Die weibliche Seite der Keramik
Selma Etareri – Mythos Frau

Selma Etareri mit einer Frauenplastik
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  • Selma Etareri mit einer Frauenplastik
  • Foto: Selma Etareri
  • hochgeladen von Ulrike Walner

Die Archetypen der Mythologie beschreiben Gefühle und Zustände, die über die Zeiten hinweg gültig bleiben. In diesen Frauengestalten der alten Mythen findet Selma Etareri Anregungen für einige ihrer Arbeiten: Plastiken und große Gefäße in Körperform.
„Ich liebe diese alten Geschichten!“, sagt Selma Etareri. In ihnen kann man viel über den Lauf der Welt erfahren, über Patriarchat und Matriarchat und wie das Frausein war und ist.
Aber ihre Arbeiten spüren nicht nur in das Bleibende und Veränderliche im Lauf der Zeiten hinein, sondern geben auch Antwort. Die Keramikerin schöpft aus der Mythologie und der eigenen Erfahrungswelt und so entstehen Figuren, in denen man die Stärke der Frauen erkennen kann.
Selma Etareri zitiert Luisa Francia, die sagte, die größte ruhende Kraft sei die Kraft der Frau. Sie gilt es wieder zu aktivieren.
In Büchern findet die Keramikerin Inspiration für die Bilderwelten, aus denen ihre Kunstwerke entstehen. Es sind nicht nur die alten Mythen, sie liebt genauso moderne Geschichten, die ihre Fantasie anregen. Beim Lesen entstehen die Gedanken, die zu neuen Werken führen.
Sie malt und modelliert auch gerne Männerakte, aber es sind doch die Frauen, die im Vordergrund stehen.
Die von ihr kreierten Gefäße spiegeln den weiblichen Körper wider.
Dass der Humor bei ihr nie zu kurz kommt und auch in ihrer Arbeit eine wichtige Rolle spielt, wird klar, als sie mir auf die Frage, wie sie denn zur Keramik gekommen sei, lachend antwortet: „Ich habe schon immer gerne mit Gatsch gespielt und dann haben sie mich in die Keramikschule geschickt, als ich auch beim Älterwerden nicht damit aufhören konnte!“
Aber natürlich wird nicht aus jedem Kind, das gerne mit feuchter Erde spielt, eine begnadete Keramikkünstlerin.
Selma Etareri wurde in einem Kunstbetrieb groß (ihr Vater war Bildhauer) und so lernte sie früh, dass aus scheinbar toter Materie lebendige Kunst entstehen kann.
In der Keramikschule in Stoob lernte sie die grundlegenden Fertigkeiten, die sie dafür braucht. Dann besuchte sie ein Jahr lang die Meisterklasse der Ortweinschule, bevor sich Nachwuchs einstellte. Mit 21 Jahren machte sie sich selbständig und als alleinerziehende Mutter von vier Kindern lernte sie im Lauf ihres Lebens, dass man Humor auch sehr oft in schwierigen Lebenssituationen braucht.
Heute hat sie ihre künstlerische Heimat im Künstlerviertel in der Mariahilferstraße 11 in Graz gefunden, wo sie ein eigenes Geschäft hat und auch ihre Werkstatt. Nur die Porzellangießerei und so ein oder zwei oder ein paar Keramiken mehr hat sie in ihrem Privathaus…
Schon 2005 hat ihr Kunst- und Keramikstudio DA LOAM eröffnet. Damals war das Kunsthaus noch ganz neu und sie gehörte zu den ersten Künstlern, die sich dort ansiedelten. Ein Literaturcafé gab es damals und nach und nach siedelten sich in den Hinterhöfen KünstlerInnen an, die sich dem Design verschrieben hatten. Durch den Lendwirbel wurde viel Leben in das Viertel gebracht und heute fühlt sich Selma Etareri dort sehr wohl.
Neben den Plastiken und großen Gefäßen macht sie auch Geschirr. Man beginne mit einem Häferl, zu dem man unbedingt ein anderes Häferl brauche und dann ergibt eines das andere – „Eine Sucht!“, meint die Keramikerin. Natürlich gibt es Geschirrserien, aber sie gestaltet auch wunderschöne Sammlerstücke mit Skizzen von Frauen, von Liebenden, Gefühlen und sogar Streitgeschichten… Die Gestalten sind der Mythologie und dem wirklichen Leben abgeschaut. Diese Motivbecher und –vasen sind absolute Unikate und ein Geheimtipp unter ihren KundInnen.

Sie erweitert ihre Keramiken gerne durch andere Materialien wie Gold, das auch sehr gut mit dem durchscheinenden und edlen Porzellan harmoniert, dem sich Selma Etareri seit etwa acht Jahren verstärkt widmet. Sie begann, Gussformen zu bauen und abzugießen. Die Themen blieben gleich, aber ihr Stil veränderte sich. Panta rhei – auch ihr Werk ist im Fluss wie der Lauf der Welt seit den Zeiten der alten Mythen.
Wer mag, kann sich selbst davon am Töpfermarkt in Graz überzeugen oder auch in ihrem schönen Geschäft in der Grazer Mariahilferstraße. Und wer es ganz genau wissen will, kann einen ihrer Töpferkurse besuchen, die sie auch gerne für Kinder anbietet. Denn aus so manchem Kind, das gerne „im Gatsch spielt“, wird vielleicht doch eines Tages eine Keramikkünstlerin und ein Herzensmensch wie Selma Etareri.

Homepage: www.selma-keramik.at
Kunst- und Keramikstudio: DA LOAM, Mariahilferstr. 11, 8020 Graz

Autor:

Ulrike Walner aus Graz

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