Start-Up-Zeitung 2021
Wie zwei Architektinnen Graz künstlerisch zu Papier bringen

Allerhand Graz-Motive im Gepäck: Laura Feller hat ihr Skizzenbuch immer dabei.
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  • Allerhand Graz-Motive im Gepäck: Laura Feller hat ihr Skizzenbuch immer dabei.
  • Foto: Nera Dzanic
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Ein Text vom Start-Up Mei Graz

Zwei junge Künstlerinnen haben sich etwas ganz besonderes zur Aufgabe gemacht: Graz in ihren Werken auf Papier zu bringen. Die beiden Architektinnen Laura Feller und Stefanie Insupp im Interview.

Laura Feller hat vor kurzem ihr Architektur Studium abgeschlossen und arbeitet als selbstständige Illustratorin.


Mei Graz: Hi Laura! Wie bist du zur Kunst gekommen und was machst du im Speziellen?
Laura Feller: Ich war immer schon recht kreativ unterwegs. Ich wollte mich jetzt einfach nach dem Studium voll reinstürzen, das Maximum rausholen und mein eigenes Ding machen und dabei hab’ ich eigentlich drei große Schwerpunkte: Illustrationen, Wandgemälde und originale Zeichnungen und Bilder - unter anderem auch Auftragswerke. 
Speziell für die heutige Zeit ist, dass am liebsten mit der Hand zeichne. Digital kann auch viel, aber den spezielle Touch macht für mich einfach meine Liebe zum Papier, zum Handwerk. Das Gleiche gilt auch für die Wandmalerei - eine große Wand ist tatsächlich eine riesige Aufgabe. Das ist vielleicht auch noch der Bezug zur Architektur: Mit Räumen und Kunst zu arbeiten.
Zur Kunst bin ich eigentlich auf Reisen gekommen: Mitten im Studium hat’s mich plötzlich total gepackt und ich habe begonnen, auf Reisen immer mein Skizzenbuch mitzunehmen und einfach Momente, Orte und Stimmungen festzuhalten. Später habe ich entdeckt, dass das in der eigenen Stadt genauso spannend ist. 
Da muss man sich halt echt die Zeit nehmen, dass man sich für mehrere Stunden ein Platzerl sucht und dann die eigene Stadt nochmal neu entdeckt. Wenn du ein bis zwei Stunden in eine bestimmte Ecke oder eine bestimmte Straße entlang schaust, siehst du einfach ganz andere Details, die dir normalerweise nie auffallen würden.

Sucht sich gerne ein "Platzerl" in Graz und entdeckt durch ihre Kunst die eigene Stadt nochmal neu: Architektur-Absolventin Laura Feller.
  • Sucht sich gerne ein "Platzerl" in Graz und entdeckt durch ihre Kunst die eigene Stadt nochmal neu: Architektur-Absolventin Laura Feller.
  • Foto: Andrea Kurtz
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MG: Nachdem du mit dem Studium fertig bist: Willst du die Kunst längerfristig hauptberuflich betreiben, oder lockt dich die Architektur mehr?
LF: Also ich möchte es auf jeden Fall hauptberuflich schaffen. Momentan bin ich noch in der Aufbauphase, aber es läuft bisher gut.

MG: Willst du in deiner Arbeit einen Fokus auf Graz allein legen oder auf alles, was dir unterkommt?
LF: Auf jeden Fall möchte ich einen Graz-Bezug behalten, weil man die Heimat nun mal im Herzen hat. Etwas, was ich mir aus anderen Ländern mitgenommen habe ist, dass es da viel öfter künstlerisch gestaltete Wände gibt und dass das vielerorts in Lokalen, Geschäften oder Büros schon gang und gäbe ist. 
Das is etwas, was ich in Graz wirklich gerne angehen würde, weil es echt eine coole Art und Weise ist, ein Logo oder eine Marke zu promoten, aber auch um die Stadt quasi reinzuholen, wenn man beispielsweise mit Architekturmotiven arbeitet. 
Dieses innen und außen, diese Beziehungen untereinander kommen eben auch aus der Architektur, dass man da eine gewisse Dynamik hineinbringt und eine Verbindung herstellt.

MG: Gibt es so ein paar Sachen, wo du sagst die willst du unbedingt zeichnen, oder wartest du bis dich der Funke der Inspiration trifft und du dir in dem Moment einfach denkst: Das ist es?
LF: Ich werde da sehr oft von einer Herausforderung oder von etwas Neuem, das ein Kunde heranträgt, inspiriert. Ich hab’ jetzt auch mit Häng Luis (eine österreichische Firma , Anm. der Red.) gearbeitet und ein paar handgemachte Skateboards für sie gestaltet. Das war zum Beispiel das erste Mal, dass ich so auf Holz gearbeitet hab - das bringt dann sofort wieder neue Inspirationen und andere Sichtweisen. Ähnlich ist es, wenn man ein Lokal oder einen Shop gestaltet - da hängt so viel von den Gegebenheiten vor Ort, zum Beispiel den Wänden, ab und das gefällt mir und fordert mich heraus. 
Vor drei Jahren hat es zum Beispiel mit dem tag.werk eine Kooperation gegeben. Das war eine limited edition Taschenserie, wo zehn Motive von mir in deren Werkstatt kunstvoll mit Nadel und Faden umgesetzt wurden. Passend zu der Serie hab’ ich dann auch eine Wand im Shop gestaltet.
Im Moment arbeite ich gerade an einem T-Shirt für „Mei Graz“, auch das ist eine neue Challenge für mich.
 Einen Traum gibt es allerdings schon lange: Ich würde wahnsinnig gerne Kinderbücher illustrieren!

MG: Wo kann man deine Kunst denn momentan sehen?
LF: Noch bis 16. Oktober bin ich Teil der „We love Illustration“ Ausstellung des Designforum Steiermark am Andreas-Hofer-Platz und im Shop des „Apfelbutzn“ in der Sporgasse kann man den ganzen Herbst ein Schaufensterbild von mir bewundern. 
Ansonsten natürlich auch jederzeit auf meiner Website www.laurafeller.com!

MG: Möchtest du den Grazerinnen und Grazern abschließend noch etwas mitgeben?
LF: Vielleicht die Aufforderung, dass man sich ruhig mal ein bisschen mehr Zeit im Alltag nimmt. 
Das man sich einfach mal in eine Ecke hinsetzt und die Umgebung bewusst aufschnappt. Und auch wenn es zum Glück schon im Kommen ist: Das man sich mehr auf lokale Künstler besinnt, wenn es um Aufträge wie Kunstgeschenke, Firmen-Branding oder ähnliches geht.

Stefanie Insupp hat den Uhrturm "gefühlt hundert mal gezeichnet".
  • Stefanie Insupp hat den Uhrturm "gefühlt hundert mal gezeichnet".
  • Foto: KK
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Stefanie Insupp

Stefanie Insupp ist gebürtige Südsteirerin, seit 2016 Wahlgrazerin und schreibt momentan an der Masterarbeit ihres Architekturstudiums an der TU Graz. Auf ihrer Instagram-Seite „hingrazelt“ veröffentlicht sie viele Zeichnungen von Sehenswürdigkeiten und Impressionen aus Graz.

Mei Graz: Hi Stefanie! Was gefällt dir so an Graz, dass du auf die Idee gekommen bist, die Stadt mit deinem ganz eigenen Stil auf Papier zu bringen?
Stefanie Insupp: Es gibt vieles, was an Graz schön ist. Es ist einerseits eine kleine Stadt und man kommt überall schnell hin, andererseits aber so vielfältig und es gibt auch alles. Mir fällt nichts ein, wo ich sagen würde, das geht Graz ab. Die vielen verschiedenen Viertel und Eindrücke, die Mischung aus Modernität und Altstadt, die Jugendlichkeit durch die Studierenden… Graz ist einfach ein Traum!

MG: Gab’s für dich einen springenden Punkt, wo du dir gedacht hast: Okay, jetzt starte ich mit Graz Zeichnungen?
SI: Naja, ich hab’ – als ich klein war – sehr viel und gerne gezeichnet, vor allem auch, weil mein Vater Künstler ist. Wir haben oft gemeinsam Zeichenarbeiten und andere Projekte gemacht.
 Das ist mir dann später irgendwie abgegangen – weil man in der Schule oft fix vorgegebene Sachen zeichnen muss, auf die man vielleicht gar keine Lust hat.
Nach der Schule wollte ich einfach wieder anfangen, weil ich das Zeichnen vermisst habe.
Ich bin so jemand, der immer eine Challenge braucht, also hab ich mir gesagt ab jetzt zeichne ich jeden Tag etwas.
Beim spazieren durch Graz hab’ ich mir dann immer öfter gedacht „ja, das zeichne ich heute!“ und dann hab ich das ganze auf Graz eingegrenzt.
Später hab’ ich dann beschlossen, nicht nur für mich zu zeichnen, sondern die Bilder auch in die Welt hinauszutragen und da war Instagram eine gute Option. Einmal in der Herrengasse hab ich mir dann gedacht Hingrazelt wär a witziger Name, das hab ich dann beibehalten. 
Auch die Interaktion mit den Leuten die sich dort meine Bilder ansehen gefällt mir richtig gut. Den Höhepunkt hat das ganze mit meinem Online-Adventskalender letztes Jahr erreicht - Leute haben mir geschrieben, sie warten schon, dass morgen das neue Türchen aufgeht. Das war für mich total schön und hat mich dann sehr motiviert, da weiterzumachen.

MG: Wie lang sitzt du im Durchschnitt an einem Motiv?
SI: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Sachen, die dauern nur eine halbe Stunde und dann gibts kompliziertere, beispielsweise geschnörkelte Sachen, wie das Rathaus - da kann’s dann auch schon mal drei bis vier Stunden dauern. Viele meiner Bilder sind auch nicht so groß, ich hab mich meistens auf A4 Größe beschränkt, was Zeit spart. Also im Schnitt würde ich sagen zwei Stunden, plus minus.

Das Grazer Rathaus: Mit all seinen Details für Stefanie Insupp das reizvollste Motiv in Graz.
  • Das Grazer Rathaus: Mit all seinen Details für Stefanie Insupp das reizvollste Motiv in Graz.
  • Foto: HingeGRAZelt
  • hochgeladen von Lisa Ganglbaur

MG: Gibt es etwas, das du 100 mal zeichnen könntest und es würde dir nicht langweilig werden?
SI: Das ist auf jeden Fall leider nicht der Uhrturm. Den hab ich schon gefühlt 100 mal gezeichnet und es wird langsam langweilig.
 Ich würde fast sagen: das Rathaus. Ich hab schon das ganze Rathaus gezeichnet, dann nur ein Stück davon, die Hauptfassade - das ist eigentlich immer cool, weil es ganz viele Details hat, die man wunderschön auf Papier bringen kann.

MG: Willst du nach dem Studium „hingrazelt“ oder deine Kunst allgemein hauptberuflich betreiben oder möchtest du doch etwas in Richtung Architektur machen?
SI: Nein, ich werde schon Architektin sein. Für mich ist und bleibt das einfach ein Hobby - ich glaube, ich hätte gar nicht so viel Freude daran, wenn das Zeichnen mein Hauptberuf ist und ich Stress hätte, damit Geld zu verdienen. Aber ich kann mir schon vorstellen, beispielsweise zu 70 Prozent Architektin und 30 Prozent Künstlerin zu sein.

MG: Wo gibt es denn derzeit Sachen von dir zu bewundern?
SI: Im „Mei Graz“ Shop in der Franziskanergasse gibt es zwei T-Shirts, die ich gestaltet habe und in der Traummanufaktur im Herz-Jesu-Viertel sind Stempel, Postkarten und auch ein paar gezeichnete Bilder von mir erhältlich.
Dann gibt es noch blühende Postkarten von Seedpap - die sind auch richtig cool. Einfach die Postkarte mit dem Blumen-Uhrturm in die Erde stecken und dann wächst ein Blumenstrauß raus!
Man kann mich aber auch jederzeit anschreiben, ich verkaufe Bilder, die ich schon gezeichnet habe und mache auch Wunschmotive.

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