Seit Jahrzehnten im Konzert der Großen: Graz persönlich mit Vojo Radkovic

Konzert-Veranstalter aus Leidenschaft: Vojo Radkovic blickt mit einem Lächeln auf die vergangenen 40 Jahre zurück.
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  • Foto: Erwin Scheriau
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Mit Johnny Cash auf einen Kaffee gehen? Mit Neil Young gemütlich zu Abend essen? Mit Joe Cocker Smalltalk führen? Von derartigen Begegnungen hätten in den vergangenen Jahrzehnten wohl Tausende Musik-Fans geträumt, für Vojo Radkovic sind sie von der Ausnahme zur Regel geworden. Kaum ein Musik-Star, den der gebürtige Grazer nicht für einen Auftritt in seine Heimatstadt lotsen konnte, kaum ein Musiker, der einen Bogen um die Murmetropole gemacht hat. Es sind die unzähligen schönen Erinnerungen, die den 70-Jährigen auch heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

In Wien spielt die Musik

"Zwischen 1970 und 2013 habe ich mehr als 5.000 Konzerte veranstaltet. Da war vom jungen, unbekannten Musiker bis zum Superstar alles dabei."
Bevor Radkovic Anfang der 70er-Jahre erstmals als Organisator in Erscheinung getreten ist, sei in Graz aus musikalischer Sicht nicht viel los gewesen. "Eigentlich war tote Hose, Bands machten um Graz einen großen Bogen."
Genau diesen Umstand wollte er ändern. "Ich war damals Reporter bei der ,Neuen Zeit‘, musste für Konzertberichte immer nach Wien fahren und noch am selben Abend zurück nach Graz. Irgendwann hat mich das einfach geärgert, so bin ich auf die Idee gekommen, dass es doch möglich sein müsste, ein Musik-Event in meiner Heimatstadt zu veranstalten."

Graz erwacht zum Leben

Gesagt, getan: Mit dem Auftritt der Rockband Emerson, Lake & Palmer läutete Radkovic vor über 40 Jahren eine neue Ära ein.
"Das war das erste internationale Konzert in Graz, über 8.000 Besucher waren in der Liebenauer Eishalle aus dem Häuschen", denkt der leidenschaftliche Journalist mit Wohlwollen an den Startpunkt seiner Veranstalter-Karriere zurück. Mehr als 40 Jahre war in weiterer Folge das Who is Who der Musik-Szene, von Tina Turner bis zu Deep Purple und Chuck Berry, zu Gast in Graz, sie alle heizten dem immer zahlreich erschienenen Publikum ein.

Stars zum Anfassen

Vergleichen könne man die einzelnen Epochen und Jahrzehnte aber nicht. "Früher ist alles viel lockerer abgelaufen, da warst du ganz nahe an den Stars dran, viele habe ich selbst vom Flughafen abgeholt. Heute läuft alles über das Management, oft bekommen Veranstalter den Musiker gar nicht mehr zu Gesicht." Noch drastischer offenbart sich die Veränderung zum goldenen Rock-Zeitalter, wenn man einen Blick auf die Kosten für Musik-Events wirft. "Seit der Euro-Umstellung ist es für Organisatoren schwierig geworden. Hat eine Band früher 30.000 Schilling verlangt, waren es mit einem Schlag plötzlich 30.000 Euro."

Der junge "Wolferl"

Ein Mitgrund, warum viele Veranstalter in den letzten Jahren klein beigeben mussten. "Kein Wunder, du musst horrende Summen im Voraus zahlen, sonst kommt die gewünschte Band nicht. Geld regiert das Musik-Business."
Schlaflose Nächte gab’s auch bei Radkovic einige, bereut hat er aber nichts. "Viele unbekannte Musiker bekamen bei mir eine Bühne, so ein Risiko geht heute ja keiner mehr ein." Anno dazumal war etwa ein junger Bursche namens Wolfgang Ambros in der Murmetropole zu Gast: "Der ,Wolferl‘ hat in einem Lokal in der Keesgasse um 1.500 Schilling gespielt, einfach undenkbar heute." Einen Schlussstrich unter die "Vojo-Konzerte" zog der ehemalige DJ im Jahr 2013, ganz ohne Event-Organisation geht’s aber auch heute nicht. Mit "Let’s spend the Night together" ist Radkovic seit 30 Jahren im Charity-Bereich aktiv. Nach einer Unterbrechung gelang im Vorjahr ein viel umjubeltes Comeback.
Im Rahmen der diesjährigen Auflage am 15. Dezember treten im Orpheum unter anderem Pizzera & Jaus sowie Markus Schirmer und Schiffkowitz auf.
"Die Spenden gehen an die Kinderkrebshilfe, es soll für alle Besucher eine große Party sein." Das Organisieren macht ihm auch nach über vier Jahrzehnten noch so viel Spaß wie am ersten Tag ...

Steckbrief

Geboren am 1. Oktober 1947.
Hat kurze Zeit in einer Band gespielt, war auch als DJ unterwegs.
Arbeitete ab 1970 als Redakteur für die "Neue Zeit" und war in der Weltgeschichte, vom Iran bis England, unterwegs.
Im Jahr 2001 wechselte er zum "Grazer".

WOCHE-Wordrap

In Graz ... habe ich in jeder Spielstätte Konzerte veranstaltet.
Der beste heimische Popstar ... war definitiv Falco.
Ich höre ... fast jede Musik, prägend waren die Beatles.

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