Die Schule und ihre größten "stillen Helden"

HeldInnen der Schule 2013/14

Nach dem gelungenen Auftakt im vorigen Schuljahr ging die von Landesschulrats-Präsidentin Elisabeth Meixner ins Leben gerufene Aktion „HeldInnen der Schule“ des Landesschulrats für Steiermark heuer in die zweite Runde. Hier die Heldinnen des Schuljahres 2013/14.

„Schule“, so Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner, „ist mehr als Leistung und Lernerfolg. Schule bedeutet auch Menschlichkeit. Dieses Gesicht der Schule wollen wir mit dieser Initiative stärker ins Bewusstsein rücken.“

Herausragende Beispiele menschlichen Verhaltens
Mit Unterstützung der PädagogInnen und DirektorInnen an den steirischen Schulen wurden SchülerInnen gesucht, die etwas ganz Besonderes geleistet haben. Dabei ging es nicht um schulische Höchstleistungen, sondern um herausragende Beispiele menschlichen und sozialen Verhaltens gegenüber Mitmenschen zum einen (Kategorie „Schau hin und hilf“), um SchülerInnen, die ein ihnen zugedachtes Schicksal auf beeindruckende Weise meistern (Kategorie „Lass dich nicht unterkriegen“), zum anderen. Beide Kategorien wurden noch jeweils in drei Altersstufen unterteilt (Volksschule, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II).

Jury machte sich ihre Aufgabe nicht leicht
Zum ersten Mal wurde heuer eine Jury damit betraut, aus allen Nominierten sechs HeldInnen der Schule nominierten zu küren. Die Jury hat sich ihre Aufgabe nicht leicht gemacht. Die vier Jurymitglieder stellten sich dieser schwierigen Aufgabe mit höchster Sensibilität. Ausdrücklich soll hier betont werden, dass die vier Jury-ExpertInnen nicht die Aufgabe hatten, im Sinne eines Wettbewerbs SiegerInnen und Sieger zu bestimmen, sondern nach persönlichem Empfinden in den zwei Kategorien mit den jeweils drei Altersgruppen jene insgesamt sechs nominierten Schülerinnen und Schüler zu nennen, deren Engagement bzw. Lebensmut Sie am tiefsten berührt und beeindruckt hat.

Die Jury setzte sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen:

Huberta Gabalier ist Buchautorin, ehemalige Lehrerin, Mutter des gefeierten Volks Rock ‘n‘ Rollers Andreas Gabalier und des erfolgreichen Tanzperformers, Dancing-Star-Profis und Tanzschulbesitzers Willi Gabalier. In ihrer engsten Familie musste sie zwei furchtbare Schicksalsschläge hinnehmen. Ihr Mann und ihre Tochter begingen Selbstmord. Aus der Dunkelheit, die sie umgab, führte sie ein mühevoller Weg zurück ins Leben. Davon zeugen auch ihre beiden Gedichtbände „Herzleben“ (2010) und „Meditationen mit Herz“ (2013), aus denen sie in den letzten Jahren bei zahlreichen Lesungen vortrug.

Maria Santner, Prokuristin des von ihrem Mann Friedrich geführten, weltweit agierenden Grazer Messtechnik-Unternehmens Anton Paar GmbH, das im Dezember 2003 in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht wurde, die auf Gemeinnützigkeit und mildtätige Zwecke ausgerichtet ist und gemeinwohlorientiert zwei Stiftungszwecke verfolgt: die Förderung der Naturwissenschaften und die Prophylaxe und Heilung von Süchten aller Art. Das Unternehmen selbst gilt als besonders familien- und frauenfreundlicher Betrieb und wurde dafür auch bereits mehrfach ausgezeichnet. Seit Ende 2010 ist die vierfache Mutter außerdem Hospizbotschafterin des Hospizvereins Steiermark.

Franz Küberl (Dr. h.c.), steirischer Caritas-Direktor seit 1994, war von 1995 bis 2013 als erster katholischer Laie Präsident der Caritas Österreich und formte die Organisation der Nächstenliebe in dieser Zeit zu einer schlagkräftigen Hilfsorganisation, die für sich durchaus auch eine politische Funktion in Anspruch nahm. Küberl wurde und wird nicht müde, den Finger auf die Wunden unserer Zeit zu legen. Immer stellte er sein Wirken und das seiner Organisation in den Dienst der Benachteiligten und jener, die gezwungen sind, am Rande der Gesellschaft zu leben. Neben Widerspruch trug ihm diese Haltung vor allem eine herausragende soziale Reputation ein. So wurde er 2005 sogar von einem österreichischen Wirtschaftsmagazin zum Mann des Jahres gekürt. Nach einem Sturz in einer Hotelbadewanne lag Küberl 2003 mehrere Tage im Koma.

Mario Haas blickt auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere als Fußballer zurück. Mit 451 Einsätzen ist die Stürmer-Legende Rekordspieler des Grazer Vereins. Haas wurde mit Sturm 3-mal österreichischer Meister, 4-mal österreichischer Cupsieger, spielte 43-mal in der österreichischen Nationalmannschaft und erzielte zahllose Treffer. Zwei Auslandsengagements führten ihn nach Frankreich zu Racing Straßburg und nach Japan zu JEF United. Seit dem Ende seiner Karriere im Jahr 2012 veranstaltet der zweifache Vater, der vielen Jugendgenerationen als sportliches und menschliches Vorbild galt, als Unternehmer unter anderem Fußball-Camps für Kinder. Gemeinsam mit der Autorin Karin Ammerer realisierte Haas die Kinderbücher „Basti stürmt los“ und „Ein Wuchteltreter gibt nie auf“. Zuletzt erschien unter dem Titel
„Der Besteste – Mein Leben in Schwarz-weiß“ seine von Heri Hahn aufgezeichnete Autobiographie.


Die Jury kürte folgende HeldInnen der Schule:

„Schau hin und hilf“, Volksschule

Beatrix Fritsche
LSS Hirtenkloster mit integrierten VS-Klassen 4.I

„Schau hin und hilf“, Sekundarstufe I

Manuel Kutschi
NMS Leoben Stadt

„Schau hin und hilf“, Sekundarstufe II

Katja Körndl
HLW Sozialmanagement Graz

„Lass dich nicht unterkriegen“, Volksschule

Vanessa Kappel
VS Hengsberg

„Lass dich nicht unterkriegen“, Sekundarstufe I

Kerstin Hasenöhrl
NMS Feldbach I

„Lass dich nicht unterkriegen“, Sekundarstufe II

Hartwig Stocker
HAK Schladming

Alle Nominierten mit ihrer persönlichen Geschichte
In der Folge werden alle Nominierten mit Ihren jeweiligen Geschichten vorgestellt. Jeder und jede der Nominierten erhält eine persönliche Urkunde überreicht, in der ihr bzw. ihm als „HeldIn der Schule“ der Dank und die Anerkennung der Präsidentin des Landesschulrates Elisabeth Meixner zum Ausdruck gebracht wird.

Schau hin und hilf

Schau hin und hilf, Volksschule

Beatrix Fritsche, I-VS Hirtenkloster, 4. Klasse

Beatrix wurde sowohl von den Kindern ihrer Klasse als auch von allen Erwachsenen, die in der oder im Umfeld der Klasse mitarbeiten, vorgeschlagen. Seit der 1. Klasse hat sie sich im Umgang mit ihrer Schulfreundin ganz besonders ausgezeichnet. Diese muss aufgrund einer schweren körperlichen Behinderung den Rollstuhl benützen, kann auch ihre Hände nur begrenzt einsetzen und ist daher immer auf Hilfe angewiesen. Ohne von irgendjemandem darauf aufmerksam gemacht zu werden, sieht Beatrix in allen Situationen, ob ihre Freundin Hilfe benötigt. Sie unterstützt sie gerne und sie geht auf die Bedürfnisse ihrer Freundin besonders umsichtig und rücksichtsvoll ein. Oft lässt sie dabei ihren eigenen Vorteil außer Acht. Ihr ganz natürlicher Umgang mit behinderten, aber auch mit schwierigen, verhaltensauffälligen MitschülerInnen wird von vielen Menschen bemerkt und auch immer wieder gewürdigt. Beatrix trägt durch ihr soziales Einfühlungsvermögen viel Positives zu einem gelingenden Miteinander in der Klasse und in der Schulgemeinschaft bei.

Nina Peitler, VS Gamlitz, 4.a Klasse

Nina ist ein ausgesprochen freundliches und höfliches Mädchen. Kommt sie in der Früh zur Tür herein, geht die Sonne auf. Sie kümmert sich völlig selbstlos um ihre Mitschülerinnen, ist immer zur Stelle, wenn sich jemand einmal nicht auskennt und erklärt einen Sachverhalt mit Engelsgeduld auch mehrmals hintereinander, wenn ihn eine Mitschülerin oder ein Mitschüler nicht gleich versteht. Sie selbst ist übrigens eine sehr gute Schülerin. Bei Gruppenarbeiten bzw. Spielen würde sie niemals irgendjemanden ausgrenzen, im Gegenteil: Sie integriert ganz besonders die etwas schwächeren Kinder und geht in einer äußerst liebevollen Art und Weise mit ihnen um. In ihrer sehr stark ausgeprägten sozialen Sensibilität versucht sie, bei etwaigen Konflikten zu vermitteln und den Frieden im Klassenverband wieder herzustellen. Es gäbe unzählige Alltagsgeschichten über sie zu berichten.

Samya Mrak-Hlavacek, VS Krieglach, 3.a Klasse

Samya besucht die 3. Klasse Volksschule. Sie verhält sich sehr sozial und menschlich. In der 1. Schulstufe kam eine neue Mitschülerin in ihre Klasse. Sie musste die 1. Klasse wiederholen. Samya freundete sich mit ihr an, da sie kaum Freunde hatte, denn sie kam ursprünglich aus der Türkei. Sie half ihr im Unterricht, wenn sie etwas nicht wusste. Als Samya in die 3. Klasse kam, kam ein Schüler in ihre Klasse, der ebenfalls die Schulstufe wiederholen musste. Er störte dauernd den Unterricht und hatte dadurch keine Freunde. Doch Samya war das egal. Sie freundete sich mit ihm an, setzte sich neben ihn und half auch ihm im Unterricht und bei den Aufgaben. Aus diesem Grund litt sogar ihre eigene Leistung im Unterricht. Aber es ist wichtig, dass sich auch jemand um „Außenseiter“ kümmert und ihnen dabei hilft, sich zu integrieren. Und genau das tut Samya.

Cäcilia Skoff, VS Gamlitz, 4.b Klasse

Cäcilia besucht die 4. Klasse der Volksschule. Bereits im ersten Schuljahr fiel sie durch ihre besonders liebenswürdige Art auf. Sie half schwächeren Kindern, wo sie nur konnte, und nahm sie in Schutz, wenn es notwendig war. Im Laufe der bald vier Schuljahre beeindruckte sie ihre Umgebung mit ihrem außergewöhnlichen sozialen Engagement. Wo immer Hilfe benötigt wird – Cäcilia ist zur Stelle. Sie unterstützt ihre Klassenkolleginnen auch im Unterricht und versteht es, sie mit ihrem großen Allgemeinwissen, ihrer Verbundenheit zur Natur und zu allen Lebewesen sowie mit ihrer außergewöhnlichen Kreativität zu begeistern, ja, förmlich mitzureißen. Sie plant, organisiert und beweist auch immer wieder ihren erstaunlichen Weitblick. Bewundernswert ist auch ihr liebevoller Umgang mit ihren drei Geschwistern, vor allem aber ihre Fürsorge für ihre behinderte Schwester. Sie ist der Sonnenschein ihrer Klasse und man hat das Gefühl, dass alles, was sie tut, aus tiefer innerer Überzeugung geschieht.


Schau hin und hilf, Sekundarstufe I

Manuel Kutschi, NMS Leoben Stadt, 1.b Integrationsklasse

Manuel besucht die 1. Integrationsklasse der NMS. Er ist Autist und hat es deshalb selbst nicht immer leicht, sich im Alltag zurechtzufinden. Für ihn ist die Kontaktaufnahme mit anderen Menschen schwierig. Seine eigenen Gefühle auszudrücken und die seiner Mitmenschen wahrzunehmen und zu verstehen, ist für ihn kaum möglich. Umso bemerkenswerter ist sein Engagement für seinen Mitschüler Markus, einen Buben mit Down-Syndrom. Für ihn ist er immer auf äußerst selbstlose, liebevolle Weise da. Er unterstützt Markus im Unterricht und bei den Hausübungen, bringt ihn auf die Toilette, hilft ihm beim Ankleiden, begleitet ihn zum Bus, liest ihm vor, spielt mit ihm, tröstet ihn, wenn es ihm einmal nicht so gut geht. Für Markus ist Manuel nicht nur eine wichtige Bezugsperson, sondern auch ein guter und verlässlicher Freund. Manuels Einsatz ist etwas ganz Außergewöhnliches, davon sind alle in seiner Umgebung überzeugt.

Friedrich Böhmer, Musik-NMS Edelschrott, 4.b Klasse

Friedrich Böhmer ist der größte und stärkste junge Mann im Schulhaus. Und gerade durch
seine körperliche Kraft war er von Anbeginn der gemeinsamen Schuljahre an eine wichtige Stütze für unseren Rollstuhlfahrer Elias. Daraus entwickelte sich eine sehr wertschätzende, gegenseitige Achtung und Freundschaft, die auch in vielen Situationen außerhalb des Unterrichts – in den Pausen, bei den Schulveranstaltungen, bei Exkursionen usw. – besonders spürbar wurde. Es ist für Friedrich ganz selbstverständlich, Elias in seinen Alltagsbedürfnissen zu unterstützen und ihm aktiv zu helfen. Es ist beeindruckend, wie der große Friedrich dem im Rollstuhl sitzenden Elias die Nase putzt, bei der Jause hilft, sein Halstuch richtet und sich überhaupt ganz fürsorglich um ihn kümmert. Friedrich hat im Laufe der Jahre eine besonders wertschätzende Art entwickelt, die auch in einem außergewöhnlich hohen sozialen Engagement zum Ausdruck kommt. Friedrich hat sowohl körperlich als auch mental die besten Voraussetzungen, mit Menschen, wie es unserer Elias einer ist, zu arbeiten. Im Umgang mit Elias lebt er täglich das Motto „Schau hin und hilf“. Friedrich schaut sicher nicht weg!


Mareike Zenz, Jacqueline Motl, Katrin Feldbacher, NMS I Leibnitz, 4.b Klasse

Von der ersten Klasse weg haben sich Jacqueline, Mareike und Katrin besonders aufmerksam und fürsorglich um ihre Klassenkollegin Verena gekümmert. Verena ist ein Kind mit besonderen Bedürfnissen: Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Mareike, Jacqueline und Katrin unterstützten Verena von Anfang an immer, wenn sie Hilfe brauchte. Zum Beispiel, wenn es darum ging, die Klasse zu wechseln oder die Schulsachen einzupacken und bei vielen anderen Gelegenheiten. Sie verbrachten auch die Pausen mit Verena und wurden so auch zu einem Bindeglied zwischen Verena und der übrigen Klasse. Ihren Bemühungen und ihrer Fürsorge ist es nicht zuletzt zu verdanken, dass sich Verena in dieser Klasse so gut angenommen und aufgehoben fühlt. War Verena einmal krank, stellten sich die drei sogar als „Betreuerinnen“ zur Verfügung. Das bedeutet zum Beispiel auch, mit ihr auf die Toilette zu gehen und ihr dabei zu helfen. Das Engegement der drei Schülerinnen beschränkt sich jedoch nicht auf Verena. Sie stellen für die ganze Klasse einen wichtigen sozialen Mittelpunkt dar und von ihnen geht eine wertvolle integrative Kraft aus. Sie treten als Konfliktschlichter auf und vermitteln zwischen ihren KollegInnen, falls es einmal zu Reibereien kommt. Bereitwillig übernehmen sie auch andere gemeinnützige Aufgaben, zum Beispiel bei der Organisation von Klassen- oder Schulveranstaltungen.

Sabrina Treitler, NMS Thörl, 3.a Klasse

Sabrina überraschte ihren Klassenlehrer in der zweiten Schulwoche mit der Frage, ob sie ein Kalenderprojekt durchführen dürfe. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon eine Liste mit Telefonnummern von Firmen in der Tasche, bei denen sie um Unterstützung für dieses Charity-Projekt anfragen würde. Außerdem hatte sie bereits Zusagen für Spenden über 470 Euro. Auch einen Kostenvoranschlag einer Druckerei hatte sie bereits eingeholt. Sabrina bat ihren Lehrer, gemeinsam mit der Klasse einen Fotokalender zu gestalten. Ende Oktober hatte sie bereits über 1200 Euro gesammelt und so wurden 400 Fotokalender gedruckt. Die Fotos stammten großteils von SchülerInnen der Klasse. Durch den Verkauf des Kalenders wurde schließlich ein Reingewinn von mehr als 2500 Euro erwirtschaftet. Auf Wunsch Sabrinas kommt dieses Geld bedürftigen SchülerInnen aus der Region zugute – zum Beispiel als Zuschuss für SchülerInnen, die sich sonst eine Teilnahme an Sportwochen nicht leisten könnten.


Stephanie Rebendunst, NMS Mürzzuschlag 3.b Klasse

Alles begann am 20. Juni 2012. Stephanie ist bei der Betriebsfeuerwehr der Firma Böhler in der Jugendgruppe tätig. Es war Mittwochnachmittag und Stephanie brach zur wöchentlichen Übung auf, als plötzlich ein starkes Gewitter losbrach. Es schüttete und hagelte wie aus Kübeln. Bald kam es zu ersten Überflutungen. Da dröhnte auch schon die Sirene. Stephanies Vater musste als Mitglied der Betriebsfeuerwehr zum Einsatz. Stephanie rief ihre Mutter an und sagte ihr, dass sie noch bei der Feuerwehr bleibe, um zu helfen, bis das Gewitter vorbei sei. Und das tat sie schließlich auch und zwar auf ganz beeindruckende Weise: Während nämlich die erwachsenen Mitglieder der Feuerwehr draußen im Einsatz waren, um das Schlimmste zu verhindern, übernahm Stephanie allein den Funk und dirigierte alle Einsätze. Erst mitten in der Nacht kam sie – erschöpft, aber wohlauf – von ihrem Einsatz nach Hause. Stephanie war zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt.

Niklas Stalzer und Paul Offner, NMS Grazer Schulschwestern, 2. Klasse, ORG Schulschwestern Graz, 5.a Klasse

Im Mai 2013 erkrankte Jan, damals Schüler der 4. Klasse, an Leukämie. Nach dem ersten Schock geht Jan mit seiner Situation auf beeindruckende Weise um und hat den festen Willen, wieder gesund zu werden. Diese Zuversicht resultiert auch aus der Unterstützung, die er von seiner Familie und seinen Freunden erfährt. Sie sprechen ihm Mut zu und vermitteln ihm Kraft. Paul Offner, seit den Volksschultagen mit Jan befreundet, hält seit Mai den Kontakt zwischen Schule und Jan aufrecht. So hat er zum Beispiel die Übertragung der Abschlussfeier der 4. Klassen der Neuen Mittelschule via Skype ins Krankenhaus mitorganisiert. Seit September gehen Paul und Jan nun in die 5a-Klasse des ORG der Grazer Schulschwestern. Da Jan den Großteil der Zeit im Krankenhaus verbringen muss, versäumt er sehr viele Unterrichtsstunden. Er würde Hausübungen und Schularbeiten niemals schaffen, gäbe es nicht Paul und Niklas, seinen jüngeren Bruder, der die 2. Klasse der NMS besucht. Paul hat für Jan ab dem ersten Schultag einen Platz in der Klasse reserviert, er schreibt für Jan mit, er sammelt alle Unterlagen in einer Mappe und übergibt sie täglich an Niklas. Durch Pauls selbstverständliche Hilfe und durch Niklas Verlässlichkeit erfährt Jan, wie wertvoll ein Freund und ein Bruder sein können.


Marcel Groiß, NMS Peter Rosegger Trofaich

Es waren dramatische Minuten, in denen Marcel an diesem Tag in den Sommerferien zum Lebensretter wurde. Sie spielten sich im Freibad Trofaiach ab. Lukas, ein Schulfreund Marcels, tauchte im Becken, dabei dürfte er sich irgendwo gestoßen haben, jedenfalls verlor er unter Wasser das Bewusstsein und sank zu Boden. Marcel wunderte sich, warum sein Freund nicht auftauchte. Aber er ließ keine Zeit verstreichen, sondern tauchte sofort selbst hinunter und zog den leblosen Körper von Lukas an die Oberfläche und danach an den Rand des Beckens. Dort rief er um Hilfe. „Keiner der anderen Badegäste hat geholfen, alle haben nur zugeschaut“, erinnert er sich an diese Augenblicke. Bis dann Gott sei Dank auch schon der Bademeister gelaufen kam, Lukas herauszog und sofort mit der Reanimation begann. Marcels Einsatz ist es zu verdanken, dass sein Schulfreund Lukas nicht nur gerettet werden konnte, sondern auch keine bleibenden Schäden davongetragen hat.

Selina Polanc, NMS Neuberg/Mürz, 4. Klasse

Selina war gerade in der Mürzzuschlager Innenstadt unterwegs, als ihr plötzlich das ungewöhnliche Verhalten eines betagten Mannes auffiel. In diesem Moment stürzte er auch schon. Selina lief sofort zu ihm und leitete Maßnahmen zur Erstversorgung ein. Sie brachte ihn in eine stabile Seitenlage und verständigte von ihrem Handy die Rettung. Andere Passanten, die sie um Hilfe bat, wandten sich bloß ab und gingen weiter. Nach dem Eintreffen der Rettung kümmerte sich Selina auch noch um die geschockte Frau des gestürzten Mannes. Leider war dem Mann trotz der sofortigen Hilfe nicht mehr zu helfen. Schließlich waren es die Angehörigen, die mit der Schule Kontakt aufnahmen und sich für Selinas couragierte Hilfeleistung bedankten. Wie wichtig es ist, dass es noch Menschen gibt, die sich so couragiert verhalten, wie Selina es in diesem Fall getan hat, wird einem umso deutlicher bewusst, wenn man sich das Verhalten der anderen Passanten vor Augen führt.

Marianne Hipfl, Anja Gruber, Vanessa Gruber, Anja Klingler, Katharina Henökl, Laura Günther, Verena Stangl, Anna Kanzler, Julia Stockreiter, M. E., NMS/HS Admont

Bereits zum dritten Mal besuchen die 13 Schülerinnen in ihrer Freizeit freiwillig die Neigungsgruppe „Erste Hilfe“ des Jugendrotkreuz. Insgesamt wurden die Erste-Hilfe-Gruppen der Schule bei den jährlichen Jugendrotkreuz-Bewerben bereits zehnmal Landesmeister und zweimal sogar Bundessieger. Die Mädchen sind mit vollem Einsatz bei der Sache und sind damit auch ein leuchtendes Beispiel für ehrenamtliches Engagement für die Allgemeinheit. Was aber noch viel mehr zählt: Neben ihrer Tätigkeit im Verein und ihrem Einsatz für verletzte und in Not geratene Menschen entwickeln diese SchülerInnen insgesamt ein weit über das Übliche hinausgehendes soziales Engagement. So waren sie zum Beispiel federführend an einer Rumänien-Hilfsaktion beteiligt, die im Umfeld des Jugendrotkreuz organisiert wurde.

Schau hin und hilf, Sekundarstufe II

Katja Körndl, HLW für Sozialmanagement Graz, 5.A Klasse

Katja besucht die HLW für Sozialmanagement in Graz. Während ihrer Schulzeit absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum im Vinzidorf. Katja zeichnete sich während ihrer Praktikumszeit durch eine sehr hohe soziale Kompetenz aus. Sie konnte sich sehr gut in die Lebenswelt der Dorfbewohner einfühlen und rasch eine sehr freundschaftliche, dennoch aber professionelle Beziehung zu den Vinzidorfbewohnern aufbauen. Beeindruckend war, wie verantwortungsvoll Katja – trotz ihrer Jugend – mit den Bewohnern umging. Die Bewohner des Vinzidorfs sind Katja in der Praktikumszeit sehr ans Herz gewachsen. Sie hat sich daher entschieden, weiterhin ehrenamtlich im mitzuarbeiten und übernimmt in ihrer Freizeit regelmäßige Dienste. Katja trägt mit ihrem offenen, freundlichen, liebevollen Wesen sehr viel zu einer angenehmen Atmosphäre im Vinzidorf bei. Es war ihr auch ein besonderes Anliegen, den Weihnachtsabend mit den Bewohnern zu verbringen und den Nachtdienst von 24. auf 25. Dezember zu übernehmen. Bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier hat Katja ihre Trompete ausgepackt und gemeinsam mit einer Kollegin musiziert, was die Bewohner sehr berührt hat. „Mei die Katja, schön dass du do bist – wo warst denn so lang“ – so wird sie von den Bewohnern begrüßt, wenn sie ins Vinzidorf kommt.

Tanja Kamsker, BHAK Mürzzuschlag, 4.AK Klasse

Tanja, Schülerin der 4. Klasse HAK, fährt täglich mit dem ÖBB-Bus von ihrem Wohnort in die Schule. Im Oktober 2013 ereignete sich dabei folgender Vorfall: Während sie auf den Bus wartete, fuhr ein 11-jähriger Bub mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Hauptschule an ihr vorbei. Plötzlich stürzte er. Da er nicht gleich wieder aufstand, lief Tanja zu ihm, um zu sehen, ob alles in Ordnung sei. Sie half ihm auf, damit er so schnell wie möglich von der Straße wegkam. Er sagte, dass ihm die Hand schmerzte. An der Bushaltestelle standen noch zwei weitere Personen. Eine von ihnen entfernte dann das Rad von der Unfallstelle. Als der Bus kam, drückte er es Tanja in die Hand und stieg ein. Die beiden anderen sind also letztlich einfach weggefahren, ohne sich um den gestürzten Buben zu kümmern. Das ist bemerkenswert. Einzig Tanja hat die Initiative ergriffen. Sie hat dem Buben nicht nur von der Straße geholfen, sondern auch noch versucht, ihn zu beruhigen und aufzumuntern. Schließlich rief sie auch noch den Arzt an. Erst nachdem sie das Unfallopfer dem Arzt anvertraut hatte, machte sie sich wieder auf den Weg in die Schule. Und nur, weil sie zu spät gekommen ist, haben ihre Klasse und die Klassenlehrerin überhaupt von ihrer Tat erfahren.


Tizian Ruckenbauer, Gymnasium der Ursulinen, Graz, 7. Klasse

Tizian ist ein wirklich außergewöhnlicher junger Mann. Er steht nicht gerne im Rampenlicht und ist äußerst bescheiden in seinem Auftreten. Es würde ihm nie in den Sinn kommen, seine vielfältigen Aktivitäten als etwas Besonderes zu sehen. Aber gerade diese Selbstverständlichkeit, mit der er so viele kleine Dinge diskret und hilfsbereit einfach tut, zeichnet ihn aus. So hat er als Schulsprecher die Neugestaltung der Aufenthaltsräume nicht nur mit in die Wege geleitet, sondern den Schulwart auch aktiv bei der Umsetzung unterstützt.
Er organisiert Veranstaltungen, informiert seine MitschülerInnen laufend über wichtige Themen wie die Neue Reifeprüfung und unterhält auch konstruktive Beziehungen zu den LehrerInnen. Es gibt in seiner Freizeit MitschülerInnen, die sich keine Nachhilfe leisten können, Lernbegleitung – natürlich gratis. Besonders kümmert er sich um SchülerInnen mit Migrationshintergrund. Er gibt auch reguläre Nachhilfestunden – allerdings zu einem moderaten und den finanziellen Möglichkeiten seiner „Kunden“ angepassten Preis. Nicht wenige SchülerInnen aller Altersstufen haben durch sein Engagement bereits beträchtliche Fortschritte erzielt. Darüber hinaus arbeitet Tizian auch noch an einem Sozialprojekt an der Schule mit, das Kindern in Botswana den Besuch der Schule ermöglicht. Und so gäbe es noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele, die Tizians außergewöhnliches Engagement und seinen Einsatz für Mitmenschen in und außerhalb der Schule belegen würden.

Regina Wittine, HAK Grazbachgasse, 5.CK Klasse

Regina sieht es als selbstverständlich an, sich überall dort einzubringen, wo andere Leute es brauchen. Sowohl in der Schule als auch in ihrer Freizeit bleibt sie ihrem Motto „Ich helfe, wo ich kann“ treu. So hilft sie zum Beispiel Bekannten, die ihre Unterstützung brauchen, bei den Aufgaben. Bereits in der zweiten Klasse der HAK begann sie, sich als Mediationspeer zu engagieren. Und so hat sie auch in diesem Schuljahr wieder besondere Aufgaben übernommen: zum Beispiel die einer Tutorin, die die SchülerInnen der ersten Klassen dabei unterstützt, sich mit dem Schulleben vertraut zu machen. Besonders engagierte sie sich bei der Organisation eines Elternabends einer ersten Klasse. Gemeinsam mit den „Erstklasslern“ hat sie dafür ein Motto erarbeitet und ein Plakat gestaltet. Für Regina ist es immer wieder ein tolles Gefühl, dazu beitragen zu können, dass die SchülerInnen ihre anfängliche Unsicherheit überwinden und sich schließlich stolz und selbstbewusst dem Publikum präsentieren. In ihrer freiwilligen Funktion als Mediatorin nimmt sich Regina auch KollegInnen an, die ein Problem haben oder in einer persönlichen Krise stecken. Sie versucht behutsam, zu helfen und nicht selten wird ihr dabei ein gehöriges Maß an Feingefühl und Geduld abverlangt. Kein Wunder, dass Regina nun im letzten Schuljahr von Ihren MitschülerInnen zur Klassensprecherin gewählt wurde. Nicht zuletzt deshalb, weil sie an ihr das Vermögen schätzen, auch bei Interessengegensätzen oder Problemen alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und eine sachliche und für alle akzeptable Lösung zu erzielen.

Lass dich nicht unterkriegen

Lass dich nicht unterkriegen, Volksschule

Vanessa Kappel, VS Hengsberg, 1. Klasse

Vanessa kam am 22. Dezember 2005 zur Welt – ein verfrühtes „Christkind“. Sechs Monate später teilte man ihren Eltern mit, dass Vanessa unter dem Joubert-Syndrom leide. „Nur“ eine Entwicklungsverzögerung, wie man die Eltern zu beruhigen versuchte. Als ihnen nach Erkundigungen und weiteren Arztbesuchen die wahre Dimension dieser Diagnose bewusst wurde, brach für sie eine Welt zusammen. Seit der Erstbeschreibung dieser genetisch bedingten Fehlbildung des Kleinhirns sind erst 100 Fälle dokumentiert. Die Symptome können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein und auch über das Ausmaß des Entwicklungsrückstandes lassen sich kaum Prognosen machen. Es reicht von schweren bis zu kaum beeinträchtigenden Entwicklungsdefiziten. Viele Kinder überleben das Kindesalter nicht, andere haben eine gute Entwicklungsprognose. Heilbar ist das Syndrom nicht.
Für Vanessa begannen nach einigen weiteren Untersuchungen Physiotherapie und Frühförderung. Mit zwei sprach sie die ersten Worte, mit vier konnte sie aufstehen, im Februar 2011 konnte sie frei gehen. Seit 2012 besucht sie die Volksschule. Aufgrund ihrer sozialen, liebenswerten, hilfsbereiten und fröhlichen Art war es für sie überhaupt kein Problem sich in das Klassengefüge zu integrieren. Es dauerte nicht lange und Vanessa hatte nicht nur in ihrer Klasse zahlreiche Freundschaften aufgebaut, nein, sie hatte bald Freunde in allen Klassen der Schule.
Im Februar 2013 wurde Vanessa auf Wunsch der Eltern und nach Absprache mit dem Lehrerteam in den Vorschullehrplan eingestuft. Die Eltern teilten der Schule mit, dass Vanessa eine große und komplizierte Operation am linken Fuß bevorstehe und aus diesem Grund würde sie für eine längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen können. Die Operation verlief ohne Komplikationen. Vanessa schickte Fotos vor und nach der Operation und von ihrer Genesung. Vanessa ließ sich auch durch diese schwere Operation nicht unterkriegen und wurde kurz darauf schon wieder mit offenen Armen von den SchülerInnen und LehrerInnen in Empfang genommen. Ihre MitschülerInnen halfen Vanessa beim Anziehen der Jacke, Zurechtstellen des Rollators und beim Tragen ihrer Schultasche.
Vanessa ist eine Kämpferin und lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Sie lächelt immer und gibt auf jede Frage die passende Antwort. Sie bereichert das Miteinander in der Schule und zeigt uns was man schaffen kann und wie man auch die schwierigsten Situationen positiv meistert.


Gerald Url, VS Tieschen, 2. Klasse

Gerald ist ein Schmetterlingskind. Das heißt, er leidet unter Epidermolysis bullosa, einer genetisch bedingten Hautkrankheit, die nicht heilbar ist. Immer wieder entstehen Blasen und Wunden auf seiner Haut. „Schmetterlingskinder“ erkranken auch an schweren Folgeerkrankungen und müssen mit schweren körperlichen Deformationen leben. Letztlich kann diese Krankheit auch zum Tod führen. Trotz der körperlichen Beeinträchtigungen und seelischen Belastungen besucht Gerald die Schule mit letzter Konsequenz. Er nimmt nicht nur aufmerksam und engagiert am Unterricht teil, er lässt sich auch nicht davon abhalten, bei allen möglichen anderen Aktivitäten mitzumachen. So versäumt er weder eine Sportstunde noch einen Wandertag. Gerald beweist, dass man auch als kleiner Mann sein Schicksal ganz groß und tapfer annehmen und meistern kann. Mit seinem Beispiel und im Zusammenspiel mit seinen MitschülerInnen, seinem Betreuer und seiner Lehrerin zeigt Gerald täglich auf beeindruckende Weise, wie Integration in der Schule gelebt werden kann.

Hannah und Julian Schwimmer, VS Gamlitz, 4.a Klasse

Hannah und Julian sind Zwillinge. Seit vier Jahren – seit der 1. Klasse Volksschule – leben sie mit der Angst, dass ihre Mutter von einem der zahllosen Krankenhausaufenthalte einmal nicht mehr zurückkommen könnte. Sie ist an Krebs erkrankt. Die beiden Geschwister unterstützen sich nicht nur gegenseitig auf besonders liebevolle weise und sprechen sich immer wieder Mut zu, sie sind auch in der Klasse wegen ihrer freundlichen Art, mit Ihren MitschülerInnen umzugehen, außerordentlich beliebt. Vor allem Hannah hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer SchulkolegInnen. Und Julian ist immer dort zur Stelle, wo tatkräftige Hilfe gebraucht wird. Beide bleiben von sich aus und ganz freiwillig mindestens eine Stunde länger in der Schule, um ihre Hausübungen zu erledigen und zu lernen, wenn ihre Mutter – manchmal über viele Wochen – im Krankenhaus bleiben muss. Auch zu Hause am elterlichen Bauernhof helfen die beiden nach Kräften mit und noch nie hat irgendjemand ein Wort der Klage gehört.


Ajla Imsirovic, VS Tillmitsch, 2.b Klasse

Im November 2011 bekam Ajla die Diagnose Leukämie. Bis Juli 2012 war sie auf der Kinderkrebsstation. Ab September 2012 besuchte sie die 1. Klasse der Volksschule. Obwohl sie sich einer Chemotherapie unterziehen musste, besuchte sie jeden Tag den Unterricht. Um sich vor Infektionen zu schützen, musste sie eine Maske tragen. Jeder Virus, der in der Schule grassierte, war für Ajla eine riesige Bedrohung. Bei jeder Krankheitswelle musste sie zu Hause bleiben. Den versäumten Unterricht holte sie daheim nach und schaffte so den Aufstieg in die 2. Klasse ganz problemlos. Der Schulalltag ist für Ajla sehr anstrengend. Die Chemotherapie verursacht bleierne Müdigkeit. Wöchentlich muss sie nach Graz auf die Kinderkrebsstation. Auch wenn sie nachmittags schon sehr erschöpft ist, macht sie dennoch ihre Hausübungen. Sie hat sich von all dem – der körperlichen Erschöpfung, den Untersuchungen und Therapien, der Angst – nicht unterkriegen lassen. Jetzt muss sie noch einmal pro Monat zur Kontrolle ins Krankenhaus und alle ihre MitschülerInnen und LehrerInnen hoffen, dass sie bald ganz gesund wird.


Lass dich nicht unterkriegen, Sekundarstufe I

Kerstin Hasenöhrl, NMS Feldbach I, 4.a Klasse

Kerstin wurde gegen Ende der Ferien aus ihrer Kindheit herausgerissen und von einer Minute auf die andere in eine Welt geworfen, die ihr das Lachen nahm. Zwei Wochen vor Schulbeginn erlitt ihre Mutter während einer Familienfeier einen Gehirnschlag. Kerstin und ihr kleiner Bruder (11 Jahre) bekamen den Zusammenbruch mit. Von diesem ersten Moment an musste Kerstin ihre Angst und ihre Unsicherheit zurückstellen, sie musste stark für ihren kleinen Bruder sein, der in diesem Moment spurlos verschwand.
Im Krankenhaus erlitt die Mutter auch noch einen Schlaganfall. Wochenlang lag sie auf der Intensivstation im Koma, abgeschirmt von ihren Kindern. Nur der Vater durfte sie besuchen und er konnte mit dieser Situation absolut nicht umgehen. Er erzählte den Kindern nichts vom Zustand der Mutter. Diese unsichere Zeit prägte Kerstin. Sie hatte große Angst um die Mutter, musste jedoch für ihren kleinen Bruder da sein und auch die Schule hatte mittlerweile begonnen. Kerstin gehörte immer zu den besten Schülerinnen der Klasse. Dies änderte sich auch in dieser Zeit nicht. Keiner merkte irgendwas von ihrer inneren Zerrissenheit, von ihrer großen Angst und keiner sah ihre Tränen. Wenn sie während des Unterrichts die Gedanken an die Mutter überkamen, fragte sie ob sie auf die Toilette gehen darf, dort weinte sie dann still und leise.
Zu Hause „ersetzte“ sie die Mutter, sie lernte mit ihren Bruder, kochte für die Familie, putzte das ganze Haus, machte die Wäsche. Zu Weihnachten durfte die Mutter das erste Mal seit dem Zusammenbruch wieder nach Hause, für Kerstin das absolut schönste Weihnachtsgeschenk. Die Mutter ist ein Pflegefall, sitzt im Rollstuhl, die linke Seite ist gelähmt, aber ihre Sprache hat sich verbessert. Kerstins Vater begann aus seiner psychischen Lähmung zu erwachen und baute das Haus behindertengerecht um. Er erkannte, wie viel er Kerstin zugemutet hat, und er begann selbst, tatkräftig zu Hause mitzuhelfen. Langsam sieht Kerstin wieder den blauen Himmel und die Sonne. Auch, wenn ihr Leben nie mehr so unbeschwert sein wird.

Elias Jäger, Musik-NMS Edelschrott, 4.a Klasse

Elias leidet von Geburt weg an spastischer Tetraplegie und cerebraler Parese. Er besucht die Integrationsklasse der 8. Schulstufe und war vom ersten Tag im Haus ein Sonnenschein für seine Umgebung. Da er im Rollstuhl sitzt und auch pflegerische Hilfe braucht, wirkt sein Alltag für Außenstehende oft sehr mühevoll. Elias ist edoch ein positiv denkender, junger Bursche, der mit seinem Humor und seiner Scharfsichtigkeit auch seine Umgebung, ja die ganze Schule zu einem besonders wertschätzenden Umgang untereinander motiviert. Trotz seiner Handicaps war und ist er in allen schulischen Bereichen integriert. Selbstverständlich hat er an allen Schulveranstaltungen wie etwa Schwimmkursen, Projektwochen und der Wienwoche teilgenommen und auch alle zusätzlichen Aktivitäten wie Exkursionen, Berufsorientierungsbegegnungen, Konzerte, Theaterbesuche, Musicalaufführungen mitgemacht. Er zeigt jeden Tag, mit welcher Freude und Begeisterung er in die Schule kommt. Es ist bewundernswert, wie viel Kraft er und seine Familie aufbringen, damit er so „normal“ wie möglich leben kann. Elias steht/sitzt mitten im Leben, er macht sich Gedanken über seine Zukunft und wird von seinen MitschülerInnen als Persönlichkeit geschätzt. Er ist ein Beispiel für Lebensmut und Optimismus, obwohl er sehr oft durch Therapien und Wachstumsentwicklungen unter großen Schmerzen leidet. Sein Lachen ist Ausdruck seines Lebensmutes und seiner Lebenskraft.

Jan-Pieter Scherr, NMS Krottendorf-Gaisfeld

Jan-Pieter hat die seltene Hautkrankheit Ichthyose. Ichthyose ist ein Sammelbegriff für durch Gendefekte verursachte Verhornungsstörungen der Haut. Mit schweren Medikamenten und intensiver Pflege kann man den Verlauf der Störung bessern und die Symptome lindern, heilbar ist dieser Defekt jedoch nicht. Natürlich ist Störung nicht übertragbar. Jan-Pieter leidet an der schwersten Form dieser angeborenen Verhornungsstörung, der Harlekin-Ichthyose. Regelmäßig muss Jan-Pieter gebadet und eingeschmiert werden, damit die Haut nicht völlig austrocknet. Am Körper entstehen oft tiefe, schmerzhafte Risse. Da die Schweißdrüsen von den ständigen Verschuppungen verstopft sind, kann Jan-Pieter nicht schwitzen und reagiert im Sommer auf hohe Außentemperaturen oft mit starkem Fieber. Von all dem lässt sich Jan-Pieter allerdings nicht abhalten, im Unterricht und in der Schule, wo immer es ihm möglich ist – dabei zu sein. Er zeigt dabei viel Fleiß und besonderes Durchhaltevermögen, ist fröhlich, aufgeweckt und hilfsbereit und gehört zu den Spitzenschülern seiner Klasse. Auf manche Dinge wie z. B. auf Wandertage und Sportwochen muss er verzichten. Aber auch das nimmt er ganz selbstverständlich hin, vermag er doch, scheint’s, seine körperlichen Grenzen oft besser einzuschätzen als so mancher Erwachsene.


Paul Sackel, NMS Wies, 2.c Klasse

Paul ist elf Jahre alt. Vor etwa zwei Jahren wurde bei ihm ein Gewächs in der Hypophyse, einer Hormondrüse im Gehirn, festgestellt. Paul wurde zweimal operiert. Das Gewächs wurde dabei durch die Nase entfernt. Doch leider ohne Erfolg. So musste er in den Sommerferien und in den ersten vier Wochen dieses Schuljahrs zwischen Montag und Freitag täglich nach Graz auf die Onkologie, wo er bestrahlt wurde. Trotzdem ist Paul ein durch und durch positiv eingestelltes Kind geblieben. Er hat der ganzen Klasse, die mit ihm mitgelitten und sich große Sorgen um ihn gemacht hat, die Angst genommen, indem er in einer Stunde von sich aus von den Behandlungen erzählt hat. Dabei hat er auch die Maske mitgebracht, die er während der Bestrahlungen tragen musste. Sogar während der Behandlungen hat Paul durch seinen Optimismus anderen PatientInnen – darunter vielen Erwachsenen – Mut und Hoffnung gemacht. Man muss dazusagen, dass viele Erwachsene diese Behandlung gar nicht ohne Narkose aushalten. Paul ist immer zu Späßen aufgelegt, ist äußerst hilfsbereit und bemüht sich, alle Aufgaben pünktlich zu erledigen. Und das gelingt ihm auch. Paul beschwert sich nie über seine Situation. Seinen MitschülerInnen gibt er immer das Gefühl, dass es einfach schön ist, wenn man in die Schule gehen darf.

Alexander Steg, HS/NMS Lebring-St. Margarethen, 4.a Klasse

Alexander ist 16 Jahre alt, er besucht die 4 Klasse der HS/NMS. Das letzte Schuljahr, bevor er ins Berufsleben einsteigen wird, beendet er im Juli mit einem Abschlusszeugnis, auf das er stolz sein kann. Nach dem Besuch des heilpädagogischen Kindergartens, Vorschulstufe und zwei Jahren Volksschule kam Alexander für weitere vier Jahre in die Förderklasse und wurde nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule (ASO) unterrichtet. Grund dafür war eine Lernschwäche aufgrund einer Entwicklungsverzögerung und epileptischer Anfälle, die medikamentös behandelt werden müssen.
Der Umstieg in die Integrationsklasse der Hauptschule war für Alexander nicht leicht. Im Umgang mit gleichaltrigen Kindern hatte er großen Nachholbedarf. Aber er hat enorme Fortschritte gemacht und ist zu einem höflichen, verantwortungsbewussten, in der Gemeinschaft aufgenommenen, ehrgeizigen und lernbegeisterten Jugendlichen geworden. In seiner Freizeit spielt er begeistert Hackbrett und tritt damit auch häufig öffentlich auf. Alexanders musikalischer Beitrag ist auch eine Bereicherung für die Schul-Weihnachtsfeier.
Bis auf ein Fach wird er die 4. Klasse der Hauptschule mit einem regulären Abschlusszeugnis beenden können. Sein Fleiß, seine Lernbereitschaft und der Mut, offen für Neues zu sein, werden ihm bestimmt auch in seiner beruflichen Zukunft weiterhelfen, seine Ziele zu erreichen. Damit ist der Weg Alexanders auch zu einem schönen Beispiel dafür geworden, wie positiv sich der gemeinsame Unterricht von Kindern mit verschiedenen Begabungen, Stärken und Schwächen auswirken kann.


Sihao Cheng, HIB Liebenau

Sihao wurde in China geboren. Er ist 13 Jahre alt. Sein Vater starb in den Tagen nach seiner Geburt an Krebs. Seine Mutter arbeitete in der Regionalverwaltung in Guangzhou. Da sie keine Möglichkeit hatte, ihren Sohn zu betreuen, wuchs Sihao 2000 Kilometer entfernt nahe Peking bei seinen Großeltern auf. Seine Mutter konnte ihn zwei- oder dreimal im Jahr besuchen. Als er fünf Jahre alt war, zog seine Mutter nach Österreich. Sechs Monate später kam Sihao nach. Plötzlich war er mit seiner Mutter, die er kaum erlebt hatte, von seinen Großeltern und Freunden getrennt, in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht verstand. Er fühlte sich angestarrt, wurde auch offen angefeindet. Die einheimischen Kinder ließen ihn nicht mitspielen, verjagten ihn vom Spielplatz – weil er anders aussah. Dennoch verlor er nie den Mut, bewahrte anderen gegenüber seine Hilfsbereitschaft, freute sich auf die Schule und lernte mit Begeisterung. Mit sieben Jahren sprach er perfekt und akzentfrei Deutsch. Er las Bücher auf Deutsch und Chinesisch, zählte immer zu den Besten in der Klasse, besuchte das Musikkonservatorium, lernte Trompete. Auch wenn er sich im Laufe der Jahre und jetzt im Gymnasium im Großen und Ganzen viel besser akzeptiert fühlt, sieht er sich auch dort immer wieder offenen Anfeindungen ausgesetzt. So wurde er zum Beispiel im Pausenhof schon auch mit den Worten „Scheiß Chinese, hau ab aus Österreich“ „begrüßt“. Es kränkt ihn nach wie vor, wenn man mit den Fingern auf ihn zeigt. Allerdings laden ihn mittlerweile – wenn auch oft „geheim“ – immer wieder Mitschüler zu sich ein. Die Art, wie Sihao trotz der fortgesetzten Anfeindungen seine unerschütterliche Freude am Lernen und letztlich auch für die Schule bewahrte und wie er sich für benachteiligte Menschen einsetzt, verdient Bewunderung.

Mahir Causevic, NMS Kepler, 2.a Klasse

Mahir ist ein Schüler der 2. Klassen NMS. Er ist seinen MitschülerInnen sehr ans Herz gewachsen. Mahir hat es in seinem Leben nicht leicht. Als er vier Jahre alt war, wurden in seinem Kopf Tumore festgestellt. Er war lange im Spital, musste Operationen und Chemotherapien über sich ergehen lassen. Dass er einfach nur unbeschwert spielen oder gar herumtollen konnte, das kam in seinem Leben nicht vor. Die Behandlung schien zu helfen. Doch im Mai vergangenen Jahres erhielt Mahir die Diagnose, dass sich die Tumore wieder vergrößert hatten. Seither muss er wieder Woche für Woche zur Chemotherapie ins Spital. Er scheint auf die Therapie anzusprechen, denn die Tumore haben sich verkleinert. Allerdings machen ihm die Nebenwirkungen der Chemotherapie sehr zu schaffen. Dennoch ist es ihm sehr wichtig, in die Schule zu kommen. Er ist offen gegenüber seinen MitschülerInnen und LehrerInnen, fleißig, immer freundlich und bemüht, niemandem zur Last zu fallen. Trotz aller Belastungen, die seine Erkrankung für ihn mit sich bringt, hört man nie ein Wort der Klage aus seinem Mund, nie irgendeinen unfreundlichen oder forschen Satz. Ungeduldig wird Mahir höchstens dann, wenn er wegen seiner Therapie in der Schule irgendwas versäumt. Dann holt er, so rasch es geht, alles nach – und trotz seiner Einschränkung hält er überall gut mit. In vielen Situationen und mit vielen kleinen Handlungen beweist Mahir im Schulalltag immer wieder, welch großartiger und liebenswürdiger Mensch er ist.

Verena Sophie Schadler, NMS I Leibnitz, 4.b Klasse

Verena Sophie besucht die 4 b Kreativklasse der NMS. Seit ihrer Geburt leidet sie an einer spastischen Diplegie. Bis zum Jahr 2008 war sie mit einer Gehhilfe allein mobil. Danach folgten 2008 und 2010 zwei schwere Hüftoperationen, die ihre Mobilität stark einschränkten. Außerdem konnte sie den Unterricht oft über Wochen nicht besuchen. Dennoch musste sie nie eine Klasse wiederholen. Seit den Operationen ist sie für alle Aktivitäten auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Ziel ist es, diesen wieder zu verlassen. Dafür kämpft Sie tapfer, trainiert jeden Tag hart. Zweimal muss sie während der Schulzeit für zwei Wochen in die Slowakei zur Rehabilitation. Sie arbeitet sehr intensiv und zielstrebig mit ihren Therapeuten, um ihr Ziel zu erreichen. Neben den Therapien lernt sie abends noch für die Schule. Verena wird nach dem normalen Lehrplan unterrichtet und absolviert in den Hauptgegenständen die 1. Leistungsgruppe. Bis jetzt hat sie alle Klassen mit ausgezeichneten oder guten Erfolg abgeschlossen. Ihr nächstes Ziel ist es, die Matura zu schaffen. Daher wird sie ab dem Schuljahr 2014/2015 voraussichtlich die HAK besuchen. Trotz ihres Handicaps ist Verena ein sehr lebensfroher Mensch, hat ständig ein Lächeln im Gesicht und meistert ihr Schicksal mit Bravour.


Lass dich nicht unterkriegen, Sekundarstufe II

Hartwig Stocker, HAK Schladming, Matura-Lehrgang 1. + 2. Semester

Hartwig besucht das 2. Semester des HAK-Maturalehrgangs. Der Schulbesuch stellt für ihn sicher eine besondere Herausforderung dar. Seit seinem vierten Lebensjahr leidet er an Muskeldystrophie des Typs Duchenne. Diese schwere Erkrankung zwingt ihn seit Ende der Volksschulzeit in einen Rollstuhl und sein Leiden verschlimmert sich von Monat zu Monat. Trotz seiner Krankheit hat er im Schuljahr 2012/13 die Handelsschule in der planmäßigen Zeit erfolgreich abgeschlossen. Auch das 1. Semester des HAK-Maturalehrgangs hat er positiv und ohne ein Genügend bewältigt. Der PC ist für ihn im Unterricht unentbehrlich, da er aufgrund seiner Krankheit nicht mehr in der Lage ist, mitzuschreiben. Trotz seiner schweren körperlichen Beeinträchtigung lehnt Hartwig eine Sonderstellung im Unterricht für sich strikt ab. Er hat kaum Fehlstunden. Auch wenn es ihm besonders schlecht geht, kommt er in die Schule. Eigentlich ist es für ihn körperlich kaum mehr möglich, sieben Stunden lang am Unterricht teilzunehmen. Dennoch bleibt er regelmäßig bis zum Unterrichtsende, denn er will keinen Unterrichtsstoff versäumen. Hartwig ist kaum noch in der Lage, aufrecht zu sitzen und er muss immer wieder in die richtige Sitzposition gebracht werden. Es ist bewundernswert, wie Hartwig sein schweres Schicksal meistert und unbeirrt sein Ziel verfolgt, die Matura abzulegen.

Jan Stalzer, ORG der Grazer Schulschwestern, 5.a Klasse

Im Mai 2013 erkrankte Jan, damals Schüler der 4. Klasse, an Leukämie. Nach dem ersten Schock geht Jan mit seiner Situation auf beeindruckende Weise um und hat den festen Willen, wieder gesund zu werden. Diese Zuversicht resultiert auch aus der Unterstützung, die er von seiner Familie und seinen Freunden erfährt. Sie sprechen ihm Mut zu und vermitteln ihm Kraft. Paul Offner, seit den Volksschultagen mit Jan befreundet, hält seit Mai den Kontakt zwischen Schule und Jan aufrecht. So hat er zum Beispiel die Übertragung der Abschlussfeier der 4. Klassen der Neuen Mittelschule via Skype ins Krankenhaus mitorganisiert. Seit September gehen Paul und Jan nun in die 5a. Klasse des ORG der Grazer Schulschwestern. Da Jan den Großteil der Zeit im Krankenhaus verbringen muss, versäumt er sehr viele Unterrichtsstunden. Er würde Hausübungen und Schularbeiten niemals schaffen, gäbe es nicht Paul und Niklas, seinen jüngeren Bruder, der die 2. Klasse der NMS besucht. Paul hat für Jan ab dem ersten Schultag einen Platz in der Klasse reserviert, er schreibt für Jan mit, er sammelt alle Unterlagen in einer Mappe und übergibt sie täglich an Niklas. Durch seine guten schulischen Leistungen, seinen Umgang mit der Krankheit und seine unkomplizierte Art, sein Leben zu meistern und nicht aufzugeben, ist Jan ein ermutigendes Vorbild für alle SchülerInnen und PädagogInnen an der Schule geworden.


Mike Lackner, Bulme, 5. AHETI Klasse

Im Sommer 2013 hatte Mike auf dem Weg von seinem Ferialpraktikum nach Hause einen schweren Motorradunfall. Fünf Wochen lang verbrachte er auf der Intensivstation, knappe drei Wochen auf der Unfallchirurgie, nach wie vor befindet er sich im Rehabilitationszentrum in Tobelbad. Der Motorradunfall hatte für Mike sehr dramatische Folgen und er muss sich damit abfinden, dass er sein weiteres Leben im Rollstuhl managen muss. Mike bewerkstelligt diese Situation mit einer bewundernswert positiven Einstellung. Mit großem Ehrgeiz absolviert er sein körperliches Training. Von Anfang an hat er sein Schicksal angenommen und verfolgt weiterhin zielstrebig seine Visionen. Neben dem harten Weg zurück zu einem eigenständigen Leben ist der Abschluss der Schule sein nächstes großes Ziel. Und dieses Ziel wird er mit hundertprozentiger Sicherheit erreichen. Es ist bewundernswert, mit welcher Kraft und Konsequenz Mike sein Schicksal in die Hände genommen hat, mit welcher positiven Energie er dabei jedoch auch den Menschen begegnet, die mit ihn dabei begleiten.

Michael Schantl, BRG Hartberg, 6.b Klasse

Seit seiner Geburt leidet Michael an einer schweren Muskelerkrankung, die ihn stark beeinträchtigt. Seit 2001 benötigt er eine Beatmungsmaschine. Er kann sich nur mit Hilfe seines Rollstuhls fortbewegen. Er kommuniziert hauptsächlich mittels eines Computers und muss dabei jeden einzelnen Buchstaben per Mausklick auf seiner Bildschirmtastatur eingeben. Sein Gehör und seine Sehkraft sind ebenfalls beeinträchtigt. Länger zu sprechen, strengt ihn an. Häufig hat er starke Rückenschmerzen, verursacht durch seine schiefe Wirbelsäule. Dennoch absolvierte er das vergangene Oberstufen-Schuljahr mit ausgezeichnetem Erfolg. Hatte sogar lauter Sehr gut! Er hat sehr fundierte Programmierkenntnisse. So hat er für die Schul-Homepage ein Geburtstags-Gadget erstellt und das Anmeldungsportal für die Vorwissenschaftliche Arbeit programmiert. Michael hat trotz aller gesundheitlichen Beeinträchtigungen seine Lebensfreude nicht verloren. Er nimmt am Klassenleben teil und besucht, wenn möglich, auch Schulveranstaltungen. Er ist ein sehr intelligenter, gewissenhafter, zielorientierter und humorvoller Schüler, der von seinen Mitschülern auf Grund seiner Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sehr geschätzt wird. Er ist ein gutes Beispiel dafür, was man erreichen kann, wenn man will, beziehungsweise wie man mit einem schweren Schicksal umgehen kann.


Madeleine Wiesauer, HAK Grazbachgasse, 5.CK Klasse

Während ihrer Schulzeit wurde Madeleine von einem Tag auf den anderen damit konfrontiert, dass ihre Mutter an einem bösartigen Tumor erkrankt war. Es hatte an sich ganz „harmlos“ begonnen. Madeleines Mutter sollten vermeintliche Gallensteine entfernt werden. Doch bald war klar, dass das Leben Madeleines und ihrer Familie nie mehr so sein würde wie zuvor. Es folgten Tage, Wochen und Monate des Bangens und Hoffens, Operationen. Dann kam der Tag, an dem die Ärzte die Maschinen, die Madeleines Mutter am Leben erhielten, abschalten wollten. Doch die Familie ließ es nicht zu: Sie wollte der Mutter diesen einen, letzten Wunsch erfüllen: nach Hause zu kommen. Madeleine absolvierte eine Schulung, um ihre Mutter pflegen zu können und nachdem alles – Rollstuhl, Pflegebett, Physiotherapie und ärztliche Betreuung – organisiert war, kam ihre Mutter wirklich nach Hause. Acht Wochen lang pflegte Madeleine ihre sterbenskranke Mutter, schlief in keiner Nacht, kochte für ihre Mutter, wusch und Pflegte sie und sprach zu ihr, wenn sie wach war. Stündlich waren ihre Werte zu kontrollieren, regelmäßig waren ihr Medikamente zu verabreichen. Täglich sah der Hausarzt nach der Mutter. Madeleine war einfach nur glücklich, ihrer Mutter diesen Wunsch erfüllt zu haben. Manchmal vergaß sie für Augenblicke sogar, dass ihre Mutter so schwer krank war. Auch ihr Vater und ihr Bruder halfen, doch an Madeleine blieb das meiste hängen. Sie fühlte sich ausgelaugt, doch sie konnte auch dann nicht schlafen gehen, wenn die Mutter einmal schlief. Als es der Mutter zunehmend schlechter ging, erforderte ihre Betreuung noch mehr Kraft. Sie starb, nachdem sie in einer Art Lebensmonolog zurück in ihre Kindheit gelangt war, in den Armen Madeleines. Madeleine brauchte Tage und Nächte, um mit dem Erlebten fertig zu werden, nach wie vor fand sie keinen Schlaf. Sie organisierte auch das Begräbnis. Mittlerweile bewältigt sie den Haushalt recht gut neben der Schule und sie arbeitet in der Firma des Vaters mit. Damit sie sich auch noch auf die Matura vorbereiten kann, hat sie alle anderen Freizeitaktivitäten massiv eingeschränkt. Oft fragt sie sich, warum gerade ihre Familie so hart vom Schicksal getroffen wurde. Doch sie besitzt auch die Weisheit, zu erkennen, dass man gewisse Dinge nicht verändern kann und dass man versuchen muss, in dieser Situation das Beste zu erreichen. Sie weiß, dass sie es erreicht hat.

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