Straßennamen, Statuen und mehr
"Braune" Ehrungen ziehen sich durch Graz

Die Jakob-Lorber-Gasse im Grazer Bezirk Gries erinnert an einen steirischen Schriftsteller, dessen Werke laut verschiedener Quellen Leser zu Antisemitismus verleiten.
  • Die Jakob-Lorber-Gasse im Grazer Bezirk Gries erinnert an einen steirischen Schriftsteller, dessen Werke laut verschiedener Quellen Leser zu Antisemitismus verleiten.
  • Foto: Google Maps
  • hochgeladen von Anna-Maria Riemer

In Graz ehrt vieles verstorbene Nazis. Die WOCHE hat bei der Jüdischen Gemeinde nachgefragt, ob in der Murmetropole der Mut oder Wille zur Veränderung fehlt.

Weltweit fallen derzeit historisch belastete Statuen, auch in Graz gibt es einige Straßen, Plätze und Denkmäler, die im historischen Kontext kritisch sind. Die WOCHE hat sich deshalb mit Elie Rosen, Präsident der Jüdischen Gemeinde, darüber unterhalten, ob in Graz Aufholbedarf besteht: "Wir reden großartig über Nationalisten sowie über die Bekämpfung von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Wenn es aber darum geht, ganz simple Zeichen zu setzen, passiert dies nicht. Wie ehrlich kann diese Diskussion dann sein?", findet Rosen deutliche Worte: "In einer Zeit, in der Antisemitismus und Xenophobie Aufwind haben, dürfen solche Ehrungen – ein Straßenname wird ja in Anbetracht eines besonderen Verdientes verliehen – keinen Platz haben." Rund 81 Grazer Straßennamen wurden von einer Historikerkommission als historisch problematisch eingestuft. "Aus Sicht der Jüdischen Gemeinde gibt es weitere Straßennamen, die zu hinterfragen sind, beispielsweise die ,Jakob-Lorber-Gasse'. Lorber war ein Antisemit, wie man man ihn kaum wo findet."

Kein Argument dagegen 

Mittlerweile wurde beschlossen, dass Schilder nicht nur bei belasteten, sondern bei allen Straßen in Graz angebracht werden: "Das relativiert wieder und ist keine ehrliche Reflexion. Außerdem: Eine Umbenennung hätte eine ganz andere Wirkung", so der Präsident, bei dem auch viele Argumente gegen die Straßenumbenennung auf Unverständnis stoßen: "Ich lasse das Argument, dass Umbenennungen so kompliziert sind, nicht gelten. Man hat schon so viel umbenannt und auch lässt man sich kein Briefpapier mehr drucken und vieles läuft in unserem Zeitalter via E-Mail. Es kann kein Argument gegen die Umbenennung geben."

Großes Unverständnis wird seitens der Jüdischen Gemeinde kundgetan, dass es so viele Jahre nach Kriegsende nicht möglich ist, klare Zeichen zu setzen: "Niemand würde auf die Idee kommen, bei einem Adolf-Hitler-Platz nur ein Schild darunterzuhängen, vor allem stellt sich auch die Frage, was man in drei Zeilen über die Person schreiben kann", so Rosen, der vor allem auch kritisiert: "Manche Straßen weisen nicht einmal Lokalkolorit auf. Ottokar Kernstock hatte nicht einmal Graz-Bezug. Um diesen aufrechtzuerhalten, genügen auch keine positive Seiten."

Alle Parteien sind gefragt

"Es ist nicht fehlender Mut der Verantwortlichen und es liegt auch nicht allein an der Konstellation der Stadtregierung. Das Problem ist, dass dieses Thema quer durch alle Parteien kein Thema ist", wird Rosen wieder deutlich: "Auch andere Rathausparteien habe ich in den letzten Jahren nicht laut rufen gehört. Wir würden uns natürlich Proaktivität wünschen, aber dort, wo Emotionen vorhanden sind, und in einer Zeit, in der Nationalismus und Antisemitismus im Aufwind sind, ist es ein stark politisches Thema und es bräuchte wirklich den Willen", so Rosen, der in diesem Zusammenhang auch darauf aufmerksam macht, dass es in puncto Antisemitismus mittlerweile Sympathisanten in allen politischen Lagern – von rechts nach links – gibt. "Alle sind natürlich gegen Antisemitismus, aber kaum einer setzt Taten, wenn es notwendig ist, gegen Antisemitismus Stellung zu beziehen", sagt der Präsident abschließend.

Autor:

Anna-Maria Riemer aus Graz

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