07.10.2016, 18:59 Uhr

Erinnerung an Chiemsee, Schifffahrt, Herren-Chiemsee

4. Teil: Die Reise in meine Vergangenheit.


Warum am zweiten Tag unserer Rundreise der Besuch des Chiemsees auf dem Programm stand, kann sich der Leser fragen. Der Grund: Vor rund 60 Jahren, wurde für uns Firmlinge als Geschenk eine Busreise zum Herren-Chiemsee organisiert.

Mein Firmpate war ein Bruder meiner Stiefmutter. Vom Beruf war er Senner. Dazumal gab es noch Sennereien, heute würde man das eine Molkerei nennen. Er war ein wichtiger Mann im kleinen Dorf Schwendt b. Kössen und tief religiös. An meine Kleidung zur Firmung kann ich mich noch erinnern. Der Knickerbockeranzug war in weiser Voraussicht meines Vaters, in Größe „Hineinwachsend“.
Nach der Zeremonie brachte uns ein Postbus für Sonderfahrten nach Priem am Chiemsee. Es war meine erste Auslandsreise. Erst später bedachte ich, wie wir Kinder ohne Pässe und Eltern über die Grenze gekommen sind, denn dazumal war die Staatsgrenze nach Bayern noch gut gesichert. An alles kann ich mich auch nicht mehr so genau erinnern, nur noch dass es ein grauer Tag war. Die Überfahrt zur Herreninsel war stürmisch, denn die machten wir in einem kleinen Boot. Das Wasser stand fast bis zur Fensterhöhe. Angst konnten wir natürlich nicht zugeben. Vermutlich konnte keines der Kinder schwimmen, wenn es nötig gewesen wäre.
Wieder Boden unter den Füßen folgte ein langer Fußmarsch Richtung Schloß. An die Schönheit des Gartens kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Auch an die Springbrunnen von heute habe ich keine Erinnerung. Gab es schon die lebensgroßen bronzenen Gestalten? Das Schloß auf der Herreninsel war groß, aber die Geschichte interessierte uns nicht sonderlich. Vom König Ludwig II. von Bayern, wurde es nach dem Vorbild von Versailles gebaut. Das Besondere des Schlosses, erzählte ein Führer, war das Prunktreppenhaus, das Paradeschlafzimmer und die Große Spiegelgalerie. Ob wir darinnen wohnen wollten? – „lieber nicht“ war die Antwort.
Wichtiger für uns Kinder war, dass wir, weil wir schon ziemlich hungrig waren, in der Gastronomie einen Teller Nudelsuppe mit einer Weißwurst, eine Bayrische Spezialität, ein rotes Kracherl und dazu einen roten Mund bekamen. Die Herrn Paten aßen natürlich etwas Deftigeres: einen Schweinsbraten, der sie gelöscht mit viel Bier, in leichte Feststimmung brachte. Die Heimreise war dann, wegen der Reisekrankheit, nicht für jeden so lustig.

Die Reise war dann doch ein ansehnliches Erlebnis und lebt noch stets in meinen Erinnerungen.

Wie es heute, bei unserem Besuch, auf der Herreninsel aussieht lesen und sehen sie in einer weiteren Folge.

Alle Fotos stammen aus meinem Fotoalbum zum Gedenken an die Firmung.
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 07.10.2016 | 19:24   Melden
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Poldi Lembcke aus Ottakring | 07.10.2016 | 21:30   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 07.10.2016 | 21:58   Melden
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Ferdinand Reindl aus Braunau | 07.10.2016 | 22:43   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 08.10.2016 | 07:56   Melden
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Otto Windisch aus Graz-Umgebung | 08.10.2016 | 10:10   Melden
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Elfriede Endlweber aus Graz-Umgebung | 08.10.2016 | 16:07   Melden
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