14.10.2016, 11:28 Uhr

Das neue Schloss Herrenchiemsee

Prien am Chiemsee (Deutschland): Chiemsee |

7. Teil: Die Reise in meine Vergangenheit.

Anfahrt zum Schloss über den Chiemsee


Die Anfahrt zum Neuen Schloss Herrenchiemsee, so lautet heute die genaue Bezeichnung, erfolgt ausschließlich per Schiff und viele scheuen diese besondere Anfahrt nicht. Nur man braucht Zeit dafür, was in der heutigen hektischen Zeit etwas Besonderes ist.

Dann war „das an Land gehen“, was bei einer solcher Menschenmenge länger dauerte. Wir waren mitten drinnen im Menschenstrom und da hörte man so einiges, vor allem von denen, die Deutsch sprachen: es gibt auf der Insel viel zu sehen, die Besuchszeit ist sowieso zu kurz geplant, für die Besichtigung von Parkanlagen und dem Schloß reicht es gerade noch - wenn auch im Laufschritt, woher die Zeit nehmen, fürs historisch interessante Museum im Augustiner Chorherrenstift oder den anderen Galerien auf der Insel, Interesse hätte man ja, dazu reicht die Zeit nicht mehr, hörte man. Einige Reisenden hatten schon am Start Zweifel, ob sie wenigstens das Wichtigste sehen würden. Allein schon die Schiffsreise zurück dauert, usw. Vom Anlegeplatz zum Schloss Herrenchiemsee sind es etwa 20 Minuten Fußweg, da war Eile geboten. Das waren die Klagen der gestressten Touristen.

Für uns war mehr unsere Beweglichkeit das Maß der Ziele. Im unserem Alter kann man nicht alles mehr erleben, lernt verzichten und außerdem waren wir echt auf Urlaub.

Ein Zurück in die neue und moderne Zeit begann schon beim BIZ. Ein unromantischer, moderner Betonbau, genannt Besucher-Informationszentrum, sah aus wie ein Supermarkt mit Kassen und Souvenirgeschäften und Vielem mehr. Von da an wussten wir, dass alles auf der Insel gründlich vermarktet wird. Eintrittskarten konnte man nur an dieser Stelle bekommen, war zu lesen. Per Computer wurde geregelt, was man sehen wollte, wann man z.B. am Schloß zur Führung erwartet wurde. Besichtigungen im Alleingang waren nicht möglich.

Es gab verständlicher Weise auch eine Menge Verbote. Das Fotografieren und Filmen war in allen Objekten nicht gestattet. Außenaufnahmen zu privaten Zwecken waren Gott sei es gedankt, kostenfrei erlaubt. Dass sperrige Gegenstände wie Regenschirme, Walkingstöcke, große Kinderwägen, nicht in die Besichtigungsobjekten mitgenommen durften kann man verstehen. Nur das Wort „Kraxen“ hat mich belustigt. Kraxen brauchten früher die Bergbewohner um Lasten zu transportieren. Kommen noch immer Bergbauern mit Kraxen auf den Rücken auf Besuch zum Chiemsee? Nach Auskunft, wurde mir deutlich, dass damit die heutigen, modernen Tragemöglichkeiten für Kinder, die Kinderkraxen gemeint waren.

Gewohnheitsmäßig wäre für uns Kaffeezeit gewesen. Nur das Stehkaffee im BIZ war nicht unseres. Wir sahen hoch oben die sonnenbestrahlte Terrasse vor dem Restaurant im Chorherrenstift, uns war der Weg dahin zu weit und der kürzere Weg war eine Treppe. Wegen unserer Knieprobleme war auch das keine Lösung. Also: durchhalten bis zum Schloß.

Im Sommerhalbjahr gibt es auch Kutschfahrten, praktisch einen Pendelverkehr zum Königsschloss. Die Lösung für uns, dachten wir. Da aber nur eine begrenzte Anzahl Kutschen für den Transport vorhanden war, auch kein brauchbares Ergebnis. Denn wir hatten nicht mit unseren Mitmenschen gerechnet. Die erste Kutsche war reserviert. Es kommt aber in Kürze die nächste, sagte man uns. Sie kam. Aber bevor wir es begriffen, wurde diese von der Schar der Wartenden besprungen und war sofort übervoll beladen. Das eine oder andere Familienmitglied war nicht schnell genug und stand noch daneben. Kinder mussten auf den Schoß der Lieblingsoma oder dem Opa und dann die Kinderwägen, die mussten auch noch mit. Keiner wollte freiwillig seinen Platz aufgeben. Es war ein Chaos. Wir konnten nur staunen. In der Ferne sahen wir die nächste Kutsche ankommen. Mit dieser Kutsche gelang es uns auch noch nicht, mitzufahren. Wir mussten es einfach wie die anderen machen: sich strategisch aufstellen, Ellbogen rausstrecken, den anderen den Weg abschneiden und so geschwind aufspringen, wie es eben für uns möglich war. Es gelang uns, einen Platz zu bekommen. Wir hatten nicht das beste Gefühl dabei, so zu handeln, aber es half uns.

Die Kutschfahrt selbst war an diesem heißen Tag eine angenehme Sache, da sie hauptsächlich durch den kühlen Wald führte. Der Nachteil wiederum war, man sah zu wenig vom wunderschönen Park. Dann kam das Schloß, es stand in der vollen Sonne. Die nächste Führung in deutscher Sprache wäre erst in einer Stunde gewesen. Aber es gab zum Glück eine schattige Kaffeeterrasse. Selbstbedienung! Einer sucht einen Platz, der Andere mußte sich anstellen für den Kaffee. Den Versuch, die gewünschte Mischung Kaffee auf einem unbekannten Automaten zu bekommen, ist eine Herausforderung für sich. Es gelang endlich. Kassiert wurde noch per Hand und das nicht zu knapp: € 5.—für einen Verlängerten ist nicht gerade wenig. Aber es war ja auch der Anteil für den Unterhalt des Schlosses zu bezahlen.

Am Tisch setzten sich zwei Damen und ein Herr aus dem Schwarzwald zu uns. Was wir da erfahren konnten, grandios. Wo diese Menschen schon überall waren und welche Führungen sie mitgemacht hatten, unvorstellbar. Einfach zu viel von Allem. Zum Schluß sagte der Herr noch: „Wenn man dann wieder zuhause ist, weiß man nicht mehr wo man war und was man alles gesehen hat“. Ein wahres Wort. Wir beschlossen, auf eine Besichtigung der Prunkräume innen zu verzichten.

Die Vorderseite des Schlosses kennt jeder. Ich wollte einmal die Rückseite sehen. Deshalb wanderten wir, immer den Schatten ausnützend, ums Hauptgebäude. Davon zeugen einige Fotos. Die bronzenen Figuren des Springbrunnens hab ich auch noch fotografiert. Die Frage, ob diese das Alter des Schlosses haben, blieb offen.

Wir hatten genug gesehen. Mit der Kutsche und dem Schiff ging es zurück zum Auto. Da bewahrheitete sich unsere Befürchtung: das Auto war zur Sauna geworden. Wir fuhren schnell zurück nach Aschau, zur Villa Musica. Das Ausruhen auf der Terrasse war für uns ein wahres Vergnügen.

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