13.10.2017, 05:30 Uhr

Im Einsatz für die Work-Life-Balance

Birgit Glaboniat-Beder und Andrea Blattner (r.) bieten Einzelcoachings, Seminare oder auch Workshops an. (Foto: Privat)

Zwei Unternehmerinnen kümmern sich in erster Linie um das psychische Wohlergehen bei der Arbeit.

WOCHE: Sie kümmern sich um die Gesundheit am Arbeitsplatz. Wie sieht das aus?
Andrea Blattner: Im Rahmen des Arbeitnehmerschutzes, wonach Unternehmer seit 2013 verpflichtet sind, auch auf die psychischen Belastungen ihrer Beschäftigten zu achten, führen wir die Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen für die Unternehmen durch. Wir unterstützen die Unternehmen auch bei der Maßnahmenumsetzung und der Frage: "Gibt es psychische Belastungen, die sich negativ auf das Unternehmen und die Beschäftigten auswirken?" Für die vielen Betriebe, die darüber hinaus noch etwas machen wollen, bieten wir betriebliche Gesundheitsförderung. Unsere Schwerpunkte sind Stress, Burn-out, Kommunikation, Konflikt, Team und Einzelcoachings sowie Führungskräfteentwicklung.

Kann Arbeit krank machen?
Es gibt Untersuchungen, dass vor allem psychische Erkrankungen zugenommen haben. Die Gesundheit ist nun breiter definiert, nicht nur auf das Körperliche bezogen. Es ist unbestritten, dass durch den Wandel der Arbeitswelt die Anforderungen heutzutage andere sind: hohe Dichte der Arbeit, fortlaufende Beschleunigung. Wir sind immer mehr dienstleistungs- und kundenorientiert, alles muss rasch erledigt werden. Das spiegelt sich im Arbeiten und vor allem in der Gesundheit wider.

Welche Rolle spielt der Einklang des körperlichen und seelischen Wohlbefindens dabei?
Die Psyche hat massive Auswirkungen auf den Körper. Stress kommt aber nicht nur von der Arbeit, sondern auch davon, wie ich Arbeit definiere. In Seminaren ermöglichen wir Teilnehmern, einen anderen Blickwinkel auf die Arbeit und darauf, wie mit Stress umgegangen werden kann. Oft will der Chef gar nicht, dass ich Überstunden mache. Hier ist es wichtig, beim Hinterfragen und bei der Frage „Was trage ich dazu bei?“ zu helfen.

Würden Sie sagen, dass "sich gestresst fühlen" eine Sache der Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Chefs ist?
Was Arbeitsstress betrifft, ist es wichtig, dass Führungskräfte klare Arbeitsaufträge erteilen, am besten mit einem zeitlichen Rahmen, auf Mitarbeiter hören und ihnen die Möglichkeit geben, auch einmal Nein sagen zu können.

Wie funktioniert Ihrer Meinung nach die perfekte Work-Life-Balance?
Essenziell ist die Abgrenzung. Arbeit ist Arbeit, und hier bringe ich meine Leistung. Aber Freizeit ist Freizeit. Der Übertritt zwischen Arbeits- und Freizeit muss gestaltet werden, damit die Arbeit nicht mit nach Hause, und sei es nur geistig, genommen wird. Das funktioniert, wie in vielen Bereichen, am besten mit Ritualen: Nehmen Sie sich am Ende eines Arbeitstages bewusst die letzten zehn Minuten her, schauen Sie, was erledigt wurde, was am nächsten Tag gemacht werden soll. Haken Sie es ab und gehen Sie heim.

Freizeit meint aber nicht immer Zeit für sich ...
Freizeit ist meist mit privaten Terminen verbunden. Die Ich-Zeit ist jene, die ich mir für mich nehme, die mir allein Gutes tut. Im Rahmen der Seminare versuchen wir, das Verlangen danach zu stärken, was einem einmal richtige Freude gemacht hat, um Zeit für sich zu reservieren. Und sei es nur eine Stunde, damit Kraft geschöpft werden kann.


Zum Unternehmen:
Andrea Blattner und Birgit Glaboniat-Beder sind im Bereich der arbeitspsychologischen Beratung und Evaluation "AB&E OG" tätig, um mehr Gesundheit und Sicherheit in Unternehmen und Gemeinden zu bringen. Kontakt: Hauptplatz 6, 8112 Gratwein-Straßengel, 03124/53678, www.a-b-e.at
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