14.10.2014, 08:25 Uhr

WOCHE-Tischgespräch: Wie tickt der Binder-Boss Karl Grabner?

Ein Tischgespräch der besonderen Art: In der neuen WOCHE-Serie bitten wir Wirtschaftsgrößen unseres Bezirks zum besonderen Interview an einem ihrer kulinarischen Lieblingsplätze. Zum Auftakt trafen wir Karl Grabner, Vorstand von Binder + Co, im Café Paradies in Gleisdorf.

WOCHE: Das Thema des heutigen Gespräches ist: Wie tickt Karl Grabner?
Karl Grabner: Soll ich gleich loslegen? Mir fallen immer Geschichten ein, warum ich so bin, wie ich bin!

Wie sind Sie denn? Ich glaube, ich bin ein angenehmer Mensch, dem man vertraut. Wenn ich etwas sage, nehmen mir die Leute das ab. Also kann ich nicht unangenehm sein, sonst zweifeln die Leute nämlich sehr viel. Wenn ich eine Zusage mache, muss etwas ganz Dummes passieren, dass ich die nicht einhalte. Und der Versuch, Ausgewogenheit zu erzeugen, ist eines meiner Markenzeichen. Mein Opa hat immer gesagt: Wenn man zu zweit etwas macht, sollte jeder danach trachten, ein bisschen mehr als die Hälfte zu machen. Dann fällt es beiden leicht. Das ist in mir geblieben, darum kann sich bei mir jeder darauf verlassen, ich versuche mehr als 50% zu tragen.

Mögen Sie sich selbst? Ja, schon. Ich mag mich grundsätzlich sehr gerne. Wenn man viel unterwegs ist, ist man viel allein. Ich hab das immer locker ausgehalten. Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass ich mich selber mag. Ich kann mich auch gut selber beschäftigen. Mir ist nie fad, das ist schön für mich, kann aber für andere belastend sein. Meine Familie weiß, wie ich bin, und sie lässt mich so sein.

Was würde passieren, wenn jemand kommt und Sie nicht so sein lässt? Ich kann mich schon verbiegen, aber ich muss das Gefühl haben, das Verbiegen macht Sinn. Wenn es ein Fernziel gibt, dann muss ich mich eben anpassen und einordnen, das wäre kein Problem.

Was müsste man machen, um Sie richtig böse zu machen? Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo er dem anderen pausenlos auf die Nase haut. Wenn Sie mich ärgern wollten und mir immer wieder sehr nahe kommen, obwohl ich die Grenzen schon aufgezeigt habe, dann könnte ich bösartig werden.

Wie äußert sich das? Mein Vorstandskollege sagt, dass dann aus meinen Augen wie bei Comicfiguren kleine graue Dampfwolken kommen. Dann wird's gefährlich.

Womit kann man Ihnen die größte Freude machen? Mit Dankbarkeit und Wertschätzung, damit können Sie mich fangen. Wenn es echte Freundschaft ist, nicht weil ich der Binder-Chef bin, sondern weil ich der Karl bin.

Sind Ihnen materielle Dinge wichtig? Wie stehen Sie zu Geld? Da haben Sie einen schwachen Punkt von mir getroffen. Geld hat für mich ein relativ hohe Bedeutung. Bei uns zuhause war Geld immer Mangelware. Ich hab immer gespart, habe darum auch immer Geld gehabt. Es gibt mir Sicherheit, aus dieser Jugenderfahrung heraus.

Würden Sie sich als geizig bezeichenen? Ja, aber zu mir selbst.
Sie gönnen sich nichts?
Ich tu mir schwer, mir selber etwas Besonderes zu gönnen. Brauch ich das wirklich? Es gibt so Bubenträume, beispielsweise einen Aston Martin. Den würd ich mir gern gönnen, aber wenn ich da vorm Geschäft stehe, würd ich mich wahrscheinlich fragen: Brauchst das wirklich?

Geld ist wichtig, aber Besitz ist etwas, das Sie nicht glücklich macht? Ganz so ist es nicht. Wollte ich nichts besitzen, hätte ich auch kein Haus und wäre nicht Miteigentümer bei Binder + Co. Mir macht auch Freude, noch ein paar andere Dinge zu besitzen. Besser komme ich mir dadurch aber nicht vor.


Wordrap

Karl Grabner über ...
... Teamwork: Ich glaube, es ist die Zeit von Teams, denn heute gibt es das selten, dass ein Einzelner alle Zusammenhänge begreift. Ein paar Dinge kann ich gut, andere nicht, ich kann nicht alles wissen.

... Führungsqualitäten: Nicht führen kann genauso ungut sein wie eine extreme Ausprägung der Führung. Wenn man immer zu wissen glaubt, wie die Welt funktioniert, merkt man oft gar nicht mehr, dass man eher belächelt wird.

... Motivation: Mein Opa konnte super motivieren. Mein Cousin und ich sind als Buben immer mit dem Opa in die Kirche gegangen. Anschließend hat der Opa im Wirtshaus vor versammelter Bauernschaft erklärt, wie super seine "Buam" die ganze Woche gearbeitet haben. Das war so motivierend, dass wir in der nächsten Woche noch mehr gearbeitet haben.

... Glück: Ich habe immer Glück, ich bin ein Sonntagskind.


Zur Person

Karl Grabner, 55 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter (Isabell, 15). Geboren in Pöllau/Hartberg, aufgewachsen in Strallegg, Miesenbach und im Mürztal. Matura am Gymnasium Mürzzuschlag. Karl Grabner wollte ursprünglich Architekt werden, entschied sich dann doch für ein Maschinenbau-Studium in Leoben. Lebt seit 1992 in Gleisdorf. Bei Binder + Co begann er als Techniker, mittlerweile sitzt er im Vorstand.
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