Zuversicht und Glaube
"Das Beste an der Osterjause ist der Kren" – Bischof Krautwaschl freut sich aufs Osterfest

Vertrauen auf das Helle im Dunklen: Bischof Wilhelm Krautwaschl im Oster-Interview mit der WOCHE.
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  • Vertrauen auf das Helle im Dunklen: Bischof Wilhelm Krautwaschl im Oster-Interview mit der WOCHE.
  • Foto: Konstantinov
  • hochgeladen von Roland Reischl

Vor rund einem Jahr feierten wir das Osterfest im Lockdown, rund ein Jahr später befinden wir uns immer noch in der Pandemie, das berühmte Licht am Ende des Tunnels ist für viele immer noch nicht sichtbar, immer mehr Menschen verzweifeln, verlieren die Hoffnung. Eine Situation, die nicht einfach ist – die WOCHE hat beim steirischen Oberhirten, Bischof Wilhelm Krautwaschl nachgefragt, wie die Kirche mit der Situation umgeht, was man den Steirern an Trost mitgeben kann – und worauf er sich zu Ostern freut.

Ein Jahr Pandemie und keine Besserung in Sicht, oder?
Der Eindruck mag da sein. Andererseits muss man sagen: Es sind schon weit über 100.000 Menschen geimpft in der Steiermark, in den Altersheimen beruhigt sich die Lage – so gesehen bewegt sich schon etwas. Die Frage ist halt: Können wir mit den eng gesetzten Grenzen umgehen, das ist "zach", wie man so schön auf steirisch sagt.

Wie interpretieren Sie das Osterfest in diesem Zusammenhang?
Ich denke mir, gerade wenn wir auf Ostern zugehen, sehe ich eine Perspektive. Ostern heißt, dass nach dem Scheitern ein Leben steht. Das ist eine Wirklichkeit, die mir auch im Jetzt und Heute und auch nach einem Jahr Pandemie immer noch Kraft gibt.

Und wenn sich Menschen dennoch verlassen fühlen?
Das ist nachvollziehbar, das ist auf meinem Radar. Es gibt viele, die einsam sind, ältere Menschen, die niemanden haben, viele kennen sich ob der vielen Regeln auch nicht mehr aus. Vielleicht bringt uns ja gerade das Abstand halten Müssen eine neue Qualität im Miteinander, das Austarieren, wie man aufeinander zugeht. Man fällt nicht mehr jedem um den Hals – aber man sagt bewusst: Ich bleibe ein wenig auf Abstand, um dich wertzuschätzen, ich nehme deine Freiheit ernst.

Wo endet die Freiheit des Einzelnen?
Das ist etwas, wo ich mir schon Sorgen um unsere Gesellschaft mache. Wenn jemand in der Krise steht, wenn Not ist, dann ist nachvollziehbar, dass das eigene Hemd näher als der Rock ist. Dennoch waren wir im Vergleich zu anderen selbst im Lockdown privilegiert. Wie es anderen Menschen auf der ganzen Welt geht, das darf uns nicht egal sein. Auch in meiner Not darf ich den anderen nicht aus dem Blick verlieren.

Wie sehen Sie die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft?
Das Zitat stammt von Helmut Schmidt: In der Krise beweist sich der Charakter. Jetzt wird halt deutlicher, wie viele Menschen zu kurz gekommen sind – oder glauben, zu kurz gekommen zu sein. Menschen, die sich nicht wahrgenommen, nicht wertgeschätzt fühlen. Da bin ich froh über Gott, der mir von Anfang an gesagt hat: Du bist unendlich wertvoll. Diese Botschaft unter die Menschen zu bringen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Die Kirche steht da auch in der Kritik, in ihrer Unterordnung unter dem Staat ...

Ich kann die Meinung nachvollziehen, es stimmt nur nicht. Wenn ich den Glauben ernst nehme, dann ist auch klar, dass der Nächste neben mir ein Abbild Gottes ist, der das selbe Recht hat wie ich. Und unter dieser Prämisse müssen wir schauen, wie wir aufeinander zugehen und miteinander leben. Wir müssen alle am selben Strang ziehen – aber auch in die selbe Richtung.

Was braucht es noch?

Ein Stück Demut. Auch die Frage einmal stellen, ob mir ein anderer helfen kann. Das ist ja etwas, das uns komplett fremd ist, man ist ja geprägt, alles selbst machen zu müssen. Auch einmal zu sagen: Ja, ich stehe jetzt an, ich bin nicht vollkommen. Und die Wirklichkeit ernst zu nehmen, dass das Hier in dieser Welt nicht alles ist. Wir reden da von einem Gott, von dem wir behaupten, dass er allmächtig ist – und dann hängt Jesus an einem Kreuz und schreit: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Doch daraus entsteht neues Leben. Das heißt auch für mich: Wo bin ich bereit, mich auf den anderen zu verlassen?

Ostern hat aber auch mit Sterben zu tun ...

Wenn das alles stimmt, was wir glauben – und davon bin ich überzeugt –, dann ist hinter alldem, was uns jetzt begegnet, die Liebe Gottes. Und diesen Weg des Nachspürens müssen wir gehen. Das ist nicht die Liebe, wie wir sie oft kennen, in zuckerlrosa. Das kann auch heißen, dass Herausforderungen damit verbunden sind. Und die Wirklichkeit, dass es den Tod gibt, weil wir endliche Wesen sind, wird oft sehr auf die Seite geschoben. Das Urteil des Verfassungsgerichts zur Sterbehilfe ist so etwas, wo wir den Tod wieder wegschieben von uns. Schon der Begriff ist der falsche, denn wem helfe ich denn damit? Die Menschen wollen Zuwendung, das brauchen sie. Der Tod gehört zu unserem Leben dazu, dem müssen wir uns stellen. Damit wir das leben können, ist es aber wichtig zu wissen, dass ich auch im Tod nicht allein gelassen werde, weil Gott mit mir ist. Ich zitiere dazu immer einen Bischofskollegen von mir: "Der Tod ist das Ende des Sterbens, nicht des Lebens."

Wie würden Sie Ostern beschreiben?
Mir ist das voriges Jahr im leeren Dom so bewusst geworden. Man feiert zuerst die Nacht, das Scheitern und dann gibt es das eine kleine, flackernde Licht, das dir Orientierung gibt, von dem wir sagen, dass es Jesus ist. In der Nacht deines Lebens gibt es Orientierung, im Dunklen gibt es das Helle.

Gibt es eine spezielle Botschaft an die jungen Menschen, aktuell als "lost generation" bezeichnet?
Ich werde das auch heuer wieder in die Firmpredigt integrieren, die Botschaft ist noch stimmiger: Selbst, wenn alles rund um dich herum zusammenbricht, wenn du dich alleine fühlst- da ist einer, der mit dir mitgeht. Ich möchte die jungen Menschen dazu einladen: Vertraut darauf, dass Gott mitgeht. Ich verstehe die Sehnsüchte nach Begegnung und Bewegung, aber lerne die anderen im Blick zu haben, schauen wir miteinander auf uns. Man kann nicht so einfach von einer "lost generation" sprechen, gerade Kinder stellen sich sehr schnell auf Situationen ein. Vielleicht sind das ja eher wir, die das behaupten, weil es uns selber so geht und wir es auf die jungen Menschen projizieren ...

Auch eine Glaubensfrage: Impfen ja oder nein?
Klare Antwort: Wenn es den Termin gibt, steht ich bereit. Sich impfen zu lassen, ist eine Frage der Nächstenliebe und der Solidarität. Es geht darum, einer weltweiten Pandemie Einhalt zu gebieten. Was oft vergessen wird: Es ist eigentlich ein Wunder, wie die Welt zusammengestanden ist, um in kürzester Zeit diesen Impfstoff zu entwickeln. Gott hat uns nicht nur Herausforderungen gestellt, er hat uns auch Begabungen mitgegeben, er hat gesagt: Macht etwas aus dieser Welt.

Themenwechsel: Freuen Sie sich schon auf die Osterjause?
(lacht) Ja, freilich. Das ist etwas Besonderes, das ist von der Kindheit und Jugend mitgewachsen. Das schmeckt halt gut, wenn du einmal eine Zeitlang kein Fleisch hattest.

Was ist das Beste an der Osterjause?
Der Kren. Der haucht dir, wenn er richtig scharf ist, Leben ein, da spürt man sich.

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