Amazon-Pläne für Graz: Stadtpolitiker sind sich nicht einig

Amazon nimmt Kurs auf Graz: Das freut nicht jeden.
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Die Gerüchteküche brodelte schon länger, nun folgten erste Details: Ja, der Online-Riese Amazon will tatsächlich Kurs auf Graz nehmen und, wie mehrere Medien berichteten, ein Logistikzentrum im Süden der Landeshauptstadt errichten. Konkret soll das Projekt eine Halle samt vierstöckigem Parkhaus vorsehen und nahe des Südgürtels realisiert werden. Ein Genehmigungsverfahren läuft bereits seit Kurzem. 

Angst um lokale Händler

Über die Pläne des Internet-Giganten sind aber nicht alle erfreut. Deutlich gegen dieses Vorhaben spricht sich etwa der Grazer SP-Klubvorsitzende Michael Ehmann aus. "Aus unserer Sicht spricht nichts dafür, dass dieses Projekt seitens der Stadt forciert werden sollte, ganz im Gegenteil." Ein solches Projekt könne der heimischen Wirtschaft schaden. Es dürfen laut Ehmann keine Wettbewerbsnachteile für die lokalen Firmen entstehen. "Und auch an den Arbeitsbedingungen der Lagerarbeiter und Lagerarbeiterinnen wird regelmäßig massive Kritik geübt."

Ist ein Amazon-Verteilzentrum in Graz schädlich für die lokale Wirtschaft?

Keine Lust auf "Verkehrserreger"

Doch nicht nur der ohnehin von Corona geplagte stationäre Handel, sondern auch die Anrainer, könnten unter dem geplanten Verteilzentrum leiden. "Einerseits versuchen wir alles, um die Verkehrsbelastung innerhalb der Stadtgrenzen zu reduzieren – dass sich dann ausgerechnet ein ,Verkehrserreger‘ in unserer Stadt ansiedeln könnte, empfinde ich als bedenklich." Für Ehmann ist es somit "absolut denkunmöglich", dass die Stadt diese Ansiedelung in irgendeiner Form unterstütze. "Der heimische Handel sowie unsere Ein-Personen-Unternehmen und Klein- und Mittelbetriebe stehen nicht zuletzt wegen solcher Multis und Online-Giganten unter einem enormen Druck, kämpfen ums Überleben."
Schützenhilfe erhält Ehmann von Verkehrsstadträtin Elke Kahr, die im ORF-Interview angibt, die Ansiedelung verbieten zu wollen. "Aber es gibt keinen Hebel, wo man einfach sagen kann: Ja, der kann das wollen, aber es geht nicht." Die KPÖ-Politikerin sieht das Vorhaben auch deshalb kritisch, weil in Graz bald ein eigenes Logistik-System starten wird.

Angst vor Verkehrs-Wahnsinn

Die Grünen sorgen sich vor allem um eine Zunahme des Verkehrs. "Wir sehen den Betrieb eines Verteilzentrums an diesem Standort, bei dem im kürzester Zeit mehr als 900 Fahrzeuge täglich in das Straßennetz der Stadt Graz eingeschleust werden sollen, als praktisch undurchführbar an. Daher fordern wir von den städtischen Verkehrsabteilungen und der Abteilung für Stadtplanung, dass sie umgehend umfassende Gutachten mit realistischen Verkehrsrechnungen erstellen und diesem dem Land Steiermark sowie der Grazer Öffentlichkeit transparent zur Verfügung stellen,“ so der Klubobmann der Grazer Grünen Karl Dreisiebner. 

Schaffung von Arbeitsplätzen

Die FPÖ weist indes auf die Hilflosigkeit der Politik im Bezug auf die sich ändernden Rahmenbedingungen hin. Tenor: Wenn durch die von der Regierung verhängten Lockdowns der Handel monatelang zugesperrt werde, dürfe man sich nicht wundern, dass die Menschen zu den Online-Händlern abwandern. Das Kaufverhalten der Bevölkerung habe sich aber schon vor Corona verändert. Aus Sicht von Vizebürgermeister Mario Eustacchio ist es grundsätzlich erfreulich, wenn Arbeitsplätze in schwierigen Zeiten für Graz geschaffen werden. „Auch wenn es natürlich wünschenswerter wäre, würden diese durch heimische Betriebe mit gerechten Löhnen und fairen Steuerabgaben entstehen. Zu guter Letzt ist die Grazer Stadtpolitik dafür verantwortlich, dieses Verteilerzentrum so verträglich wie möglich, in die Stadt zu integrieren."


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