Vergängliches bewahren
Anna Cebular – Elegantes Gemüse

Anna Cebular (l.) am Töpfermarkt
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  • Anna Cebular (l.) am Töpfermarkt
  • Foto: Keramikforum Steiermark
  • hochgeladen von Ulrike Walner

Naturverbundene Arbeiten sind ein Schwerpunkt der jungen Keramikkünstlerin Anna Cebular, die im Vorstand des Keramikforums Steiermark ist und in jenem Team mitarbeitet, das den Töpfermarkt in Graz (16.-18.8.) organisiert.

Schon früh fand sie den Weg zur Keramik, als sie mit 13 Jahren ein Praktikum bei Elke Huala machen durfte und einen großen Fisch und eine Muschel formte. Dabei entdeckte sie ihre Liebe zur Keramikkunst und erkannte, dass das Plastische ihr besonders liegt.
Wie zuvor schon ihre Eltern besuchte sie die Ortweinschule in Graz und schloss dort auch die Meisterklasse ab.
Dann arbeitete sie allerdings einige Jahre in der Schlosserei ihres Vaters, wo sie ihr räumliches Vorstellungsvermögen schulte und sich das technische Know-how erwarb, um große Objekte herstellen zu können.
Mathematik und Kunst zu verbinden, das sei ein schwieriger Weg, meint Anna Cebular. Sie hat sich auf diesen Weg gemacht und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Mit viel Fantasie denkt sie schon weiter in die Zukunft, denn Bionik, wo Naturphänomene als Vorbild für technische Errungenschaften dienen (wie einst schon bei Leonardo da Vinci), könne ja vielleicht auch eines Tages Möglichkeiten für KünstlerInnen bieten…

Nun aber geht sie neue Wege, die sie nach London führen, wo sie ab September ein Masterstudium an der University of Arts absolvieren wird. In ihrer Masterarbeit wird sie dort ihre keramische Ausbildung mit Metallarbeiten verbinden, um größere Objekte zu erschaffen.
Blütenformen, Strukturen und Muscheln haben sie schon immer fasziniert und ihre Liebe zur Natur und ihren Formen wird sie ihr ganzes Leben lang beibehalten. Viele Stadtmenschen nehmen die Natur mit ihren vielfältigen Formen und in ihrer Schönheit oft gar nicht mehr wahr. Das Empfinden für die Natur verschwindet. So entstand ihre Idee, Natur in Keramik zu veredeln und aus ihrer Vergänglichkeit in etwas Bleibendes zu überführen.
„Oft setze ich mich in eine Wiese und beobachte die Natur“, erzählt Anna Cebular. KünstlerInnen lernen in ihrer Ausbildung zuerst, Natur perfekt nachzuahmen und zu erfassen, erst dann können sie zur Abstraktion weiterschreiten und wahre Kunst schaffen.
Mit Gips oder Silikon nimmt die Keramikerin die Formen der Natur ab und kreiert keramische Naturobjekte. So lässt sie u. a. Schmuck aus Romanesco entstehen. Was im Alltag wenig beachtet auf dem Teller landet und als Essen vergänglich ist, wird bei ihr zu Schönheit veredelt und bewahrt. Vielen Menschen wird erst durch ihre Schmuckstücke bewusst, wieviel Schönheit uns in der Natur umgibt. So gewinnt die so oft unbeachtete Natur an Wertigkeit und wird zu etwas, das bleibt.
„Gemüse wird elegant“, schmunzelt Anna Cebular.
Die natürliche Oberfläche der Naturobjekte erreicht sie, indem sie mit Oxiden arbeitet, die in die Rillen der keramischen Werkstücke eindringt und so für eine bessere Tiefenwirkung sorgt.
Sie findet es spannend, dass man Keramik mit Gold überziehen kann. So sind ihre Schmuckstücke, deren Verschlüsse aus reinem Silber gefertigt sind, auch sehr hautfreundlich. Wer sich eines dieser unvergleichlichen Schmuckstücke sichern möchte, sollte übrigens unbedingt an diesem Wochenende den Töpfermarkt besuchen, denn es die letzte Gelegenheit, das noch vor Anna Cebulars Abreise nach London zu tun.

Eine Herausforderung stellt für die Künstlerin die Abformung von Seeigeln dar, die zu ihrem Markenzeichen geworden sind. Die hohle Form erfordert großes Geschick und Können. Jedes Jahr hat sie im Urlaub die Panzer am Meer gesammelt, wo auch heute noch viele ihrer Ideen entstehen.
Sie erfindet Formen nicht, sie FINDET sie und verwandelt sie in Kunst. Keramik ist gebrannte Erde und so wird Natur durch natürliches Material der Vergänglichkeit entrissen.
Die Form des Seeigels bleibt auch nach seinem Tod bestehen – eine Hülle, die von seinem Leben zeugt. Das inspirierte sie, sich in ihrer Diplomarbeit mit dem zu beschäftigen, was nach dem Tod eines Menschen bleibt. Sie wollte einen Weg finden, Menschen, die gegangen sind, eine Form zu geben, die überdauert - Erinnerung, verewigt in Keramik…
Für sie war es auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit. Sie liebt es, alte Dinge zu bewahren, die die Energie und Erinnerung an früher in sich tragen, stets in der Bewusstheit, dass Lebendiges vergeht, wenn sie als Künstlerin nicht einen Weg findet, es unvergänglich zu machen.

„Keramiker sind erdige und ehrliche Menschen, mit denen gute Gespräche möglich sind“, sagt Anna Cebular am Schluss unseres Gesprächs. Die tiefgründige junge Künstlerin ist in ihrer Vielseitigkeit der beste Beweis dafür.

Töpfermarkt Graz 2019 - Homepage
Anna Cebular - Homepage

Autor:

Ulrike Walner aus Graz

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