Seit bald fünfzig Jahren auf der Bühne
Gespräch mit der Schauspielerin Gabriele Köhlmeier

Gabriele Köhlmeier beim Gespräch mit unserer Lesereporterin Claudia Wagner.
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Seit bald fünfzig Jahren steht die in Sankt Marein bei Graz lebende Schauspielerin Gabriele Köhlmeier nun schon auf der Bühne. Unsere Reporterin Claudia Wagner hat sie in ihrem Domizil in der Elxenbacher Kunstmühle besucht und das folgende Gespräch geführt:

Seit bald 50 Jahren stehst du faktisch ununterbrochen auf der Bühne. Wie kam es denn eigentlich dazu? Wie kamst du überhaupt zum Theater?

Schon meine Eltern haben Theater gespielt, bei Filmen mitgewirkt. Meine Oma schleppte mich, wann immer es ging, mit in die Oper. Und im Gymnasium hat mir das Spiel mit verteilten Rollen jede Menge Spaß bereitet. Also war es nicht überraschend, dass ich nach der Matura an der Grazer Kunstuniversität "Schauspiel" zu studieren begann.

Aus deiner Studienzeit gibt es eine lustige Anekdote. Einer deiner Studienkollegen war ja der spätere Paradekieberer des heimischen Fernsehens, der Inspektor Trautmann, der Wolfgang Böck.

Was heißt "einer" der Studienkollegen! Der einzige. Wir waren zwei nur, die das Studium beenden durften. Als Abschlussarbeit spielten wir beide James Saunders "Nachbarn". Das Lustige ist, dass die Kritiken alle durchgängig von meinem großen Talent und meiner Begabung schwärmten, während sie Wolfgang Böck eine gewisse Verkrampfung und Verbesserungsfähigkeit attestierten. Das war 1975. Nun, den weiteren Verlauf der Geschichte kennen wir: Wolfgang Böck hat Karriere gemacht, ich bin heute noch eine kleine, kaum beachtete Schauspielerin.

1975 hast du das Studium mit ausgezeichnetem Erfolg beendet, hast dann als freie Schauspielerin bei ein paar Produktionen mitgewirkt, ehe du dann 1977 gemeinsam mit deinem späteren Ehemann Otto Köhlmeier das Ensemble "theaterarbeiterkollektiv" gegründet hast, eine der ersten freien Theatergruppen in Österreich.

Ja, das war so eine Spätfolge der 68er-Jahre. Viele von uns wollten nicht ans bürgerliche Theater, wollten neue Wege gehen, anderes Theater machen, politisches Theater machen. Beinahe zehn Jahre haben wir durchgehalten. Wir lebten in einer Wohngemeinschaft, arbeiteten ohne hierarchische Strukturen, schrieben und erarbeiteten unsere Stücke gemeinsam und waren im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Es war eine unglaublich tolle Zeit, die ich nicht missen möchte, auch wenn wir manchmal nicht wussten, wo wir das Essen hernehmen sollten.

1986 war's dann vorläufig vorbei mit dem freien Theaterspiel und der Herumzieherei. Du wurdest Mutter und ihr habt euch in der Südoststeiermark in einer alten Mühle in Sankt Marein am Pickelbach niedergelassen. Warum gerade hier?

Mein Mann ist Vorarlberger. Und negativ geprägt von der "schaffa, schaffa, Hüsle baua"-Mentalität. Er war von der sanften Gegend und der Gemütlichkeit der Menschen hier von Anfang an begeistert. Und unsere Kunstmühle als Wohn-, Arbeits- und Produktionsstätte, direkt am Bach gelegen, umgeben von Wald, Acker und Wiese, ist eine wahre Kreativquelle. In den 33 Jahren unsere Hierseins haben wir es nie bereut, hierher gezogen zu sein.

Mit Kind und Haus hat sich dein Leben dann aber recht radikal verändert?

Das kann man wohl sagen. Arbeiteten wir früher zumeist bis spät in die Nacht hinein und saßen dann bei Diskussionen nicht selten bis in die frühen Morgenstunden beisammen, ehe wir uns bis elf, zwölf am Vormittag aufs Ohr hauten, so lief das jetzt völlig anders. Trotzdem habe ich mich, trotz Kind und Haus, darum bemüht, am Ball zu bleiben, Sprache, Stimme, Atem, Körper zu schulen, zu trainieren. Ich wurde als Rundfunksprecherin tätig, führte Lesungen durch, begleitete als Schauspielerin Ausstellungen, wirkte bei diversen Kunstevents mit. Und Mitte der 90er-Jahre war ich schon wieder mitten drin im Geschehen. Mit fünf Musikerinnen zusammen gründete ich das Ensemble "cosi fan donne", mit dem wir musikalisch-literarisch-theatralischen Programme und Produktionen schufen. Ich inszenierte und spielte "Medea", die Geschichte einer verzweifelten Mutter ebenso wie "sissi infernal", eine von mir verfasste Szenenfolge über das Leben und Sterben der Romy Schneider.

Irgendwann bist du, an sich ja eine klassische Tragödin, dann aber zur Komödiantin geworden.

Fast zwangsläufig. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass ernste Themen, dass schwere Kost sich auf der Bühne schwer nur verkaufen lässt. Die Menschen wollen sich unterhalten, wollen Spaß haben. Also habe ich mich bemüht, meine Inhalte in neue Formen zu bringen. Und wurde zur Komödiantin, zur Kabarettistin.

In der Zwischenzeit hast du sieben Kabarettproduktionen erarbeitet, die alle quer durchs Land, vom Boden- bis zum Neusiedlersee, von der Wachau bis ins Gailtal, mit großem Erfolg gespielt wurden. Zentrales Thema dabei immer wieder das Frau-sein. Wieso?

Weil es sie leider immer noch gibt, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, die Vorherrschaft eines männlich-maskulinen Denkens. Dabei tät gerade unserer immer brutaler werdenden Welt eine ordentliche Portion weiblichen Denkens ganz gut.

Dein letztes Programm nennt sich "Datum abgelaufen, Ware in Ordnung". Darin lässt du deine 64 Lebensjahre als Frau Revue passieren. Und endest mit einer klaren Botschaft an die Frauen dieser Welt.

Ja, das Programm endet mit einem Spruch aus der Werbung. Einem an sich sehr männlich-maskulinen Sager, den ich aber jeder Frau nur empfehlen kann, für sich anzuwenden: mach es fertig, bevor es dich fertig macht!

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