WOCHE Adventkalender
6. Dezember – Der heilige Nikolaus und sein Engerl

Am heutigen Nikolaus-Tag möchten wir eine ganz besondere Geschichte mit euch teilen.
  • Am heutigen Nikolaus-Tag möchten wir eine ganz besondere Geschichte mit euch teilen.
  • Foto: Sonja Hochfellner
  • hochgeladen von Katrin Rathmayr

Unsere Leserin Christa Huter hat eine ganz besondere Erinnerung an den Nikolaus-Tag mit uns geteilt. 

Man schrieb den 6. Dezember 1960. Ich stand im neunten Lebensjahr und besuchte die dritte Klasse Volksschule in einer kleinen Salzburger Gemeinde.
In meiner Heimat war es damals Brauch, dass der heilige Nikolaus nicht vom Krampus, sondern von einem Engerl begleitet wurde. Dazu wurde vom Herrn Direktor meiner Schule ein geeignetes Mädchen ausgewählt. Die Ansprüche waren hoch. Sie musste nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch ein sieben Strophen langes Gedicht fehlerfrei aufsagen können.
In diesem Jahr fiel die Wahl auf mich.

Der heilige Nikolaus besuchte nicht nur die Dorfkinder, sondern auch Bergbauernkinder die zu unserem weitläufigen Gemeindegebiet gehörten.
An diesem 6. Dezember bekam ich schulfrei und wurde mit einem wunderschönen Engelsgewand mit Flügel und einer gekrausten Engelshaarperücke ausgestattet. Darunter trug ich freilich warme Kleidung und Bergschuhe. Um die Mittagszeit begannen unsere Besuche.
Zuerst waren wir im Dorf unterwegs und besuchten ein Haus um das Andere. Ich musste den Stab des heiligen Nikolaus halten und mein Gedicht aufsagen. Obwohl ich selbst noch ein kleines Mädchen war, erkannte ich in den Kinderaugen, ob sie in mir ein Engerl aus dem Himmel sahen oder mich doch für Ihresgleichen hielten.Nachdem wir viele Häuser des Ortes besucht hatten, ging es zu den entlegenen Höfen am Berg.

Damals lag Anfang Dezember schon sehr viel Schnee und der Anstieg war teilweise steil und anstrengend. Manche Bergbauern hatten scharf abgerichtete Hunde und ich begann mich zu fürchten. Es dämmerte bereits und ich hielt mich immer fester an der Hand des heiligen Nikolaus an.
Von Hof zu Hof wuchs meine Müdigkeit und ich brachte die Gedichtstrophen durcheinander. Dann half mir der heilige Nikolaus wieder in die richtige Zeile meines Gedichtes.Aber irgendwann war ich so müde, dass ich während des Gedicht aufsagen einschlief. 

Ich erinnere mich noch, dass man mich auf eine Couch gebettet hat und Kinderaugen mich ungläubig angesehen haben.
Ich erwachte daheim in meinem Bett. Meine lieben Eltern mussten mich in der Finsternis zu Fuß von einem Bergbauern abholen, Auto hatten sie damals noch keines.

Trotzdem gehört der Tag mit dem heiligen Nikolaus und die vielen Besuche bei den Kindern zu meinen deutlichsten Kindheitserinnerungen.
Ein Nikolaus mit einem Engerl ist mir in den vergangenen achtundfünfzig Jahren nicht mehr begegnet.

Geschichte von Christa Huter.
Bild von Sonja Hochfellner. 

Weitere weihnachtliche Geschichten, einzigartige Gewinnspiele und fantastische Rezepte findet ihr in unserem Adventkalender.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen