"Die Oper ist für mich wie eine Familie" - Das Interview mit Sopranistin Sieglinde Feldhofer

Feldhofer hat im Juni den österr. Musiktheaterpreis "Goldenen Schikaneder", als beste Nachwuchskünstlerin erhalten.
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Da kommen Erinnerungen hoch. "In dieser Kirche habe ich ministriert und beim Chor mitgesungen". Spontan kommen diese Worte über die Lippen der jungen Künstlerin, die an der Grazer Oper engagiert ist. Der Grund warum sie hier in ihrer Heimatgemeinde ist, ist ein Oper- und Operettenabend in der Pfarrkirche, gemeinsam mit Bariton-Sänger Julian Kumpusch und Marius Burkert am Klavier. Der Erlös dieses Abends kommt der Kirchturmrenovierung zugute.
WOCHE-Redakteurin Anneliese Grabenhofer sprach vor dem Konzert mit der Sängerin über ihren Beruf, ihrer Liebe zur Musik.

WOCHE: War es immer der Traum Sängerin auf Opernbühnen zu werden?
Sieglinde Feldhofer: Nein daran hab ich nicht gedacht. Viel lieber habe ich mich hinter den Instrumenten versteckt. Eigentlich wollte ich Polizistin werden. Ich bin sehr spät zum Singen, mit 17 Jahren, eher durch Zufall auf die Kunstuni gekommen. Da spürte ich gleich, Singen ist ganz einfach meine Welt.

Wie geht es Ihnen vor dem Auftritt?
Es ist ein großer Unterschied ob ich hier in der Kirche auftrete oder in der Oper. Auf der großen Bühne da spiele ich meine Rolle, eine Figur. Hier in St. Kathrein bin ich Sieglinde Feldhofer, die meisten kennen mich und ich kenne viele. Das ist irgendwie noch aufregender. Ich hoffe immer ich kann für diese Menschen hier die Erwartungen erfüllen und möchte mit solch einem Konzert wie dem heutigen, den Menschen etwas zurück geben. Denn ich weiß, dass viele zu meinen Vorstellungen in die Oper nach Graz gekommen sind um mich zu sehen und das freut mich so sehr.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
Die einmalige Musik zu transportieren. Ich kann zum Beispiel zu Hause sitzen und Opern anhören. Das kann mich in meinem Inneren so berühren, dass ich weine. Das ist das Allerschönste und eine unglaubliche Ehre für mich, dass ich dieses Privileg habe, mich in den Dienst der wunderschönen Musik zu stellen und hier tätig sein zu dürfen, obwohl hinter den Kulissen beinhart gearbeitet wird.

Welche Musik hören Sie persönlich am liebsten?
Indian Rock, Alternativ Musik zum Abschalten. Früher war ich öfters auf Rockfestivals. Aber genauso gerne höre ich Wagner oder Strauss.

Was meinen Sie, macht es aus, dass Sie in Ihren jungen Jahren so erfolgreich sind?
Manchmal glaub ich, ich träume. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Ich gehe so weit wie ich es schaffe. Ich habe eine sehr gute Gesanglehrerin, eine Mentorin. Man muss lernen auf die richtigen Menschen zu hören und sich selbst treu bleiben. Vielleicht ist es das. Zudem ist die Grazer Oper für mich wie eine Familie.

Zur besten Nachwuchskünstlerin gekürt, wie fühlt man sich da?
Ich habe mich so sehr gefreut und alle umarmt. Wenn man merkt, man hat das nur wegen der eigenen Leistung geschafft, das ist für mich eine große Ehre.

Die nahe Zukunft?
Im Sommer geb ich ein Debüt in Bad Ischl in der Operette "Wo die Lerche singt". Da bin ich die Margit. Im Herbst warten schöne Rollen in "My Fair Lady". Werde im "Weißen Rössl" als Ottilie singen und die Gretel in "Hänsel und Gretel".

Ihr Leitfaden im Leben?
Für mich ist es wichtig Musik zu machen und zu leben. Als Mensch werde ich alles daran setzen, ehrlich und zielstrebig meine Schritte zu verfolgen. Frei nach Nitsche: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
Mehr Bilder zum Operettenabend: auf www.woche.at

Steckbrief
Name: Sieglinde Feldhofer
Geboren: 24. Februar 1985 in Bruck/M.
Aufgewachsen: St. Kathrein/Hauenstein, Studium Kunstuni Graz, danach Privatstudium, lebt in Graz; Seit 2008 an der Grazer Oper engagiert
Geschwister: 1 ältere Schwester, 1 jüngeren Bruder
Bereits während ihres Studiums erhielt sie mehrere Auszeichnungen: Lions Panthera Förderungspreis und mehrfach vom Zonta Club Graz gefördert
2009 als Finalistin beim Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb im Bereich Operette
Juni 2013: Österreichischer Musiktheaterpreis "Goldener Schikaneder", beste Nachwuchskünstlerin

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