Diakoniewerk Steiermark-Leiterin Claudia Paulus regt an: Wir sollten über ein Pflicht-Sozialjahr diskutieren!

"Man sollte über ein verpflichtendes soziales Jahr diskutieren", meint Claudia Paulus.
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Ein verpflichtendes Sozialjahr hätte für die Gemeinschaft und jeden Einzelnen nur Vorteile.

Bundesheer oder Zivildienst? Das ist bei – tauglichen – jungen Männern die Frage. Genau diese Männer werden seit Jahren aber immer weniger. Die Zahl der tauglichen Wehrpflichtigen ist von 36.600 im Jahr 2010 auf 30.700 im Jahr 2018 gesunken. Damit geht auch die Zahl der Zivildiener zurück, die für viele Bereiche essenziell sind. Vor allem das Rettungswesen, die Behindertenhilfe, Sozialhilfe und die Altenbetreuung sind auf die Zivildiener angewiesen.

Solidarität in der Gemeinschaft

Ein Träger, der viele Zivildiener sowie junge Menschen, die freiwillig ein soziales Jahr absolvieren, aufnimmt, ist das Diakoniewerk Steiermark. Dessen Leiterin Claudia Paulus plädiert dafür, einen Austausch darüber zu führen, aus der Freiwilligkeit eine Verpflichtung zu machen und erörtert für die WOCHE ihre Beweggründe.
"Ein soziales Jahr ist ein Dienst an der Allgemeinheit, bringt aber auch persönlich sehr viel", erzählt Paulus. Sich für schwache und hilfsbedürftige Menschen einzusetzen sieht sie als Solidaritätsakt innerhalb der Gemeinschaft und eine wichtige Stütze in der Gesellschaft. Diese würde ohne jene Menschen, die sich für andere einsetzen, nicht funktionieren, daher wäre es ihrer Meinung nach wichtig, Personen bereits in jungen Jahren dafür zu sensibilisieren.

Empathie und Persönlichkeit

"Zudem ist Arbeit im Sozial- und Pflegebereich persönlichkeitsbildend und empathiefördernd", betont die Diakoniewerk-Leiterin die Wichtigkeit der sozialen Kompetenz in allen Lebensbereichen. Egal, ob in Familie, Freundeskreis oder Beruf, soziale Fähigkeiten werden immer wichtigere Werkzeuge, die auch an potenziellen Dienstgebern nicht vorüber gehen. "Vor allem die Fachhochschulen achten bei Bewerbungen in einigen Studienrichtungen darauf, ob man sich sozial engagiert hat oder nicht", so Paulus.

Orientierung für die Zukunft

Ein verpflichtendes Sozialjahr könne auch für die Berufsorientierung einen großen Nutzen haben. "Manche finden sich in diesen Berufen wieder und streben diesen dann an", berichtet sie. Aber auch, wenn man dadurch herausfindet, dass man für diese Jobs nicht geschaffen ist, hat man einen Mehrwert erzielt. "Dann kann ich die Jobs in den Bereichen schätzen, weiß, was dahintersteckt und nehme nichts als Selbstverständlichkeit hin", appelliert Paulus, deren Diakoniewerk bei Zivildienern und Freiwilligen sehr beliebt ist.
Und was muss man in einem Job im Sozialbereich mitbringen? "Empathie, physische und psychische Belastbarkeit und ganz viel Menschenliebe. Ohne diese Faktoren geht es nicht."

Die Freiwilligkeit ist vorwiegend weiblich

120 Personen im Süden und 580 österreichweit: Das sind die Zahlen zum Freiwilligen Sozialen Jahr.

Der Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste ist die Trägerorganisation, die das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) organisiert. Estha-Maria Sackl ist Referentin in der Regionalstelle Graz und erzählt, dass derzeit 120 Personen in Südösterreich (Steiermark, Kärnten, Südburgenland) ein FSJ absolvieren. "Österreichweit sind es bei uns rund 580 Personen", erklärt Sackl. Diese jungen Menschen sind zwischen 18 und 24 Jahre alt und verbringen das Jahr hauptsächlich in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen, alten und pflegebedürftigen Personen und mit Kindern und Jugendlichen. Zudem kann das FSJ in der Betreuung von Wohnungslosen, Flüchtlingen und psychisch kranken Menschen absolviert werden. "Der Großteil ist weiblich, rund fünf Prozent sind männlich", erörtert Sackl, dass es auch die Möglichkeit gibt, sich das FSJ als Zivildienstersatz anrechnen zu lassen. "Wir beraten und vernetzen individuell und persönlich, um so für beide Seiten die beste Lösung zu finden", betont Sackl. Mehr Informationen gibt es unter: www.fsj.at.

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