Oper Graz
Das Leben ist ein Tanz – Ballettdirektorin Beate Vollack in "Gefragte Frauen"

Passion: Beate Vollack liebt Ballett und hat an international renommierten Häusern getanzt. Sie wuchs in Ost-Berlin auf und mit dem Fall der Berliner Mauer öffnete sich für sie eine neue Welt.
  • Passion: Beate Vollack liebt Ballett und hat an international renommierten Häusern getanzt. Sie wuchs in Ost-Berlin auf und mit dem Fall der Berliner Mauer öffnete sich für sie eine neue Welt.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Beate Vollack ist die neue Ballettdirektorin an der Oper Graz. Ein Gespräch über Tanz, Leidenschaft und Graz.

Ein Berliner Kind in Graz: Beate Vollack steht seit dieser Saison dem Ballett der Oper Graz vor und hat mit ihm einiges vor. Der WOCHE verrät die Direktorin, wie sie zum Ballett kam, ihren Arbeitsprozess und Rituale vor Auftritten.

WOCHE: Sie waren vor zwei Jahren für "Romeo und Julia" in Graz. Wie gefällt Ihnen Graz?

Beate Vollack: Ich bin seit Mitte August hier und war bisher intensiv mit der Arbeit beschäftigt. Aber ich hatte damals schon die Gelegenheit, Graz kennen und lieben zu lernen. Es ist eine wunderbare Stadt und bisher war immer schönes Wetter (lacht).

Sie haben ein 18-köpfiges Team übernommen. Wie ist das Ballett der Oper Graz?
Es ist großartig! Es sind fantastische Tänzer, die durch den Zusammenhalt eine grandiose Truppe bilden. Sie kommen aus vielen unterschiedlichen Ländern und agieren miteinander, nicht nebeneinander. Zudem haben sie Bühnendurst wie Bühnenlust und das spiegelt sich in ihrer Arbeit wider und wir wünschen uns, dass es beim Publikum ankommt.

Sind Sie als Direktorin streng?
Durch meine eigene Karriere weiß ich, wie wichtig der Umgang des Direktors mit den Tänzern ist. Ich bemühe mich, mein Team so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte. Ich verlange mehr als 100 Prozent von ihnen und von mir und meine Tänzer geben das gerne. Sie können sich immer auf mich verlassen, ich sehe sie wie meine Kinder: Da trifft Liebe auf Strenge (lacht).

Sie haben eine steile internationale Karriere hingelegt. Wie kamen Sie zum Ballett?
Wie bei vielen guten Dingen im Leben: durch Zufall! Ich war ein hyperaktives Kind und meine Tante sah eine Anzeige, in der Bewegung nach Musik angeboten wurde. Ich liebte es sofort, machte meinen Eltern aber klar, dass ich Solistin sein will (lacht). Meine erste Aufführung war der "Nussknacker" – die Kostüme, der Vorhang, das Licht, die Leute – Ballett war auf Anhieb wie eine Droge.

Was muss man für das Ballett mitbringen?
Es gibt einige Voraussetzungen, aber ohne starken Willen und viel Ausdauer geht es nicht. Selbstverständlich gehört auch immer Glück dazu. Und man kann so viel üben wie man will, aber ohne ein gewisses Talent und Musikalität, wird man kein guter Tänzer.

Wie verläuft Ihr kreativer Schaffensprozess?
Ich lasse mich von verschiedenen Dingen inspirieren: ein Plakat, ein Gespräch oder etwas, das ich nur nebenbei aufschnappe. Ich schneidere – im übertragenen Sinn – ein maßgeschneidertes Kleid und will das Publikum in eine andere Welt entführen. Ballett soll Freude und schöne Abende bringen sowie ein unvergessliches Erlebnis sein. Ich merke auch, dass das Publikum Hunger nach Geschichten hat. Daher entwickle ich lebendige Erzählung mit und für Tänzer. Nach der Idee ist die Musik das wichtigste Element, wenn ich die Musik gefunden habe, folgt die Choreographie wie von selbst.

Wie Ballett-affin ist das Grazer Publikum?
Sehr! Hoffentlich passt meine Art Tanz zu erzählen, gut zu diesem Haus und wird ebenso vom Publikum positiv aufgenommen. Für das gesamte Ballett sollen die Vorstellungen pure Freude sein und uns ist es stets wichtig, ehrlich und authentisch zu sein. Denn das Publikum merkt, wenn wir es betrügen oder wenn nicht unsere ganze Leidenschaft drin steckt. Am 30. Oktober ist die Premiere von E. T. A. Hoffmanns "Sandmann" auf der Studiobühne und im April 2019 kommt das "große Ballett" mit den "Jahreszeiten". Wir können es kaum erwarten, das Publikum auf diese Reisen mitzunehmen und zu begeistern.

Aberglaube ist am Theater präsent. Welche Rituale pflegen Sie?
Als ich selbst getanzt habe, musste ich vor der Vorstellung ein Schläfchen machen und Milchnudeln essen. Zudem war ich immer zwei Stunden vorher am Theater, ging zuerst in die Maske und wärmte mich erst dann auf. Seit Beginn meiner Karriere habe ich einen kleinen Glücksbringer, denn ich immer küsse – sonst gehe ich nicht auf die Bühne. Und ich trage von Anfang an jeden Auftritt in eine kleines Büchlein ein, mittlerweile sind es schon drei.

WOCHE-WORDRAP

Tanz ist ... mein Leben.
Graz ist ... zum Verlieben schön.
Dazu singe ich ... lieber nicht.
Mein Held aus der Kindheit ist ... mein Vater.

STECKBRIEF

Geburt 1968 in Ost-Berlin
Studium und Tänzerin (Komische Oper Berlin und Bayerisches Staatsballett München)
Seit 2002: international choreographisch tätig
Seit 2014 Tanzkompagnie-Leiterin des Theaters St. Gallen
2018: Ballettdirektorin in Graz

Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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