bestimmungshoheit zugefallen ist, geht es in der Tat gut. Hier muss man sich keine Gedanken darüber machen, warum man trotz formal guter Ausbildung keinen Job bekommt. Hier denkt man fortschrittlich, postmaterialistisch; und da es uns ja materiell ohnehin (zu) gut geht, stehen nun die weichen Themen auf der Agenda – genderneutrale Toiletten sind dann wichtiger als Chancengleichheit, die Frage, ob schwule Paare Kinder adoptieren können, ist wichtiger als die Frage, wie man Jobs in strukturschwache Regionen bringt. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre dabei die Antwort. Alle sozialpolitischen Fragen und Politik hat dann eine Politik für Minderheiten zu sein.

Man sollte die Geschichte nicht durch einen Mangel an Phantasie beleidigen. Die selbsternannten Parteibonzen der Mitte haben die Empathie verloren und sich von den meisten ihrer eigenen Wähler entfremdet. Der Naturanhang biedern sich dem bürgerlichen Milieu an, der er entsprungen ist, die Sozialdemokratie existiert derweil nur noch auf dem Papier. Und ist es wirklich so verwunderlich, dass die Getäuschten und Enttäuschten dann sogenannten „Populisten“ hinterherlaufen?

Kritiker aufgepasst: Wer es absolut plausibel findet, dass immer mehr Wähler „populistisch“ wählen, sagt damit nicht, dass er dies auch gut findet. Im Gegenteil. Diese Erkenntnis ist nicht neu und hilft uns aber auch nicht weiter. Da die Menschen es leid sind, immer nur das kleinere Übel zu wählen, stehen sie nun vor der Wahl zwischen Pest und Cholera.

Gibt es denn gar keine Alternativen? Doch natürlich. Die entscheidende Frage dürfte es da sein, ob diese Politik, volle Absicht ist oder ob unsere selbsternannten Eliten es wirklich nicht besser wissen? Darüber solle man einmal nachdenken.

Ich Otto, bin ein sogenannter Wutbürger,
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helmut kanduth aus Murtal | 30.11.2016 | 00:14   Melden
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Rudolf Aichholzer aus Villach Land | 30.11.2016 | 07:23   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 30.11.2016 | 08:32   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 30.11.2016 | 11:33   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 01.12.2016 | 15:15   Melden
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Otto Windisch aus Graz-Umgebung | 01.12.2016 | 17:00   Melden
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Anna Plodorfer aus Kufstein | 01.12.2016 | 18:35   Melden
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Anna Plodorfer aus Kufstein | 01.12.2016 | 18:39   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 02.12.2016 | 14:26   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 02.12.2016 | 17:30   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 03.12.2016 | 16:27   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 03.12.2016 | 18:14   Melden
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 03.12.2016 | 19:10   Melden
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