07.02.2018, 17:38 Uhr

Das „große Verschweigen“.

Das ist echtes Geld, Aktien sind meistens nur Luftballons (Foto: Urheber unbekannt.)
Heute möchte ich über eine bedenkliche, fast kriminelle Informationsart schreiben. Es geht diesmal nicht über falsche Berichte, sondern über das allgemeine „große Verschweigen“, was auch nicht korrekt ist.

Dass wir Staatsschulden haben, wissen wir. Im Wahlkampf hat man uns Bürgern das ja regelmäßig vorgehalten. Wer sie verursacht hat, in welcher Höhe und bei wem wir Schulden haben, ist für ein Volk, das von Rechnen doch nichts versteht, in Nebel gehüllt.
Die sogenannte Schuldenuhr des Staates kennen wir von TV, insbesondere die der USA. Aber wie steht es bei uns? Da taucht plötzlich ein Bericht auf, unsere Staatsschulden werden/können ab 2018 erwartungsvoll rückwärts laufen. Dass ist doch erfreulich? Die gigantischen Schulden des Bundes, der Länder und Gemeinden sinken angeblich. Aber gibt es keine Neuverschuldung mehr? Ist es wie bei den Diesel-Abgaswerten, werden wir zu dieser Schuldenuhr nicht schamlos betrogen oder gar nicht informiert?

Real ist, dass die Staatsverschuldung dagegen immer schneller steigt. Das wird peinlich verschwiegen. In den Büchern wird die Verschuldung teilweise in Bereiche verschoben, die von der sogenannten Schuldenuhr gar nicht erfasst werden. Die Zinsen für die Staatsschulden sind eigentlich der größte Ausgabenposten der staatlichen Haushalte noch vor den sozialen und allen anderen Ausgaben. Man muß da auch keine extra Information geben, die versteht der kleine dumme Bürger doch nicht, glaubt man. Jeder vernünftige Kleinverdiener weiß, dass Schuldenmachen nichts bringt.

Der größte „Verschleierer“ ist die Die Europäische Zentralbank (EZB). Sie hat den öffentlichen Haushalten Zinszahlungen mit ihrer Nullzinspolitik erlassen und diese Ziffern tauchen in den Haushalten seit einigen Jahren kaum noch auf. Ansonsten wären der Bund und auch die meisten Bundesländer und Gemeinden längst total pleite. Auch die meisten anderen Staaten der Währungsunion wären schon längst pleite. Zudem „kauft" die Zentralbank mit ihren Anleihekäufen auch Staatsschulden der Mitgliedsländer auf und deren Kreditwürdigkeit erhöht sich damit. Man kann wieder neue Schulden machen.

Das größte Problem bei der Überschuldung dürfte jedoch das sogenannte „Zentralbankgeld" der EZB sein. Das wird offiziell überhaupt nicht erfasst, obwohl dies die größte Geldmenge überhaupt ist und diese ständig erhöht wird. Geschäftsbanken und Zentralbank bilden einen Verbund wobei letztere ihr angebliches Geld in eigener Regie und ohne öffentliche Kontrolle massiv und per „Ausgleichsbuchung" nach Bedarf erhöhen kann und das auch kräftig tut. Dadurch stellt sie den Banken praktisch unbegrenzt Geld zur Verfügung und diese können das Geld als Kredite ausgeben und mit dieser weiteren Manipulation ihre eigentlich extrem defizitären Bilanzen künstlich verbessern. Das allgemein billige Geld führt auch zum extremen Ansteigen der Immobilienpreise und diese Immobilienblase verbessert scheinbar wieder die Bilanzen der Immobilienbesitzer, zu denen auch Bund, Länder und Gemeinden gehören. Aktien steigen im Verhältnis zum Geld auch auf immer größere Höhen da eben billiges Geld sowie auch Zentralbankgeld in großer Menge verfügbar ist. Aktien und Immobilien verlieren in einer Krise jedoch einen großen Teil ihres Scheinwertes womit eine große und endgültige Finanzkrise unausweichlich ist. Finanzpolitisch sind wir in der Ruhe vor dem Sturm oder besser gesagt in der Ebbe, die jedem Tsunami vorausgeht, eben weil sich das Wasser zu einer riesigen Welle auf türmt, die alles verschlingen wird.

Die Finanzpolitiker und Verantwortlichen sind nüchterne Menschen und sie versuchen sich bestmöglich im Rahmen des Kapitalismus vorzubereiten. Der ESM gewährt dem Krisenmanagement der EZB unbeschränkt Zugriff auf alle Staatshaushalte und durch die Bankenaufsicht kann sofort die Kontrolle über alle Banken übernommen werden. Außerdem wird Bargeld immer stärker kontrolliert und Kapitalverkehrskontrollen sind griffbereit. Das System bereitet sich vor, um möglichst das zu erwartende totale Systemversagen in den Griff zu bekommen.

Die Inflation im Bereich des großen Kapitales macht sich für „Kleine Leute“ bereits in der weltweit ansteigenden Wohnungsnot bemerkbar. Mieten steigen extrem und viele Mieter können die Mieten nicht zahlen und Immobilienkäufer können sehr oft ihre Kredite nicht mehr zahlen, was die Banken und damit die Staaten unter Druck setzt. Es droht jedoch unmittelbar, dass an einem Plan gearbeitet wird, um auf das Geld, also das Sparbuch der kleinen Leute zugegriffen wird.

Leider gibt es keine Lösung für diese Probleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems, darauf möchte ich hinweisen. Ich will keine Illusionen erwecken, dass es möglich wäre, den Kollaps zu verhindern. Allein schon über zu diesem System zu schreiben ist reaktionär.
Es grüßt euch Otto.
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Friedrich Klementschitz aus Leibnitz | 07.02.2018 | 18:02   Melden
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Josef Lankmayer aus Lungau | 07.02.2018 | 21:52   Melden
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Karl Aldrian aus Graz-Umgebung | 07.02.2018 | 22:33   Melden
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Erwin Paier sen. aus Südoststeiermark | 10.02.2018 | 14:22   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 14.02.2018 | 11:06   Melden
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