Das Neutorcafé ist Geschichte

Legendäres Café: Noch steht offen, ob in der Neutorgasse 50 wieder ein Lokal oder Büroräumlichkeiten folgen werden.
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  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Verena Schaupp

Eine Schnitzelsemmel, eine Eierspeis oder noch ein Abschiedsglaserl um vier Uhr früh. "Bei uns sind irgendwann alle gelandet", sagt Kurt Lerch. Seit einem Jahr ist Lerch Pächter des Neutorcafés, seit 24 Jahren arbeitet er dort. In einer Woche wird er sein Lokal in der Neutorgasse 50 dauerhaft schließen.

Zu viel Bürokratie

"Im Juni hätten wir 25-Jahr Jubiläum gefeiert. Es tut uns sehr leid, dass wir zusperren müssen, aber die Pacht wurde immer teurer. Das ist geschäftlich einfach nicht mehr tragbar", so der 52-jährige Gastronom, der über seinen Verpächter kein schlechtes Wort verliert. "Das Problem sind eher die horrenden Mieten und die steigenden gesetzlichen Auflagen. Die Bürokratie nimmt zu." So verweist er auf viele Betriebe, die in den letzten Jahren schließen mussten. "Wo gibt es in Graz jetzt noch ein Café, das 22 Stunden offen hat?"

Von Udo Jürgens bis Kartnig

Mit dem Neutorcafé verabschiedet sich eine legendäre Institution der Stadt. Politiker, Arbeiter, Wirtschaftstreibende, Künstler bis Spitzensportler gaben sich hier die Klinke in die Hand.
"Kartnig kam gern hierher, auch die damaligen Sturm-Größen Leitgeb, Mählich und viele andere waren Gäste. Selbst Udo Jürgens war bei uns", erzählt Lerch über die hohe Prominenz an seinen Cafétischen. "Sie sind alle ganz normale Leute, die ihre steirische Eierspeis' und ihre Ruhe bei uns genossen haben."


Pächter Kurt Lerch nimmt sich ab nächster Woche erst einmal Urlaub.

Sterben der (Nacht-)Gastro

Aus dem Nähkästchen könnte Lerch ewig plaudern – von Heiratsanträgen, geknüpften Freundschaften, lustigen Polterrunden bis hin zu müden Gästen, die mit dem Gesicht in der Eierspeis eingeschlafen sind –, besonders leid tut es ihm bei der Schließung um die Stammgäste.
"Man kennt sich ewig, ist befreundet, für viele ist man wie ein Psychologe und hört zu, wenn sie Probleme haben. Wir hatten Zeit für alle", meint der (Noch-)Lokalbesitzer mit traurigem Blick. Eine Woche lang kann das Café noch aufgesucht werden, bevor die letzte Sperrstunde gekommen ist. "Am 1. 6. um 6 Uhr früh schließen wir für immer unsere Pforten. Zu uns kamen Zeitungsausträger, Taxler, Ärzte ... alle, die nachts arbeiten mussten und nach der Arbeit eine kurze Pause brauchten. Es ist wirklich schade."

Legendäres Café: Noch steht offen, ob in der Neutorgasse 50 wieder ein Lokal oder Büroräumlichkeiten folgen werden.
Im "Neutor": Kurt Lerch wird nun erstmal Urlaub machen.

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