Caritas-Bericht 2019
Direktor Herbert Beiglböck: "Das vielfältige Mosaik der Hilfen spielt wirksam zusammen"

Vielfältiges Mosaik der Hilfen muss zusammenspielen: Caritas-Direktor Herbert Beiglböck zieht Bilanz.
  • Vielfältiges Mosaik der Hilfen muss zusammenspielen: Caritas-Direktor Herbert Beiglböck zieht Bilanz.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Über Coronazeiten und das vergangene "normale" Jahr 2019: Caritas Steiermark-Direktor Herbert Beiglböck im Gespräch.

Das Jahr 2019 war "normal", stellt die Caritas Steiermark in ihrem Wirkungsbericht 2019 fest. Caritas-Direktor Herbert Beiglböck erzählt im WOCHE-Interview, wie wichtig die Angebote der Caritas für die Gesellschaft sind und wie herausfordernd die Coronazeit auch für die größte karitative Einrichtung der Steiermark ist.

WOCHE: Die Caritas ist karitativ tätig und die Hilfe für andere Menschen ist ihr tägliches Brot. In der Coronakrise hat sie in kürzester Zeit einige Zusatzangebote auf die Beine gestellt. Wie ist das gelungen?
Herbert Beiglböck:
Die Coronakrise hat uns auch vor neue Herausforderungen gestellt, aber zum Glück haben wir in der Steiermark eine hohe Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement und konnten auch jetzt auf die 1.600 Menschen zählen, die kontinuierlich mitarbeiten. Sie und zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben uns geholfen, die schwierige Situation zu meistern und Angebote zu schaffen, die in dieser Situation vermehrt nötig waren wie etwa die Lebensmittelausgabe.

Die Haussammlung der Caritas musste heuer coronabedingt ausfallen. Sind sie der Meinung, dass die 10,6 Millionen Euro an Spendengeldern aus 2019 in diesem Jahr nicht erreicht oder gar übertroffen werden können?
Es ist natürlich sehr schade, dass wir die Haussammlung heuer nicht wie gewohnt durchführen konnten, denn sie ist unsere größte Spendenaktion. Wir haben aber sehr viele Coronaspenden bekommen und auch beim Team Nächstenliebe haben sich viele Menschen gemeldet, die ihre Unterstützung angeboten haben. Wir sind daher allen Ehrenamtlichen und allen Spendern für ihre Hilfe sehr dankbar. Es haben uns viele Einzelpersonen, aber auch Unternehmen wie Spar, Saubermacher oder Gastronomiebetriebe, wie die Familie Grossauer oder das Laufke, unter die Arme gegriffen. Wir können nur wirksam werden, wenn das vielfältige Mosaik der Hilfen zusammenspielt.

Inwiefern haben sich die Angebote der Caritas jetzt verändert?
Wir haben die Lebensmittelausgabe erweitert und vor allem in den Regionen gestärkt. Aber auch die Betreuung von Obdachlosen war ein wichtiges Thema, denn aufgrund der Ausgangsbeschränkungen mussten sie auch tagsüber betreut werden. Betriebe wie Tagwerk und Stoffwerk haben auf die Herstellung von Schutzmasken umgesattelt, also haben wir uns hier schnell an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

Die Caritas betreibt auch einige Pflegeheime, die sensibles Terrain für Coronainfektionen sind. Wie ist die Caritas dort mit der Situation umgegangen?
Wir haben 17 Pflegewohnhäuser und hatten keinen einzigen Coronafall. In einem Kooperationshaus verzeichneten wir zwei Fälle. Diese geringe Anzahl ist großes Glück, aber natürlich auch der herausragenden Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Die Situation war für Bewohner wie Personal sehr belastend und jetzt geht es wieder darum, Vertrauen zu schaffen und wieder ein entspanntes Miteinander zu ermöglichen. Es soll wieder möglich sein, ohne Angst Einkäufe oder Besuche zu ermöglichen. 

Die Caritas Steiermark hat im vergangenen Jahr 96.000 Menschen geholfen. Ist die Anzahl zu hoch für eines der reichsten Länder der Welt, wie Österreich es ist?
Es sind immer zu viele Menschen, denn wir wollen, dass möglichst viele selbstständig leben können, aber es wird kein Sozialsystem geben, wo das der Fall ist. Wir haben in Österreich ein gutes Sozialsystem, das wir aber immer stets verbessern und ausbauen müssen. Dennoch braucht es Angebote der Zivilgesellschaft, um Menschen zu unterstützen, die am Rande der Gesellschaft stehen. 

Welche Bereiche haben in der Arbeit der Caritas 2019 großen Raum eingenommen?
Pflege ist bei uns ein großes Thema. Es ist wichtig, genug Personal zu haben um unsere Dienstleistungen sichern zu können. Auch die größere Flüchtlingsentwicklung liegt in unserem Fokus sowie die Integration. Hier müssen wir die Menschen, die bei uns bleiben, auf den Arbeitsmarkt bringen und Bildungschancen erhöhen. 
Ein ganz zentrales Element ist aber das Wohnen und damit meine ich nicht die Obdachlosigkeit, denn diese haben wir mit unseren Einrichtungen gut im Griff. Wir brauchen günstige Wohnangebote, Menschen müssen sich das Wohnen leisten können. Wenn dies nicht möglich ist, brauchen diese Personen öfter unsere Hilfe: Wohnungssuche, Begleichung der Mietkosten sowie der Energiekosten sind Sorgen, die damit einhergehen.

Die Caritas steht für Nähe und Zusammenhalt. Wie wird dieses Credo derzeit gelebt?
Wir können zusammenstehen, aber aus gesundheitlichen Gründen Abstand halten, das steht in keinem Widerspruch. Oft ist man einem Menschen sehr nahe, auch wenn er körperlich nicht anwesend ist, daher können wir auch jetzt Nähe vermitteln.

2019 war in den Augen der Caritas ein "normales" Jahr, 2020 wird das keinesfalls sein. Wie soll sich, wenn es nach Ihnen geht, die zweite Jahreshälfte entwickeln?
Wir haben aus der Krise positive Lernerfahrungen gezogen und uns auch regional stärker verankert. Auch digital waren wir stärker präsent, was in dieser Zeit wichtig war. Wir evaluieren unsere Angebote auch ständig und manche werden auch nach der Krise bestehen bleiben. Ich wünsche mir, dass die Solidarität, die wir in den vergangenen Wochen gespürt haben, nachhaltig erhalten bleibt und wirtschaftlich hoffe ich, dass es gelingt, dass Hilfspakete dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Warum haben wir als Gesellschaft Corona gebraucht, um zusammenzurücken?
Oft sind wir in unserem Alltag so verhaftet, der uns für manche Dinge unsichtbar macht. Unterbrechungen sind dabei manchmal gut, um einen Blick für das Wesentliche zu bekommen, sie schärft die Wahrnehmung.

CARITAS STEIERMARK 2019 IN ZAHLEN

Bei einem Jahresbudget von 97,38 Millionen Euro erreichte die Caritas im vergangenen Jahr in der Steiermark und in der Auslandshilfe insgesamt mehr als 117.000 Menschen, davon über 96.000 Menschen in der Steiermark. 10,6 Millionen Euro kamen dabei aus Spenden (inclusive Sachspenden). Knapp 71,4 Millionen waren Entgelte für Dienstleistungen. Dazu kamen Subventionen und Zuschüsse der öffentlichen Hand sowie kirchliche Beiträge in Gesamthöhe von 14,8 Millionen Euro.

Hier geht es zum Wirkungsbericht der Caritas 2019.

Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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